«Wenn ihre Kinder zu brennen drohen, was machen Sie dann?»
Das Feuer, so beschreibt es Monchaux, sei in den Boden gekrochen. Es breite sich dort in Wurzeln und Baumstämmen aus, schreite voran und flamme plötzlich wieder auf. «Man könnte sagen, es sucht Fressen.» Als Teil von DFCI berät Monchaux normalerweise, sagt aber auch: «Wir haben das Steuer nicht in der Hand.»
«Normalerweise sollen wir nur einschreiten, wenn die Feuerwehr schon da war. Das Feuer ist gelöscht, dann kommen wir. Wir sollen nicht am Feuer im Einsatz sein», erklärt der Rentner. «Aber hier, ob wir oder die Freiwilligen es waren, wir waren am Feuer. Wir haben uns in Gefahr gebracht.»
Für den Waldbauern ist das eine Selbstverständlichkeit. «Das ist unser Zuhause, das ist unser Erbe. Wenn ihre Kinder zu brennen drohen, was machen Sie dann? Sagen Sie sich, dazu habe ich kein Recht? Nein, wir waren dort.» Er ergänzt: «Der erste Lanzenschlag, auch wenn wir ihn nicht hätten tun dürfen, kam von uns.» Oftmals seien es Freiwillige gewesen, die mit dem Löschen begonnen hätten, noch bevor die Feuerwehr eingetroffen sei.
Feuer wühlt zutiefst auf und schürt Wut
Auch wenn der Brand, der auf 42.000 Hektar übergriff - eine Fläche etwa so groß wie der Stadtstaat Bremen - mittlerweile in Schach ist, wird es noch lange dauern, bis alles gelöscht ist, fürchtet Monchaux. Und auch für ihn wird die Aufarbeitung Zeit brauchen. «Es gibt das Davor, es gibt die Katastrophe und es gibt das Danach. Wie soll man danach emotional damit umgehen?», fragt der Senior. «Es wird hart sein.»
Den Waldbauern plagen aber nicht nur der Verlust seines Landes und die schwere Entscheidung, ob ein Aufforsten lohnt. Er ist auch wütend. «Haben wir das nötige Material, um die Feuer zu bekämpfen? Ich bin überzeugt, dass es nicht so ist.» Es gehe um politische Entscheidungen und die Politiker sollten Verantwortung für diese tragen. «Wenn wir eine Dummheit begehen, zahlen wir dafür, und ich habe den Eindruck, dass sie nicht dafür zahlen müssen, und das stört mich ein bisschen.» Gegen wen genau seine Wut sich richtet, fällt Monchaux schwer zu sagen.
Einige Betroffene wollen gegen Staat vorgehen
Auch Laurent, der seinen ganzen Besitz, seine Felder, sein landwirtschaftliches Gerät und seine Schuppen durch die Flammen verloren hat, macht der Regierung Vorwürfe. Weil sie nicht ausreichend Canadair-Löschflieger in Auftrag gegeben hätten, träfe sie Schuld.
Bewohner von Le Porge, der am schlimmsten verwüsteten Gemeinde, wollen gar juristisch gegen den Staat vorgehen. Sie sind überzeugt, ihr Ort sei geopfert worden, um das schicke und touristische Cap Ferret zu retten. Die Regierung streitet das ab. Doch den Frust über die Verluste und das vom Feuer angefachte Misstrauen zu löschen, könnte wohl noch länger dauern, als den Brand an sich endgültig zu ersticken.