Sixpack war gestern: Jetzt sorgen Männerbeine und (sehr) kurze Hosen für Gesprächsstoff. Wie Waden und Knöchel zum neuen Schönheitsstatussymbol zu werden scheinen – und wo die Grenzen liegen.
Es war einmal... der Mann. Bei dem man früher schon froh war, wenn er sich die Haare wusch und die Zehennägel schnitt. Soweit das Klischee. Das ist heut längst anders. Manchen kommt es geradezu so vor, als seien Männer jüngerer Generationen besonders eitel. Das ist oft auch alles andere als lustig, denn es kann zum Adonis-Komplex werden. Die Sucht, unbedingt starke Muskeln haben zu wollen etwa, wird als Körperbildstörung Bigorexie genannt.
Bei jungen Typen geht es in Gesprächen heutzutage oft bloß ums Gym, um Body-Transformation, Muskelaufbau, dicken Bizeps, Ernährung, Proteine, breites Kreuz und sexy Brustpartie, Waschbrettbauch und markante Kieferknochen. Oder einfach auch nur um den Testosteron-Spiegel.
Da sehnt man sich doch lieber nach etwas mehr Leichtigkeit: Das Epizentrum männlicher Ästhetik scheint 2026 etwas tiefer zu liegen als am Oberkörper. Nein, nicht da, also vielleicht auch, aber hier ist noch tiefer gemeint als im Schritt oder am Po.
Die Männer-Wade feiert angeblich ein Trend-Comeback. Es gibt auch einen Thigh-Trend, also einen Hype um Oberschenkel. Der popkulturelle Spagat 2026: Die Fußball-Nation bangte zur WM um die «Wade der Nation» (also Manuel Neuer), Fans lechzen beim Anblick der Beine von Promis wie Popstar Harry Styles (kürzlich als durchtrainierter Läufer im Magazin «Runner's World» gefeiert) oder Filmstar Paul Mescal, wenn er eine kurze Hose trägt.
«Mei Figur, a Wunder der Natur»
Dabei wusste im deutschsprachigen Raum der «Anton aus Tirol»-Sänger DJ Ötzi schon um die Jahrtausendwende, worauf es beim Mann angeblich ankommt: «Meine gigaschlanken Wadln san a Wahnsinn für die Madln.»
Dass die Männerbeine-Anatomie so ein Gesprächsthema geworden ist, liegt auch an der zunehmenden Wahrnehmung von Männern als Sexobjekt. Früher waren es in erster Linie Frauen, die in der Öffentlichkeit und in Beziehungen als Objekt der Begierde galten. Heute werden auch Männer durch visuelle Medien, Dating-Apps und Werbung immer öfter auf ihr Äußeres reduziert.
Die Gleichberechtigung der Geschlechter wird global wohl nie ganz erreicht, aber in Sachen Schönheitsdruck bekommen Männer heutzutage auch eine Menge ab.