Dazu kommen die fehlenden Fachkräfte: Ingenieure, Architekten, Feuerwehrleute und Psychologen. Während in Cali eigene, umfangreiche Strukturen für Rettung und Betreuung mobilisiert werden können, müssen die kleineren Gemeinden vielfach darauf hoffen, dass Spezialisten aus anderen Orten zu ihnen kommen.
«Diese Zeiten sind schrecklich»
Carlos Hugo Heraldo Serna räumt in Roldanillo selbst Trümmer weg und hilft Nachbarn bei der Reparatur ihrer Häuser. Dächer werden notdürftig repariert, bewohnbare Gebäude wieder hergerichtet. Unterstützung sei zwar lokal vorhanden, aber sie reiche nicht. «Diese Zeiten sind schrecklich», sagt er.
Auch Laura Libreros hat ihren Arbeitsplatz verloren. Ihr Make-up-Geschäft ist völlig beschädigt. Sie sei zwar dankbar, das Beben überlebt zu haben. Gleichzeitig herrschten Trauer und Verzweiflung: über die zerstörte Existenz, die investierte Zeit und die Menschen, die nun ohne Arbeit dastehen. «Hier sind viele Träume zerplatzt», sagt sie.
Einige Kilometer weiter, in Toro, ist die Zerstörung noch unmittelbarer. José Omar Duque hat sein Haus verloren. Schlafen kann er dort nicht mehr. Stattdessen liegt er nachts in einer Abstellkammer nebenan. «Hier habe ich Angst», sagt er.
Duque hat die Zerstörung mit eigenen Augen gesehen. Als das Beben kam, stand er vor seinem Haus. Innerhalb weniger Sekunden stürzten Gebäude ein. Er selbst fiel zu Boden. Später habe er geweint, erzählt er. Das Haus war der Ort, an dem er seine drei Kinder großgezogen hatte.
Auch in Toro kommt Hilfe an - größtenteils auf private Initiative oder aus den umliegenden Gemeinden. María Rocío Bedoya etwa kocht seit Tagen für die Gemeinschaft. Suppe, Reis, aber auch Kaffee und Brot - was gerade gebraucht wird. Das Gas dafür hat sie teilweise aus eigener Tasche bezahlt. Menschen bringen Lebensmittel und andere Dinge vorbei, andere kommen zum Essen.
Es ist diese Solidarität, die die kleineren Orte nach dem Beben durch die ersten Tage trägt. Doch für den Wiederaufbau braucht es mehr als spontane Hilfslieferungen: Häuser müssen repariert, Geschäfte wiedereröffnet, Krankenhäuser instand gesetzt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Gerade für die kleinen Gemeinden dürfte sich damit erst in den kommenden Wochen zeigen, wie viel Unterstützung tatsächlich bei ihnen ankommt.