Was OQ für eine Firma ist
OQ Technology ist ein kleiner Anbieter, der aktuell nur fünf Satelliten im Weltall hat. Drei weitere Satelliten sind noch für dieses Jahr geplant. Die Satelliten sind grob gesagt nur so groß wie ein Schuhkarton. Der Firmenname OQ leitet sich von den Anfangsbuchstaben des Gründers Omar Qaise ab. Die Satelliten können Warnmeldungen ausspielen, ermöglichen bislang aber keinen beidseitigen Datenverkehr, etwa Chats zwischen Menschen. Das soll sich ändern: Nächstes Jahr möchte OQ eine neue Generation von Satelliten starten, die das tun kann. Die Satelliten umkreisen die Erde in etwa 500 Kilometern Entfernung, was relativ niedrig ist.
Bis Ende 2027 sollen es 48 OQ-Satelliten sein. Dann käme eine Gegend der Erde alle 30 Minuten in Reichweite eines OQ-Satelliten, sagt Firmenchef Omar Qaise. Besonders in Notsituationen wären solche Verbindungen wichtig, sagt der deutsche Manager. «Vergangenes Jahr war das Handynetz in Luxemburg nach einem Cyberangriff ausgefallen - einen ganzen Tag konnte man nicht mobil kommunizieren: Zumindest alle 30 Minuten eine Verbindung zu haben wäre besser als nichts gewesen.»
2028 oder 2029 möchte OQ 150 Satelliten im Orbit haben. Damit wäre eine «kontinuierliche Abdeckung» inklusive der Nutzung von datenintensiveren Anwendungen möglich, sagt Firmengründer Qaise - also nicht nur Text- und Sprachübertragungen, sondern auch Videoübertragungen etwa von Drohnen. Für Verbraucher bliebe das Nutzungslevel eher niedrig: Es geht nicht darum, dass sie beim Waldspaziergang dank Satelliten-Internet durchgängig Streamen können auf ihrem Handy, sondern dass sie überhaupt kommunizieren können.
«Es gibt großes Interesse an Live-Übertragungen von Drohnen - das wollen wir möglicherweise auch in dem Projekt mit O2 Telefónica unter Beweis stellen.» Die Bandbreite auf dem Smartphone könne ein bis zwei Megabit pro Sekunde betragen, schätzt Qaise. Seine Firma hat derzeit 50 Beschäftigte und damit doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Ende 2026 sollen es 100 sein. Zum Umsatz macht die Firma nur vage Angaben: Man komme auf einen siebenstelligen Euro-Betrag pro Jahr, zuletzt sei es steil aufwärtsgegangen.
Europa als Trumpfkarte
Wie sind die Perspektiven einer so kleinen Firma, die im Wettbewerb mit einem so großen Anbieter wie SpaceX mit dem Datendienst Starlink steht, der rund 10.000 Satelliten im Weltall hat? Bei der Antwort hierauf spielt OQ seine Trumpfkarte aus: «Wir sind zu hundert Prozent eine europäische Firma, wir betreiben die Satelliten aus Europa heraus, unsere Dienstleistung ist europäisch und wir nutzen eine Cloud aus Europa», sagt Qaise.
Mit Blick auf den US-Konkurrenten Starlink sagt er: «Wir unterliegen nicht der US-Cloud-Regulierung, weil wir eine europäische Firma sind.» Diese Regulierung verpflichtet Anbieter, US-Behörden Daten herauszugeben. Die EU-Kommission habe die Firma unterstützt, und OQ habe auch Finanzmittel von EU-Institutionen bekommen.
«Europa muss eine eigene, souveräne und interoperable weltraumgestützte Mobilfunkinfrastruktur aufbauen», sagt Qaise. Die Zusammenarbeit mit O2 zeige, dass europäische Netzbetreiber und europäische Satellitenunternehmen gemeinsam Konnektivitätslösungen entwickeln können, die auf offenen Standards, lizenzierten Frequenzen und bestehenden Smartphones basierten.