München
Machtkampf in der K-Frage

Söder warnt vor "haushoher Wahlniederlage": Wer wird Kanzlerkandidat der Union?

Das Tauziehen in der K-Frage geht weiter. Sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch der Chef der Schwesterpartei CDU, Armin Laschet, haben sich bereit erklärt, für die Union als Kanzlerkandidat anzutreten. Söder beruft sich zuletzt auf die Stimmen aus der Bevölkerung.
 
Markus Söder (CSU) Ministerpräsident von Bayern, will Kanzlerkandidat für die Union werden.
Markus Söder (CSU): Wie geeignet ist er wirklich? Daran gibt es jetzt sogar aus der Heimat Zweifel. Foto: Peter Kneffel/dpa

Wer wird Kanzlerkandidat der Union? Darauf wollen sich die Schwesterparteien CDU und CSU bis spätestens Pfingsten einigen. Womöglich schon bis Ende dieser Woche. Während Armin Laschet (CDU) seitens der CDU bereits große Unterstützung für dessen Kandidatur erhalten hat, pocht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) darauf, dass Umfragewerte entscheidend sein sollten.

"Es geht um die entscheidende, zentrale personelle Weichenstellung für unser Land", sagte Söder am Montagabend (12. April 2021) im Bayerischen Fernsehen. Es müsse klug überlegt sein. Die Union kämpfe aktuell mit schwierigen Umfragezahlen, den schlechtesten seit 1998, so Söder. Für Söder seien neben den Stimmen aus der Fraktion und Mitgliedern der Union auch die aus der Bevölkerung entscheidend. Welche Konsequenzen eine Kandidatur Söders für Bayern hätte, lesen Sie hier.

Söder beruft sich auf Umfragewerte

"Ich habe so viele Mails und Anfragen und Wünsche aus der Bevölkerung bekommen", erklärt Söder im Interview mit dem BR. "Natürlich sind Umfragen nicht alles, aber wenn sie über Monate hinweg eine klare Tendenz aufweisen, dann kann man doch als Parteien und politische Kraft das nicht einfach ignorieren." Er verstehe nicht, dass manche in CDU und CSU die Entscheidung über den Kandidaten unbedingt schon vor der für den kommenden Montag (19. April 2021) geplanten Verkündung des Kanzlerkandidaten oder der Kandidatin der Grünen treffen wollten.

Während Söder am Sonntag noch davon sprach, dass er nur Kanzlerkandidat für die Union werden wolle, sollte er auch die breite Unterstützung der CDU bekommen, spricht Söder am Montag vielmehr von Umfragewerten aus der Bevölkerung. Wollte der gebürtige Franke am Sonntag noch akzeptieren, wenn die CDU eine Entscheidung für Konkurrent Laschet trifft, interpretiert Söder die "breite Mehrheit" einen Tag später neu. Man solle die Bevölkerung nicht vor den Kopf stoßen, so Söder im Bayerischen Fernsehen.

Söder halte Laschet für geeignet, dennoch müsste man die nächsten Tage abwarten und breit diskutieren, die Entscheidung gut überlegen, um die "erfolgversprechendste Lösung" zu finden. 

"Krise wäre, Wahl haushoch zu verlieren"

"Es wird ein verdammt knappes Rennen für die Union", betont Söder. "Die Krise wäre, die Wahl haushoch zu verlieren", sagt Bayerns Ministerpräsident. 

Laschet mahnte die Union unterdessen, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. "Ein gutes, faires Miteinander ist gerade jetzt zentral. Ich setzte auf Geschlossenheit", sagte er nach dpa-Informationen am Montagabend in einer Sitzung der einflussreichen Landesgruppe der CDU-Abgeordneten aus NRW. Teilnehmern zufolge erhielt Laschet dort große Unterstützung für eine Kandidatur. Mehrere Redner hätten ausdrücklich das einhellige Votum der CDU-Spitzengremien für Laschet begrüßt, hieß es. Der Rückhalt in der heimischen Landesgruppe dürfte für Laschet auch angesichts der Nervosität unter den Bundestagsabgeordneten wegen der schlechten Umfragewerte für die Union und für ihn persönlich wichtig sein.

Im Rennen um die Kanzlerkandidatur werden CDU-Chef Armin Laschet und sein Rivale, der CSU-Vorsitzende Markus Söder, an diesem Dienstag um 15 Uhr in der Unionsfraktion um Zustimmung werben. Beide hätten sich darauf geeinigt, an der regulären Sitzung der gut 250 Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU teilzunehmen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Parteikreisen.

Söder setzt darauf, dass in der Fraktion der Rückhalt für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nicht so einhellig ist wie am Montag in den CDU-Parteigremien. Bayerns Ministerpräsident will so das Meinungsbild noch zu seinen Gunsten drehen. Es wurde erwartet, dass sie in Präsenz an der Sitzung teilnehmen.

 

dn/mit dpa