Sirga lebt in einem 20 Quadratkilometer großen Gebiet in der Kalahari - etwa so groß wie die Nordseeinsel Amrum - in dem sie sich frei bewegen kann. Ein Halsband mit GPS-Tracker zeigt an, wo sie sich gerade aufhält.
Sirgas Revier ist Teil des von Grüner gepachteten 170 Quadratkilometer großen Naturschutzgebiets in einem der abgelegensten Teile Botsuanas. Heute setzt sich Grüner nicht nur für Sirga ein, sondern für das gesamte Ökosystem der Kalahari. Zwar betreibt er ein kleines Gästecamp für Safari-Touristen; vor allem aber geht es ihm um den Naturschutz. Sein Modisa-Projekt unterstützt naturwissenschaftliche Forschungsprojekte, kontrolliert Tierbestände und hilft nationalen Naturschutzbehörden bei Tierzählungen.
Ein Restrisiko bleibt
Inzwischen, da Sirga ausgewachsen ist, verbringt Grüner einen Tag pro Woche mit ihr in der Savanne. «Ich fahre einfach raus, guck, wo sie ist, und dann laufen wir den ganzen Tag durch die Pampa», erzählt er. Einer Sache sei er sich dabei immer bewusst, sagt er: Seine besondere Bindung mit Sirga mache ihn nicht unverwundbar. Bei ihrem Gewicht und ihrer Stärke könne es schnell zu Unfällen kommen, vor allem bei Sirgas mächtigen Begrüßungssprüngen.
«Sie hat mir mal eine Rippe gebrochen. Ab und zu muss ich bisschen genäht werden, wenn sie mal mit der Kralle ausrutscht. Aber das immer aus Versehen», erzählt Grüner. Dass die Löwin ihn bewusst verletzen würde, schließt er aus.
Werben für den Naturschutz
Die sozialen Medien haben Grüner und Sirga berühmt gemacht. Das sei eigentlich nicht so geplant gewesen, gibt Grüner an. Zuerst hatten Besucher seines Camps Videos von Sirgas monströsen Begrüßungssprüngen veröffentlicht. Dann sah Grüner in der Faszination, die seine einzigartige Beziehung mit der Löwin erzeugt, eine Chance, für den Natur- und Tierschutz zu werben.
Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife steht dem Social-Media-Auftritt Grüners kritisch gegenüber. «Beim schnellen Scrollen bleibt oft der Eindruck hängen, hier gehe es nicht um ein Wildtier, sondern um ein Kuscheltier - gerade bei einer so großen Reichweite wiegt das schwer», sagt Pro-Wildlife-Expertin Mona Schweizer. Selbst wenn Grüner in den Posts betone, dass es sich um eine ganz besondere, nicht übertragbare Beziehung handele, könnten die Bilder und Videos falsche Erwartungen wecken und dazu beitragen, den direkten Kontakt mit Wildtieren zu normalisieren, sorgt sich Schweizer.
Es geht nicht nur ums Kuscheln
Während der Corona-Pandemie schrieb Grüner das Buch «Löwenland», in dem er über sein Leben mit Sirga in der Wildnis erzählt. Diesen Monat wird die Kinderbuch-Version veröffentlicht. Und im Januar geht Grüner auf eine mehrwöchige Vortragsreise durch Deutschland und die Schweiz. Es sei ihm wichtig, dass Menschen nicht nur sehen, wie er mit einer Löwin kuschelt, sondern den Hintergrund dazu kennen und verstehen. «Ich bin ja nicht hierhergekommen und wollte einen Löwen haben, sondern ganz umgekehrt», sagt Grüner.