Ein geplatztes Großprojekt, Ermittlungen und gegenseitige Vorwürfe: Die Korruptionsaffäre in Monaco nimmt weiter Fahrt auf.
Eine seit Jahren andauernde Affäre um Korruption und Einflussnahme im Fürstentum Monaco zieht weitere Kreise. Der frühere Schulfreund und Berater von Fürst Albert II., der Anwalt Thierry Lacoste, sei im Zuge von Ermittlungen zu einem geplatzten riesigen Immobilienprojekt bereits am Mittwoch in Polizeigewahrsam genommen worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Monaco mit.
Nach Abschluss seiner Vernehmungen und zweimaliger Verlängerung des Gewahrsams sei Lacoste am Morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Dieser habe gegen ihn ein förmliches Strafverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der aktiven Bestechung eines nationalen Amtsträgers, der passiven Einflussnahme sowie der Geldwäsche eröffnet und ihn der gerichtlichen Aufsicht unterstellt, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Lacoste bestreite die Vorwürfe und gelte weiter als unschuldig.
Wie die Kanzlei des Anwalts mitteilte, hat Lacoste bei der Polizei zu Anschuldigungen eines Immobilienmagnaten ausgesagt, «der unzufrieden ist, weil ihm bestimmte Immobilienprojekte im Fürstentum Monaco nicht zugeteilt wurden». Der Magnat versuche, die monegassische Justiz zu seinem Vorteil zu instrumentalisieren. Diejenigen, die jahrelang gegen Korruption gekämpft hätten und die man nicht zum Schweigen habe bringen können, würden nun der «Korruption oder der Einflussnahme» beschuldigt.
Geplatztes Bauprojekt führte zu Rechtsstreit
Das Bauprojekt «Esplanade des Pêcheurs» in Monaco war eine Mischung aus Immobilienprojekt, Museum und Formel 1-Bereichen. Es kam zu einem langen Rechtsstreit zwischen dem monegassischen Staat und dem privaten Entwickler. Auch in einer abgespeckten Variante wurde das Projekt bisher nicht umgesetzt.
Seit der Veröffentlichung eines Dossiers mit anonymen Anschuldigungen gegen bisherige Vertraute des Fürsten 2021 gibt es in Monaco eine juristisch-mediale Schlammschlacht und eine Lawine von Ermittlungsverfahren. Vier früheren Vertrauten, den sogenannten «G4», wird Veruntreuung vorgeworfen sowie der Versuch, das Fürstentum unter ihre Kontrolle zu bringen. Diese wiederum prangern die angebliche Einflussnahme eines namhaften Immobilienmagnaten auf Entscheidungen in Monaco an, werden zugleich aber einer zu großen Nähe zu Konkurrenten des Magnaten bezichtigt.
Ehemaliger Prinzenvertrauter unter Justizaufsicht
Zuletzt war im Juni vergangenen Jahres der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofs von Monaco und frühere Prinzenvertraute, Didier Linotte, wegen des Verdachts der Korruption, Geldwäsche und Einflussnahme unter Justizaufsicht gestellt worden.
Die Machenschaften hinter den Kulissen führten im Sommer 2025 sogar dazu, dass der neu ernannte Regierungschef von Monaco eine Woche vor Amtsantritt absagte. Es werde bereits im Vorfeld versucht, ihn an einer erfolgreichen Ausführung seines Amtes zu hindern, begründete der französische Spitzenbeamte seinen Schritt. An seiner Stelle übernahm ein ehemaliger Präfekt aus Südfrankreich das Regierungsamt.