Sie haben sexuelle Absichten und knüpfen Kontakte über Chats und Gaming-Plattformen: Wie Täter im Netz vorgehen, welche Hürden bei der Strafverfolgung bestehen und welche Maßnahmen Ermittler fordern.
In sozialen Netzwerken und auf Chat-Plattformen melden sich vor allem Männer bei Minderjährigen, schreiben anzügliche Dinge oder verlangen Nacktaufnahmen. Genannt wird dieses Vorgehen Cybergrooming.
Worum geht es?
Täter und Täterinnen bahnen über das Internet und Kommunikationstechnologien sexuelle Kontakte mit Kindern an. Einen eigenen Tatbestand Cybergrooming gibt es nicht. Seit 2021 ist aber die Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern strafbar.
Wie gehen die Täter vor?
Beispielsweise über Gaming-Plattformen oder soziale Netzwerke nehmen sie Kontakt zu Minderjährigen auf und versuchen dann oft schnell, die Kommunikation in einen privaten oder geheimen Chat zu verlagern. Teils geben sie sich zunächst selbst als minderjährig aus.
Manche bauen über längere Zeit Kontakt zum Opfer auf, wie Oberstaatsanwalt Mirko Heim vom Cybercrime-Zentrum (CCZ) Baden-Württemberg bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe sagt. Andere kämen schnell zur Sache und forderten etwa Nacktaufnahmen oder Aufnahmen, die die Kinder bei sexuellen Handlungen zeigen.
Was weiß man über die Täter?
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in einer Analyse von gut 300 Strafverfahrensakten unter anderem herausgearbeitet, dass etwa sechs von zehn Tätern erwachsen sind (durchschnittlich 30 Jahre). Sie seien überwiegend männlich (98 Prozent) und deutsche Staatsangehörige (89 Prozent).
Was weiß man über die Opfer?
Sie sind in den ausgewerteten Fällen überwiegend weiblich (79 Prozent) gewesen. Im Schnitt seien sie 11,9 Jahre alt gewesen, wobei die Spanne von 8 bis 13 Jahren gereicht habe. In drei Vierteln der untersuchten Akten gab es keine Vorbeziehung zwischen den Tatpersonen und den Opfern.
Wie viele Fälle gibt es?
Eine genaue Zahl kann das CCZ nicht benennen. Die Dunkelziffer sei sehr hoch, sagt Heim. «Es handelt sich um ein Massenphänomen. Jedes Kind, das sich im Internet als solches zu erkennen gibt, läuft Gefahr, Opfer zu werden.»