Die Digitalisierung schreitet rasant voran, Anwendungen der Künstlichen Intelligenz werden immer wichtiger. Das Rheinische Revier könnte dabei künftig eine wichtige Rolle spielen.
Noch ist es Ödland mit plattgewalzter Erde, doch schon bald soll das 20 Hektar große Areal am Rande eines Gewerbegebiets in Bergheim zu einer Keimzelle eines starken Wirtschaftswachstums im Digitalzeitalter werden. Bei einem symbolischen Spatenstich kamen am Donnerstag Vertreter aus der Politik und Wirtschaft ins Rheinische Revier westlich von Köln, um Fortschritte bei einer wegweisenden milliardenschweren Investition des US-Technologieriesen Microsoft zu feiern. Das Thema im Überblick.
Worum es geht
Das Rheinische Revier mit seinen riesigen Tagebauen ist im Umbruch, die Tage des Braunkohle-Abbaus sind gezählt. Es droht bergab zu gehen mit der Region. Klar ist, dass viele Arbeitsplätze der Energiebranche dort in einigen Jahren nicht mehr gebraucht werden. Doch staatliche Förderung und privatwirtschaftliche Investitionen in andere Wirtschaftsbereiche vor Ort machen Mut. Microsoft möchte 3,2 Milliarden Euro in drei Rechenzentren in Bergheim, Bedburg und Elsdorf sowie in einen Standort in Hessen investieren. Das könnte zum Jobmotor werden. Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler (CDU) spricht von «der ganz, ganz großen Hoffnung auf Zukunft».
Was jetzt geschehen ist
Bei einer Feierlichkeit in einem Zelt auf der Baustelle übergaben die Bürgermeister von Bergheim und Bedburg dem Microsoft-Management Baugenehmigungen für die 20 beziehungsweise 50 Hektar großen Areale. Bislang hatten in Bergheim nur Erdarbeiten auf Basis einer Teilgenehmigung stattgefunden, nun kann richtig losgelegt werden. In Elsdorf dauert es noch, aber auch dort wird ein Rechenzentrum entstehen.
Diese drei Standorte sind miteinander verbunden, um resilient zu werden. Fällt eins aus, so kann die Datenverarbeitung über die anderen beiden trotzdem noch fortgesetzt werden. Mit dieser starken Absicherung möchte Microsoft bei den Firmenkunden punkten, auf die das US-Unternehmen hofft - etwa Bayer, RWE oder Metro.
Zu der Feier kam Politikprominenz, die voll des Lobes war. «Aus einer Region des Umbruchs wird jetzt eine Region des Aufbruchs, das Rheinische Revier wird zu einem der führenden Hightechstandorte Europas», sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). «Die Hyperscaler-Rechenzentren sind der zentrale Motor auf unserem Weg von der Kohle zur KI», sagte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Damit sichere man Wettbewerbsfähigkeit.
Wozu die Anlagen nötig sind
Die Digitalisierung schreitet rasch voran, Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) werden immer stärker genutzt. Die Speicherung von Daten findet häufig in Cloud-Diensten, also auf Großrechnern statt. Es sind immense Rechen- und Speicherkapazitäten nötig, um die Entwicklung zu stemmen und dabei auch noch gute Latenzen zu bieten, also minimalste Reaktionszeiten ohne Ruckeleien. Selbst minimale Verzögerungen sind bei Hightech-Maschinen und speziellen Digitalanwendungen ärgerlich und ein Nachteil im globalen Wettbewerb. Das Rheinische Revier liegt dabei günstig am Rande einer Datenautobahn zwischen Frankfurt und Amsterdam.
Wie viele Jobs das bringt
«Wir wollen langfristig bleiben», betont Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger. Ihre Firma spricht vage von mehreren Hundert Jobs, die dauerhaft entstehen, und mehreren Tausend temporären Jobs in der Bauphase. Kommunalpolitiker sind auskunftsfreudiger: Bergheims Bürgermeister Mießeler rechnet mit 150 dauerhaften Jobs in seiner Kommune und Bedburgs Rathauschef Sascha Solbach (SPD) mit 300. Das Bedburger Rechenzentrum soll etwa doppelt so groß werden wie das Bergheimer.
Noch viel wichtiger sind aber die indirekten Effekte: In den beiden Städten wird damit gerechnet, dass jeweils 2.500 Arbeitsplätze entstehen von Firmen, die sich im Dunstkreis der Rechenzentren ansiedeln. Das wäre sehr viel für die Städte: Bergheim hat derzeit rund 62.000 Einwohner und Bedburg 26.000.