• Eon kündigt enorme Preissteigerung für Strom und Gas an
  • Zurzeit sind die Energiespeicher nur zu circa 25 Prozent gefüllt
  • Eon-Chef lehnt Obergrenze von Energiepreisen ab

Schon vor dem Ukraine-Krieg stiegen die Preise für Energie wie Öl, Gas und Strom. Seit dem russischen Einmarsch hat sich diese Situation drastisch verschärft. Dabei könnten insbesondere weitere Energiesanktionen gegen Russland die Kosten der Verbraucher in die Höhe treiben. Der Energie-Riese Eon bereitet nun seine Kunden in Deutschland auf drastische Energiepreiserhöhungen vor. Auch Verbraucherschützer rechnen mit weiteren Erhöhungen der Energiekosten.

Strom wird teurer: Eon kündigt drastische Preiserhöhung für Millionen Kunden an

Wie Filip Thon, Chef vom Energieversorger Eon Deutschland, im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland informiert, würden die Preise im Großhandel für Erdgas im Vergleich zum Frühjahr 2020 teilweise um das 20-fache höher liegen. Und auch beim Strom gebe es Aufschläge um das Achtfache. "Wir müssen diese beispiellose Lage auf dem Markt in unserer Preisgestaltung auch anteilig abbilden, versuchen aber so viel wie möglich abzufedern", erklärt Thon das weitere Vorgehen von Eon. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben mit über 14 Millionen Privat-, Geschäfts- und Industriekunden der größte Energieversorger in Deutschland.

Aktuell könne allerdings noch nicht seriös prognostiziert werden, wie stark die Erhöhungen der Kundentarife ausfallen werden. "In der Stromgrundversorgung wurden bereits mehr als 1.000 Erhöhungen angekündigt und zum Teil schon durchgeführt. Da geht es um Aufschläge von durchschnittlich 35 Prozent", so Thon.

Er macht deutlich, dass ein Halten des aktuellen Preises nicht möglich sei, obwohl Eon möglichst viele Energiemengen vorausschauend einkaufen wolle. Dabei hängt die Höhe der Preissteigerung auch davon ab, ob weiterhin Gas nach Deutschland geliefert wird. Laut Thon beeinflusst die politische Entwicklung die Preise im Großhandel ganz massiv.

Eon-Chef Thon lehnt Obergrenze von Energiepreisen ab

Die Preise für die nächste Heizsaison würden erheblich davon abhängen, ob es im Sommer gelinge, ausreichend Gas zu attraktiven Preisen einzukaufen. Dabei geht es darum, die Gasspeicher für die kommende Heizsaison zu füllen. Derzeit seien die Speicher nur zwischen 25 und 27 Prozent gefüllt, so Thon. "Das ist ein sehr niedriges Niveau, entsprechend hoch wird die Nachfrage zum Füllen der Speicher sein. Und das treibt die Preise."

Die Bundesregierung hat bereits ein Energie-Entlastungspaket beschlossen, um Kunden kurzfristig bei den Strompreisen zu entlasten. Eine langfristige Lösung gegen die hohen Strompreise enthält dieses Paket jedoch nicht. Viele Menschen fordern deshalb eine durch den Staat festgelegte Preisobergrenze. Filip Thon spricht sich hingegen gegen eine solche Obergrenze aus.

Er befürchtet die Gefahr, dass so der Markt zusammenbrechen könnte. Wenn Versorger die Energie teurer einkaufen müssten, als sie diese dann verkaufen, könnte das problematisch werden. Wenn am Ende der Staat die Energieunternehmen durch Subventionen unterstützt, müssten die Bürger über Steuern für die geschädigten Versorger aufkommen.

Optimierung der Energieeffizienz wichtig

Die geplante Streichung der EEG-Umlagen zum 1. Juli 2022 sieht der Eon-Chef als richtigen Schritt. Jedoch wünscht er sich weitere Steuerentlastungen bei Strom und Gas für die Verbraucher. Zudem hält er es für wichtig, die Energieeffizienz bei Wohnhäusern und Unternehmen zu optimieren.

Passend zum Thema: Tausende deutsche Betriebsräte haben weitere Entlastungen wegen steigender Energiepreise gefordert - die beschlossenen Maßnahmen würde nicht ausreichen, hieß es.