Dass die mutmaßlichen Täter für ihre illegalen Gewinne vielfach keine Steuern bezahlt haben, half den Ermittlern aber offenbar, ihnen auf die Spur zu kommen. Details will die Steuerfahnderin nicht nennen. Nur soviel: «Nicht gezahlte Steuern sind oft das Einfallstor für Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität.» Der Zufallsfund einer sechsstelligen Summe ohne Herkunftsnachweis bei einer Verkehrskontrolle habe 2025 den Anstoß für intensive Ermittlungen und den Verdacht der Bandenkriminalität gegeben.
Welche Rollen spielen undichte Stellen bei Stadt und Polizei?
Die Kriminellen konnten bei alldem wohl auf Insider-Informationen setzen. Ermittelt wird in diesem Kontext gegen zwei Mitarbeiter der Stadt Duisburg und einen Polizisten, die Informationen durchgestochen haben sollen. Dabei soll es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um Einsatzinfos und Behördenwissen rund um Firmengründungen und gewerbliche Verfahren gegangen sein. Gegen einen weiteren städtischen Mitarbeiter wird wegen Bestechlichkeitsverdacht ermittelt.
Es sei naheliegend, dass den Rockern Einsätze verraten worden seien, berichtete auch Polizeichef Dierselhuis: Er habe erlebt, dass sich kurz vor einer Razzia alle «Hells Angels» in einem Laden versammelt hätten. «Und fünf Minuten bevor wir eintreffen, sind alle weg», so Dierselhuis. Der unter Verdacht stehende Polizist sei vorläufig nicht mehr im Dienst. Gleiches gelte für die städtischen Mitarbeiter, sagte ein Sprecher der Stadt Duisburg.
Wie aufwendig sind die Ermittlungen?
Landesinnenminister Reul spricht von einem «der größten Verfahren in Nordrhein-Westfalen». Zwei Jahre lang sei intensiv und verdeckt ermittelt worden. Immer auf der Spur des Geldes wurden Kontoauszüge gelesen, Firmenregister geprüft, Zahlungsströme verfolgt und Firmengeflechte auseinandergenommen, wie der Minister schildert.
Die Ermittlungsergebnisse füllen nach Angaben der Duisburger Staatsanwaltschaft inzwischen 200 Sonderbände und Fallakten mit bisher 34.000 Blatt. Am Zugriff am Mittwoch beteiligten mehr als 1.700 Einsatzkräfte und 50 Spürhunde.
Die vorläufige Bilanz dieser Arbeit lässt sich ebenfalls in Zahlen ausdrücken: Mehr als 140 Objekte wurden durchsucht, Vermögen im Wert von rund 48,6 Millionen Euro beschlagnahmt.
Ist damit die Rockerkriminalität besiegt in Duisburg?
Von einem Sieg gegen das organisierte Verbrechen wollen die Ermittler nicht sprechen, die «Hells Angels» in Duisburg seien aber mit Sicherheit geschwächt. Der Verlust ihrer Führungsleute und beschlagnahmten Statussymbole wie Luxuskarossen und dicken Motorrädern tue ihnen sicher weh, sagen Duisburger Ermittler, die den Einsatz geführt haben. Nun müsse man aber besonders darauf achten, dass sich keine Ersatzstrukturen bildeten.
Die Polizei ruft Bürger auf, Erpressungen und Nötigungen der organisierten Kriminellen künftig zu melden. Sie hat dafür eine Sondernummer für Informationen geschaltet. «Die Zeit der Angst ist vorbei», sagte Polizeipräsident Dierselhuis.
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