Zunächst hatte es geheißen, der Deutsche habe am Geländer des Hotelbalkons Klimmzüge gemacht und sei deshalb hinuntergestürzt. Der 23-Jährige war nach Medienberichten kurz vor dem Sturz in Mallorca mit zwei Freunden eingetroffen. Beim Unglück soll er aber in seinem Hotelzimmer allein gewesen sein.
Weiterer Zwischenfall am Montag
Der Tod des jungen Mannes war am Montag nicht der einzige Zwischenfall mit einem deutschen Touristen auf Mallorca. Gegen vier Uhr nachmittags habe sich ein Deutscher eine Knieverletzung zugezogen, als er beim Klettern an einer Hotelfassade der Playa de Palma gestürzt sei, so die "Diario de Mallorca".
Am frühen Montagmorgen wurde außerdem eine junge Touristin aus Frankreich schwer verletzt, als sie in Palmanova unweit des "britischen Ballermanns" Magaluf südwestlich von Palma aus ihrem Zimmer im dritten Stockwerk eines Hotels in die Tiefe stürzte. Die 20-Jährige liege auf der Intensivstation, teilte die Polizei mit.
Viele Opfer des "Balconing"
Die meisten Opfer des "Balconing" wurden in diesem Sommer bisher im Badeort Magaluf registriert. Es waren vor allem junge Briten. Briten wie die 19-jährige Natalie, die vor ihrem Sturz in den Tod auf Facebook postete: "Ich erlebe hier die besten Tage meines Lebens." Oder wie Thomas (20) oder Tom (18). Oft ist es der erste Urlaub ohne Eltern, man will auf den Putz hauen, und die Bars öffnen sehr früh. Auf Websites findet man Angebote wie den "Magaluf Club Pass": Sieben Nächte All-You-Can-Drink für 99 Euro, im Mai und September sogar nur 29 Euro.
Die Experten sprechen unisono von einem "traurigen Rekord". "Wir müssen abwarten, bis die Saison vorüber ist. Aber schon jetzt kann man sagen, dass es noch nie so viele waren wie in diesem Jahr", wurde der mallorquinische Unfallchirurg Juan José Segura erst vorige Woche in der "Mallorca-Zeitung" zitiert.
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Der 32-Jährige behandelt nicht nur die Opfer. Gemeinsam mit sechs Kollegen hat er auch die Hintergründe des zunehmenden Phänomens zu erforschen versucht. In einer 2016 veröffentlichten Studie werden die beabsichtigten Sprünge vom Hotelbalkon in den Pool als auch die Abstürze beim Klettern über das Geländer unter die Lupe genommen. Zwischen 2010 und 2015 gab es demnach 46 Fälle. 60 Prozent der Opfer sind Briten, 15 Prozent Deutsche. 96 Prozent hatten Alkohol konsumiert, 30 Prozent auch andere Drogen. Mentale Probleme oder Suizidabsichten hatte demnach keines der Opfer.
Die Gemeinde Calvià, zu der Magaluf gehört, hatte nach mehreren Todesfällen schon Anfang Juli Alarm geschlagen und eine Krisensitzung mit Hoteliers und Politikern sowie mit Vertretern des britischen Konsulats abgehalten. Ein Ergebnis des Treffens: Die Regierung der Balearen will auf Antrag von Unternehmern, Nachbarschaftsverbänden und Gemeinden verstärkt gegen "Sauftourismus" vorgehen und beispielsweise den freien Ausschank alkoholischer Getränke in den sogenannten All-Inclusive-Hotels verbieten. Über weitere Maßnahmen wird noch nachgedacht.