Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat nach nur kurzer Zeit im Amt eine heftige Debatte ausgelöst. Der Grünen-Politiker sagte den niedrigen Preisen für Lebensmittel und Agrarprodukte den Kampf an. "Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern", so Özdemir in der "Bild am Sonntag". 

Lebensmittel dürfte zwar kein Luxusgut werden, der Preis müsse aber "die ökologische Wahrheit" stärker abbilden. Diese Ankündigung sorgte allerdings für viel Kritik. Die Regierung sei nicht dazu da, "Menschen vorzuschreiben, was oder wie viel sie essen", konterte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in einem Interview mit der "Bild".

Söder kritisiert Özdemir: Regierung soll "Menschen nicht vorschreiben, was sie essen"

Der Landwirtschaftsminister setze auf weniger Tierhaltung und dafür mehr Cannabis-Anbau in Deutschland. "Ist das wirklich die Vision für unsere Landwirtschaft?", so der CSU-Chef. Söder schlug stattdessen vor, dass der Preisdruck durch Handelskonzerne vermindert und die Bürokratie durch den Staat verringert werden sollte, um den Landwirten zu helfen.

Auch die Supermärkte schalteten sich in die Diskussion ein und verteidigten ihre Preise. So teilte der Konzern Aldi der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit, dass es der Anspruch des Unternehmens sei der Kundschaft "zu jedem Zeitpunkt hohe Qualität zum bestmöglichen Preis anzubieten". Die Einkaufspreise würden dabei grundsätzlich dem Prinzip von Angebot und Nachfrage folgen. Die Supermarkt-Kette Kaufland erinnerte daran, dass sich die Verkaufspreise ebenfalls an "Angebot und Nachfrage sowie am Wettbewerb" orientierten.

Die niedrigen Preise seien laut Aldi zudem ein wichtiges Instrument, um Überkapazitäten abzubauen. Das Unternehmen können seine Produkte auch deswegen so günstig anbieten, weil es als Discounter in großen Mengen einkaufe. Zudem verwies der Konzern auf seine Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls, die für die Zukunft geplant sind. So soll das Schweinefleisch bei Aldi bis Ende 2022 komplett aus Deutschland kommen. Dazu führt die Kette den sogenannten "5D-Standard" ein. Auch Rewe und Penny wollen auf "5D" setzen.

Steigende Lebensmittelpreise: Sozialverband fordert Ausgleich für Arme

Ab 2025 wird es bei Aldi außerdem kein Fleisch mehr aus den Haltungsformen 1 und 2 - also der Stallhaltung - geben. Penny und Edeka haben ähnliche Pläne geäußert. Kaufland fördert die bessere Tierhaltung dagegen mit finanziellen Anreizen. Landwirte erhielten laut FAZ eine "zusätzliche Vergütung in Form eines Tierwohl- sowie eines Futterbonus für gentechnikfreie Fütterung".

Doch das angekündigte Ende der "Ramschpreise" hätte nicht nur mögliche negative Folgen für die Supermärkte, sondern vor allem für die Verbraucher. Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte einen sozialen Ausgleich für Arme, wenn die Lebensmittel teurer werden. Entsprechende Preissteigerungen müssten "zwingend mit einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze einhergehen", so Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Verbandes im Gespräch mit der "Welt". 

Man könne Ökologisches und Soziales nicht trennen. "Es geht nur ökosozial, sonst verliert man die Unterstützung der Bevölkerung", sagte Schneider. Die Union wies ebenfalls darauf hin, die sozialen Auswirkungen zu beachten. "Denn nicht jeder kann sich Bio-Produkte leisten", so der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Steffen Bilger laut "Welt".