Perfektion ist den beiden Brüdern wichtig. Sie wollen das echte Leben abbilden und da sollte alles richtig sein. «Unter den 1,6 Millionen Besuchern im Jahr ist sicher ein Experte dabei, der uns auf unsere Fehler hinweist. Und das ändern wir dann auch», sagt Gerrit Braun während er über die Anlage läuft, eine schiefe Tanksäule entdeckt und ganz nebenbei wieder gerade rückt. Dabei wird er immer wieder von vor allem jüngeren Gästen angesprochen und um ein gemeinsames Foto gebeten.
Züge «nur» als Kulisse für eine realistische Modelllandschaft
11.080 Autos Fahrzeuge gibt es in den mehr als einem Dutzend «MiWuLa»-Welten - und «nur» 1.231 Züge. «Die Modelleisenbahnen sind eher Kulisse», sagt Braun dazu. Und das ist auch eines der Geheimrezepte für den Erfolg der Brüder Braun. Die Erlebniswelt bietet deutlich mehr als kleine Züge in typisch deutschen Miniatur-Landschaften und erreicht damit Zielgruppen, die sich in der Regel nicht für die klassischen Modelleisenbahnen interessieren.
Stattdessen ist das Miniatur Wunderland ein riesengroßes Wimmelbild mit internationalen Sehenswürdigkeiten. Verteilt auf mehreren Etagen mit vielen lustigen Szenen, dramatischen Unfällen und ganz vielen Alltagsszenen. Viele Ideen sind auf Augenhöhe der Kinder gebaut. Vieles entdecken die Besucherinnen und Besucher erst auf den zweiten Blick.
Modelleisenbahnverein: «optisch wie technisch 1a»
Der Fachmann indes erkennt sofort die präzise Arbeit der Modellbauer, Elektriker und Entwickler. «Die Anlage ist optisch wie technisch 1a. Man sieht auch eine stetige Weiterentwicklung, Ideen scheinen nicht auszugehen», sagt Jürgen Wiethäuper, Vorsitzender des Modellbahnverbandes in Deutschland, der dpa. Ein Besuch sollte Pflicht sein, da nirgendwo sonst so viel Input zu bekommen sei.
«Das Miniatur Wunderland sorgt dafür, dass die Modelleisenbahn in der Breite der Bevölkerung im Fokus bleibt. Da der Schwerpunkt bei der Ausgestaltung liegt, werden auch Personen angesprochen, die nicht extrem eisenbahnaffin sind», sagt er weiter. Ob Modelleisenbahn-Vereine deshalb auch wieder Zuwachs bekommen, kann er nicht sagen. «Es wäre zu hoffen.»
«Figuren verschwinden und Lkws kommen»
Ob Rom, Venedig, der Flughafen, Monaco, Atlantis, Area 51 oder Schweden - die Welten sind dabei meist nur durch ein Geländer vom Publikum getrennt. Es kann ganz nah ran und alles genau inspizieren. Das führt allerdings auch zu Schwund, wie Braun zugibt. «Figuren verschwinden und Lkws kommen.» So manche Spedition habe schon einen Laster mit ihrer Werbung auf die Anlage gemogelt. «Das fällt uns aber immer sehr schnell auf», sagt er mit einem Augenzwinkern. Denn in der Regel haben die «Falschparker» weder eine funktionierende Beleuchtung noch Kennzeichen.
120 Modellbauer arbeiten Tag für Tag an der Anlage
Aus dem kleinen 40-köpfigen Team um den renommierten Modellbau-Chef Gerhard Dauscher ist ein Team aus 120 Modellbauerinnen und -bauern geworden. Sie tüfteln, modellieren, modernisieren und reparieren Tag für Tag an den verschiedenen Abschnitten. Insgesamt beschäftigen die Braun-Brüder im Wunderland etwa 450 Menschen.
Schwarze Zahlen hat die Touristenattraktion bereits nach etwa zwei Jahren geschrieben. «Der Großteil unserer Gewinne wird reinvestiert in die Anlage. Und wir haben mittlerweile einen Sechs-Millionen-Euro-Nottopf.» Die Corona-Zwangspause hat das ausschließlich privat finanzierte «WiWuLa» auch dank dieses Topfes überstanden.
Aktuell entstehen der Regenwald, die Atacama-Wüste und die Karibik - wie immer mit Tag-und-Nacht-Schaltung und auch wieder im laufenden Betrieb. So, dass jeder den Machern beim Kleben, Malen, Befestigen, Modellieren und Verkabeln zugucken kann.