Was wie der Plot eines neuen Stephen King Romans klingt, ist bereits heute Realität. Mithilfe gentechnisch veränderter „Aedes aegypti-Mücken“, auch bekannt als sogenannte Tigermücke oder Gelbfiebermücke, soll die Population von Mücken die als Träger zahlreicher Krankheiten bekannt sind, eingedämmt werden. 

Passieren soll das so: Das britische Unternehmen Oxitec setzt männliche Moskitos in der Umwelt aus. Bei diesen Mücken handelt es sich um genetisch veränderte Insekten, die ein Protein in sich tragen, dass das Überleben ihrer weiblichen Nachkommen verhindert. Die männlichen Nachkommen sollen hingegen überleben und zu voll funktionsfähigen Erwachsenen mit der gleichen genetischen Modifikation werden. Davon erhofft sich die Firma eine über mehrere Mücken-Generationen andauernde deutlich gesenkte Krankheitsübertragungsrate. 

Potenzial für noch gefährlichere Mücken-Generationen

Jedoch ist die Sterblichkeit der weiblichen Mücken nicht vollends garantiert. So befürchten Experten, dass weibliche stechende und genmanipulierte Mücken entstehen könnten. Laut Angaben der US-Verbraucherorganisation Center for Food Safety (CFS) sei bereits bekannt, dass bei diesem Vorgehen rund vier Prozent der weiblichen Nachkommen nicht sterben würden. Dadurch könnten sogenannte Hybridmückenarten Teil der Umwelt werden. Denn: Als Nachkommen der genveränderten männlichen Mücken haben die weiblichen Mücken ebenfalls eine Genveränderung. Das birgt das Potenzial für noch drastischere Krankheitsverläufe sowie die verstärkte Übertragung von schweren Krankheiten auf den Menschen. Unter anderem das Zika-Fieber, Gelbfieber und Dengue-Fieber. 

Um die Experimente des Unternehmens in Großbritannien gab es immer wieder Kontroversen. Bereits nach dem ersten Experiment auf den Kaimaninseln waren viele Wissenschaftler verblüfft darüber, dass das Unternehmen Versuche durchführte, ohne vorher mit anderen Wissenschaftlern in den Diskurs zu treten. Auch im Jahr 2019 sorgte Oxitec für Schlagzeilen. In einer Studie konnte beobachtet werden, dass in Brasilien die genetisch veränderten Mücken sich entgegen der Theorie weiterverbreiten konnten. Schon damals war Oxitec von anderen Wissenschaftlern heftig kritisiert worden. Die Forscher fanden heraus, dass bis zu 60 Prozent untersuchter Mücken veränderte Gene in sich trugen. Oxitec stritt diese These jedoch ab und erklärte, dass das Experiment „nach Plan“ verlaufen sei.

Sogar einige Mitautoren meinten retrospektiv, dass sie die Studie kritisch sehen und bemerkten, dass die finale Version des Oxitec-Versuchs Veränderungen enthielt, welche zuvor nicht mit den Forschern abgesprochen waren. Das Projekt aus dem Jahr 2018 auf den Kaimaninseln wurde sogar abgebrochen, weil die Behörden die Forschungsarbeit für gescheitert erklärten. Die erzielten Ergebnisse hätten nicht dem entsprochen, was eigentlich erwartet worden war. 

Unterstützung durch Bill & Melinda Gates Foundation

Etwas früher im Jahr 2018 verkündete Oxitec eine Partnerschaft mit der Bill & Melinda Gates Foundation. Im Zuge dieser Kooperation wollte man damals Moskitos züchten, welche die Gattung der „Anopheles“-Mücken eindämmen sollten. Diese Mückenart ist vor allem für die Verbreitung der gefährlichen Tropenkrankheit Malaria bekannt. Für seine Forschung erhielt Oxitec rund 8,5 Millionen US-Dollar für weitere Forschungsarbeit. Trotz allem sei dieser Umstand wenig aussagekräftig, da die gewonnenen Beobachtungen auf einer früheren Generation, der gezüchteten der Oxitec-Mücken beruhen würden, erklärten die verantwortlichen Forscher von Oxitec.