Steigende Preise, gestrichene Flüge: Wie ernst ist die Kerosin-Krise?

Steigende Kerosinpreise, gestrichene Flüge und Warnungen vor möglichen Engpässen: Der Krieg im Nahen Osten bringt die Reisebranche in Alarmbereitschaft. Was bedeutet das für den Sommerurlaub?

Die Angst vor einem Kerosinmangel wächst: Airlines streichen Flüge, Preise steigen, und Experten warnen vor möglichen Folgen für den Sommerreiseverkehr. Noch gibt es Entwarnung – doch die Unsicherheit bleibt.

Warum die Sorge vor einem Kerosinmangel wächst

Steigende Ticketpreise, gestrichene Flüge und die Sorge vor Engpässen beim Flugbenzin: Der Konflikt im Nahen Osten sorgt zunehmend auch in Europas Reisebranche für Unruhe. Experten warnen, dass sich die Lage im Sommer zuspitzen könnte – ausgerechnet zur Hauptreisezeit. Auslöser sind laut Spiegel vor allem Probleme bei den internationalen Lieferketten für Kerosin. Ein erheblicher Teil der europäischen Importe stammt aus dem Nahen Osten und wird über die Straße von Hormus transportiert. Sollte es dort länger zu Einschränkungen kommen, könnte das Folgen für Airlines, Flughäfen und Urlauber haben.

Noch beschwichtigen Politik und Branche. Die Bundesregierung sieht derzeit keine akute Versorgungskrise. Gleichzeitig laufen bereits Krisengespräche, denn Luftfahrtverbände und Energieexperten halten Engpässe in den kommenden Monaten zumindest für möglich. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte zuletzt davor, dass mehrere europäische Länder in den kommenden Wochen mit einer angespannten Versorgungslage beim Flugtreibstoff rechnen müssen. Auch der internationale Luftfahrtverband IATA sieht die Entwicklung mit Sorge.

Hintergrund ist die starke Abhängigkeit Europas von Importen. Ein bedeutender Teil des Kerosins kommt aus dem Nahen Osten. Gerät die Lieferkette dort unter Druck, könnten sich die Auswirkungen rasch weltweit bemerkbar machen. Fachleute warnen deshalb vor möglichen Engpässen, falls die Krise länger andauert. Die Bundesregierung versucht derzeit, die Lage unter Kontrolle zu halten. Nach einem Treffen mit Vertretern der Luftfahrt- und Mineralölbranche betonte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, es gebe aktuell keine Versorgungsprobleme. Gleichzeitig befassen sich Ministerien und der Nationale Sicherheitsrat mit möglichen Szenarien für die kommenden Monate.

Sparmaßnahmen und höhere Ticketpreise

Obwohl bislang kein akuter Kerosinmangel herrscht, reagieren viele Fluggesellschaften bereits auf die stark gestiegenen Treibstoffkosten. Besonders betroffen sind Airlines mit vielen Kurzstreckenverbindungen und hohem Kerosinverbrauch. Die Lufthansa hat angekündigt, bis Oktober rund 20.000 Kurzstreckenflüge zu streichen. Dadurch sollen laut ADAC etwa 40.000 Tonnen Kerosin eingespart werden. Betroffen sind vor allem Verbindungen der Kernmarke Lufthansa sowie der Tochtergesellschaft Cityline. Auch andere europäische Airlines haben ihr Angebot bereits reduziert.

Die Maßnahmen erfolgen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Denn der Treibstoff gehört zu den größten Kostenfaktoren der Branche. Je länger die Preise hoch bleiben, desto stärker geraten Airlines unter Druck, Verbindungen auszudünnen oder ältere Flugzeuge schneller außer Dienst zu stellen.

Für Reisende macht sich die Entwicklung schon jetzt bemerkbar. Zahlreiche Fluggesellschaften haben ihre Ticketpreise erhöht oder zusätzliche Zuschläge eingeführt. Besonders betroffen sind längere Flugstrecken zwischen Europa, Asien und Afrika. Mehrere internationale Airlines verlangen inzwischen sogenannte Betankungs- oder Kerosinzuschläge. Andere kalkulieren die höheren Treibstoffkosten direkt in die Ticketpreise ein. Vor allem Fernreisen könnten dadurch im Sommer deutlich teurer werden. Die Folge: Viele Urlauber orientieren sich offenbar um. Reiseveranstalter und Marktanalysen registrieren eine steigende Nachfrage nach europäischen Zielen wie Spanien, Portugal, Griechenland oder Italien. Fernreisen verlieren dagegen an Attraktivität, weil die Gesamtkosten steigen.

Europas Flughäfen bereiten sich auf mögliche Engpässe vor

Noch melden große deutsche Flughäfen eine stabile Versorgungslage. In Frankfurt, München, Düsseldorf oder Köln/Bonn seien die Tanklager derzeit ausreichend gefüllt. Die Betreiber betonen jedoch gleichzeitig, dass sich die Situation bei einer weiteren Eskalation schnell verändern könne.

Experten verweisen darauf, dass die Verwundbarkeit europäischer Flughäfen unterschiedlich hoch ist. Entscheidend seien vor allem drei Faktoren: die Abhängigkeit von Importen aus der Golfregion, die vorhandenen Lagerkapazitäten und alternative Lieferwege.

Besonders anfällig gelten kleinere Ferienflughäfen im Mittelmeerraum. Dort sind die Reserven häufig geringer als an großen internationalen Drehkreuzen. Branchenbeobachter warnen deshalb davor, dass gerade beliebte Urlaubsregionen bei anhaltenden Lieferproblemen schneller unter Druck geraten könnten.

Welche Rechte Reisende bei Flugausfällen haben

Kommt es zu Flugstreichungen, haben Passagiere grundsätzlich Anspruch auf eine Ersatzbeförderung oder die Rückerstattung des Ticketpreises. Innerhalb der EU gelten zudem umfangreiche Fluggastrechte mit möglichen Entschädigungen zwischen 250 und 600 Euro – abhängig von der Flugstrecke. Allerdings könnte die aktuelle Situation juristisch kompliziert werden. Sollte ein echter Kerosinmangel nachweislich außerhalb des Einflussbereichs der Airlines liegen, könnten Gerichte dies als "außergewöhnlichen Umstand" einstufen. In diesem Fall wären Fluggesellschaften möglicherweise von Entschädigungszahlungen befreit.

Verbraucherschützer raten Reisenden deshalb, Stornierungsmitteilungen genau zu prüfen und Unterkünfte möglichst flexibel zu buchen. Vor allem bei individuell zusammengestellten Reisen tragen Kunden häufig ein deutlich höheres Risiko als bei klassischen Pauschalreisen.

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, genießt in vielen Fällen einen umfassenderen Schutz. Sollte ein Reiseveranstalter insolvent werden oder eine Reise ausfallen, springt in Deutschland der Deutsche Reisesicherungsfonds ein. Auch bei Flugproblemen kümmern sich Veranstalter in der Regel um Ersatzlösungen oder Umbuchungen. Große Anbieter wie TUI oder Alltours erklärten zuletzt, dass sie aktuell keine nachträglichen Preisaufschläge für bereits gebuchte Reisen planen. Dennoch können sich Pauschalreisen grundsätzlich verteuern. Nach deutschem Recht dürfen Veranstalter höhere Treibstoffkosten unter bestimmten Bedingungen an Kunden weitergeben. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Preiserhöhung spätestens 20 Tage vor Reisebeginn angekündigt wird und acht Prozent des Reisepreises nicht überschreitet.

Wie sich die Krise auf den Sommerurlaub auswirken könnte

Ob sich die Lage tatsächlich zu einer größeren Kerosin-Krise entwickelt, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Branchenvertreter betonen derzeit zwar, dass der Sommerreiseverkehr grundsätzlich gesichert sei. Gleichzeitig bereiten sich Airlines und Behörden auf verschiedene Szenarien vor.

Sollten die Treibstoffpreise weiter steigen oder Lieferwege länger blockiert bleiben, dürften Flugreisen jedoch spürbar teurer und unplanbarer werden. Besonders Kurzstrecken und weniger ausgelastete Verbindungen könnten dann verstärkt gestrichen werden.

Für Urlauber bedeutet das vor allem eines: Wer flexibel bleibt und Reisen frühzeitig plant, dürfte in diesem Sommer im Vorteil sein. Denn selbst wenn eine akute Versorgungskrise ausbleibt, rechnet die Branche bereits jetzt mit einer angespannten und teuren Urlaubssaison.

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