Auch die Behörden halten die Darstellung des Australiers bislang für nicht glaubhaft. Nach ihrem derzeitigen Ermittlungsstand starb die 17-Jährige durch Strangulation. «Wir gehen davon aus, dass er sie getötet hat, und er wird wegen Mordverdachts vernommen», sagte der örtliche Polizeichef Anek Srathongyoo. «Sein Körper weist Kratzer von Fingernägeln auf, die auf einen Kampf hindeuten, aber er bestreitet, sie getötet zu haben.»
Tatort: Rentnerparadies Jomtien - auch für Deutsche
Der Tatort überrascht derweil auf den ersten Blick: Jomtien gilt als ruhige Wohngegend. In Apartmentanlagen mit Meerblick verbringen zahlreiche europäische Langzeiturlauber und Auswanderer ihren Ruhestand – darunter auch viele Deutsche.
Bäckereien bieten Brötchen und Bienenstich, «deutschsprachige Jomtianer» treffen sich zum Stammtisch, und auch die nächste Currywurst ist nie weit. Doch bis zur Walking Street, dem weltberühmten Zentrum des Rotlichtviertels, sind es nur wenige Kilometer.
Walking Street - Pattayas Rotlichtviertel
Hier tobt nach Sonnenuntergang allabendlich das Nachtleben. In der Fußgängerzone reihen sich zwielichtige Clubs, Go-Go-Bars und Massagesalons aneinander. Auf Postern werden Asiatinnen ebenso angepriesen wie «Russian Showgirls», die auf Neontafeln in Netzstrümpfen und Strapsen posieren. Schnell gewinnt man den Eindruck: Im Sündenpfuhl Pattaya scheinen der Fantasie internationaler Sextouristen kaum Grenzen gesetzt.
Der «Sydney Morning Herald» nahm den Mordfall zum Anlass, eine neue Tendenz im Sextourismus zu beleuchten: Unter Berufung auf renommierte Soziologen schrieb das Blatt, Pattaya sei längst nicht mehr nur das Revier älterer, einsamer Männer zwischen 60 und 80, die nach «fügsamen» Frauen suchten und «frustriert vom westlichen Feminismus» seien.
Immer jüngere Sextouristen
Tatsächlich gehören Weißhaarige aus dem Westen, die Hand in Hand mit einer deutlich jüngeren Thailänderin in einem Hotelzimmer verschwinden, seit Jahrzehnten zum Straßenbild, nicht nur in Pattaya. Zunehmend reisten nun aber auch jüngere Besucher in ihren Zwanzigern, Dreißigern und Vierzigern in die thailändische Partymetropole – auf der Suche nach Abwechslung, Anonymität und einem Leben ohne die Regeln des Alltags.
Zugleich betonten die Forscher, dass Gewaltverbrechen wie der aktuelle Fall selbst in diesem Umfeld eine Ausnahme seien. Allerdings verwies die Polizei darauf, dass es allein in den vergangenen beiden Jahren nahe Pattaya zwei Fälle gegeben habe, bei denen Frauen aus dem Rotlichtmilieu tot in Koffern entdeckt wurden - bisher sind die Taten ungeklärt.