Chronische Luftverschmutzung
Für viele Einheimische wiederum sind die Dreiräder längst kein romantisches Symbol mehr, sondern vor allem laut und ein zusätzlicher Verursacher der notorisch schlechten Luft in der Megametropole. Vor allem während der Trockenzeit kämpft Bangkok regelmäßig mit gefährlich hohen Feinstaubwerten. Immer wieder müssen Schulen wegen extremer Luftverschmutzung schließen, und die Behörden rufen die Bevölkerung auf, möglichst im Haus zu bleiben.
In dieses Bild passen Tuk-Tuks mit ihren jahrzehntealten Benzinmotoren immer weniger. Nach Angaben der Verkehrsbehörde sind die meisten Gefährte zwischen 10 und 50 Jahre alt. Ende Juni waren in Bangkok mehr als 8.500 Tuk-Tuks zugelassen. Dem stehen landesweit bislang erst gut 1.000 elektrisch angetriebene Tuk-Tuks gegenüber.
Die Dreirad-Taxis rauschen übrigens schon seit den 1960er Jahren durch Bangkok, lange bevor Skytrains und Shoppingmalls das Stadtbild prägten. Damals ersetzten sie die Fahrradrikschas (Samlor).
Bevölkerung darf mitdiskutieren
Die Überlegungen sind derweil noch in einem frühen Stadium: Die Behörden wollen nicht einfach ein Verbot verhängen, sondern holen derzeit die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger in einer öffentlichen Konsultation ein.
Die können sich nach einem Bericht der Zeitung «Bangkok Post» noch bis zum 27. August online dazu äußern, ob sie ein Aus für Tuk-Tuks mit Verbrennermotor zur Reduzierung der Luft- und Lärmbelastung begrüßen. «Alle Kommentare werden sorgfältig geprüft, bevor über den Verordnungsentwurf entschieden wird», hieß es dazu.
Fahrer sind besorgt
Viele Fahrer machen sich dennoch bereits Sorgen. «Wenn das wirklich durchgesetzt wird, dann bin ich am Ende», sagte ein Tuk-Tuk-Besitzer dem Sender Thai PBS. Er habe 500.000 Thai Baht (etwa 13.000 Euro) in den Kauf seines Dreirads investiert - auf Elektro umzurüsten, könne er sich nicht leisten.
Auch in Foren und sozialen Medien wird das Vorhaben kontrovers diskutiert. Viele Thais stimmen aber offenbar mit den Behörden überein, dass die alten Abgasschleudern mehr Nach- als Vorteile haben. «Sie mögen eine Attraktion für Touristen sein, aber mehr auch nicht», schrieb ein User. Viele Fahrer würden ausländische Gäste mit Wucherpreisen abzocken und zudem noch ständig den Verkehr blockieren.
Schrille Fahrt im Disco-Tuk-Tuk
Ein anderer ärgerte sich, dass manche der Stadtflitzer abends in rollende Diskotheken verwandelt würden. Tatsächlich sind vor allem rund um die Partymeile Khao San Road und in den Ausgehvierteln entlang der Sukhumvit- und der Silom-Road zahlreiche sogenannte «Disco-Tuk-Tuks» unterwegs: Bunte Neonlichter flackern im Takt der Musik, und riesige Lautsprecher blasen laute Bässe durch die Straßen. Für so manchen Touristen ist die schrille Fahrt ein Bangkok-Highlight - für Anwohner handelt es sich um pure Lärmbelästigung.
Noch ist unklar, wie weit die neuen Regeln am Ende gehen werden. Neben einem schrittweisen Umstieg auf Elektro-Tuk-Tuks sind Einschränkungen für die Benziner im Gespräch. Nach den bisherigen Plänen könnten sie in Teilen der Innenstadt komplett verboten werden - oder nur zu bestimmten Tageszeiten - etwa während der Hauptverkehrszeiten. Sicher ist: Tuk-Tuks wird es auch in Zukunft geben - aber ihr berühmter Sound könnte irgendwann verschwinden.