Wenn Schneeglöckchen und Krokusse ihre Blüten aus der Erde stecken, verabschiedet sich der Winter so langsam. Was hinter diesen und anderen Frühlingsboten ungewohnt Kurioses steckt.
Wenn die ersten Schneeglöckchen und Krokusse mutig durch den kalten Boden brechen und der feine Pollenflug die ersten Nasen reizt, kündigt der Frühling leise seine Rückkehr an. Meteorologisch betrachtet beginnt er auch schon heute, am 1. März. Hinter dem zarten Gesang der Singvögel und den ersten Farbtupfern im Grau des Winters verbergen sich erstaunliche Fakten, die manch Frühlingsvorboten zu einem kleinen Wunder machen.
Warum Schneeglöckchen teils Hunderte Euro wert sind
Kaum lässt der Winter etwas nach, schiebt an vielen Wegrändern, in Gärten und auf Wiesen das Schneeglöckchen seine markanten Blüten aus reinweißen, äußeren Hüllblättern durch den Schnee. Ihr botanischer Name «galanthus» leitet sich von den griechischen Wörtern für Milch («gala») und Blume («anthos») ab. Den Königlichen Botanischen Gärten nahe London zufolge gibt es mehr als 20 Arten und rund 500 gezüchtete Sorten.
Manch Blütenmuster ist so selten und reizend, dass Sammler teils vierstellige Summen dafür ausgeben. 2022 etwa verkaufte ein britischer Züchter eine einzelne Zwiebel seiner damals neuen Sorte «Golden Tears» («Goldene Tränen») mit einem goldfarbenen Inneren für 1.850 Pfund (damals 2.220 Euro).
Welcher Krokus das teuerste Gewürz der Welt hervorbringt
Wie die Schneeglöckchen speichern auch die Krokusse ihre Nährstoffe in der Knolle unter der Erde, bis es Zeit ist auszutreiben. Der berühmteste ist wohl der Safran‑Krokus (Crocus sativus), aus dessen violettfarbenen Blüten das Gewürz Safran entsteht, eines der teuersten der Welt.
Die Pflanze blüht allerdings nicht im Frühjahr, sondern üblicherweise im Herbst. Geerntet werden die leuchtend roten Safranfäden mit einer Pinzette aus der Mitte der Blüte. Für ein Gramm getrockneten Safrans, der etwa zum Würzen von Paella, Risotto oder Curry verwendet wird, werden nach Angaben der Königlichen Gartenbaugesellschaft in London etwa 150 Blüten benötigt. In Deutschland wird der Krokus selten angebaut, am meisten im Iran.
Wie weit Pollen reisen können
Auch Pollen sind ein sicheres Zeichen für die erwachende Natur. Doch nicht immer, wenn jemand niest, muss ein blühender Baum in unmittelbarer Nähe stehen. Denn sobald Pollen aus den Blüten austreten, können sie von starken Winden mitgerissen werden. In höheren Luftschichten legen besonders kleinere und leichtere Körner über mehrere Tage und Ländergrenzen hinweg Hunderte Kilometer zurück, bevor sie zu Boden fallen.
Bei Birkenpollen wird in Modellstudien von Transportstrecken im Bereich von rund 1.000 Kilometern ausgegangen. Mitunter werden dann Pollen in Regionen registriert, in denen die Bäume erst Tage später überhaupt zu blühen beginnen. Ein so verlängerter Zeitraum führt zu zusätzlichen Belastungen für Allergiker. Heutzutage beginnt die Pollensaison oft schon im Januar oder Februar, in der Regel zuerst mit Hasel und Erle, die Birke kommt später.