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Loewe: Dieser Fernseher soll wieder in Kronach produziert werden

Skytech plant, die teuersten Loewe-Geräte auch zukünftig in Kronach zu produzieren. Die Anzahl der neu zu schaffenden Arbeitsplätze wird sich dadurch aber nicht erhöhen. Eine andere Meldung sorgte indes für einige Irritationen.
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Derzeit beabsichtigt Skytech-Chef Aslan Khabliev, hochpreisige Loewe-Fernsehgeräte weiterhin in Kronach herzustellen. Foto: Archiv/Marco Meißner
Derzeit beabsichtigt Skytech-Chef Aslan Khabliev, hochpreisige Loewe-Fernsehgeräte weiterhin in Kronach herzustellen. Foto: Archiv/Marco Meißner

Es ist noch nicht einmal einen Monat her, dass Skytech die Markenrechte des insolventen TV-Geräteherstellers Loewe erwarb. Daher dürften sich nicht nur einige der ehemaligen Mitarbeiter des Kronacher Traditionsunternehmens am Dienstag (7. Januar) irritiert am Kopf gekratzt haben. Der japanische Elektronikkonzern Sharp habe Skytech übernommen, tauchte als Nachricht auf den Bildschirmen auf.

Die großen Fragen: Liegen die Namensrechte nun bei Sharp? Und was bedeutet das für die Pläne, die Skytech mit Loewe in Kronach hat? Immerhin hatte der neue Besitzer gerade erst bestätigt, dass Kronach nicht nur Hauptsitz von Loewe bleiben soll, sondern auch angedacht ist, hier zumindest manche Geräte zu produzieren (wir berichteten).

Volle Konzentration auf Loewe

Die Antwort, die für erleichtertes Aufatmen sorgen dürfte, hat nur drei Buchstaben: UMC. Denn Sharp hat nicht die in Zypern und der Slowakei beheimatete Skytech-Gruppe übernommen, sondern lediglich die Tochterfirma Skytech UMC. An diese hatte Sharp vor fünf Jahren die Lizenz für sein europäisches TV-Geschäft abgegeben. Eine Entscheidung, die den Japanern zwei Jahre später aber offenbar nicht mehr so ganz gefiel. 2017 beteiligten sie sich daher mit 56,7 Prozent an Skytech UMC und kauften gleichzeitig ihre Namensrechte für den europäischen Markt zurück.

Nun hat Sharp wieder die alleinige Kontrolle über sein Europa-Geschäft. Mit den restlichen Prozenten erwarben sie nämlich auch wieder ihr einstiges Werk in Polen. Dort hatte Skytech unter anderem Blaupunkt-Produkte produzieren lassen.

Doch während die Blaupunkt-Namensrechte Eigentum von UMC sind und nun bei Sharp liegen, verhält es sich mit den Markenrechten an Loewe anders. "Die gehören Skytech und nicht UMC. Sharp hat damit also nichts zu tun", bestätigt ein Sprecher der Agentur, die Skytech mit seiner Pressearbeit beauftragt hat, unserer Redaktion. Skytech-Geschäftsführer Aslan Khabliev scheide mit dem Verkauf auch aus der Geschäftsführung von UMC aus. "Er konzentriert sich jetzt voll auf Loewe. Kronach soll sein Hauptort werden, denn er hat alle Niederlassungen verkauft."

Khabliev habe ihm gegenüber verdeutlicht, dass Loewe kein Investment sein soll, dass er in zehn Jahren wieder gewinnbringend veräußern möchte. "Loewe ist für ihn Familieneigentum. Er will damit auch für seine Kinder etwas aufbauen." Das höre sich zwar sehr idealistisch an, räumt der Sprecher ein, aber Khabliev wolle Loewe weiterentwickeln: "Er hat gesagt, dass es auf dem Markt nicht mehr so viele coole Marken wie Loewe gibt. Daher hat er auch so darum gekämpft."

Wie bereits berichtet, sollen auf dem Grundstück in der Industriestraße nicht nur die Geschäftsführung und das Management angesiedelt werden, sondern auch Abteilungen wie der Kundenservice, das Produktmanagement, die Entwicklung - und eine Fertigung. "Die Idee ist, dass hochqualitative Geräte wie der ,Loewe bild 7‘ weiterhin in Kronach produziert werden", nennt der Sprecher neue Details. "Es ist für ihn eine Premiummarke und er will auch in den Premiumbereich hineinkommen."

In den vergangenen Tagen habe Khabliev daher mit mehreren ehemaligen Loewe-Lieferanten verhandelt, die ihn zukünftig ebenfalls beliefern sollen. "Aber er hat noch nicht alle Lieferanten am Tisch gehabt und daher auch noch nicht alle Materialien für den ,Bild 7‘ zusammen."

Khabliev will den Ball flach halten

Klar sei aber schon jetzt, dass nur die teuersten Loewe-Fernseher in Kronach hergestellt werden können. Also Produkte wie der "bild 7", der in der günstigsten Variante (55 Zoll) 4990 Euro und in der teuersten (77 Zoll) satte 15 990 Euro kostet. "Mit den billigeren Geräten würde Khabliev keinen Cent verdienen, wenn er sie in Deutschland produzieren lassen würde", betont der Sprecher. "So würde er mit Loewe nur in die nächste Insolvenz rennen." Geplant sei die Produktion in den sogenannten Visegrád-Staaten. Also den mitteleuropäischen Ländern Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.

Auch wenn in Kronach nun doch eine Produktion ins Auge gefasst wird, ändert sich an der Zahl der geplanten neuen Arbeitsplätze nichts. Die soll nach wie vor bei etwa 30 liegen. Khabliev plane zwar bereits größer, wolle aber zunächst abwarten, wie sich das Geschäft entwickelt. "Wenn klappt, was er geplant hat, kann sich die Beschäftigung noch entwickeln. Aber da hält er den Ball erst einmal flach", sagt der Pressesprecher.

Zunächst gehe es ohnehin darum, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Zwar gehören zur restlichen Insolvenzmasse noch einige Maschinen, viele seien aber auch bereits verkauft worden. "Da muss er schauen, was ihm jetzt noch zur Verfügung steht."

Keine Ungleichbehandlung

Die andere noch offene Frage ist die, wo genau die Premiumgeräte künftig vom Band laufen und im Hintergrund die wichtigen Entscheidungen getroffen werden sollen. Schließlich gehört das Loewe-Areal seit 2014 der Stadt Kronach (wir berichteten). Kommenden Dienstag soll der Stadtrat in einer Sondersitzung über den Mietvertrag mit Skytech abstimmen. Wie hitzig die Debatte wird, dürfte in erster Linie davon abhängen, welchen Mietpreis die Gremiumsmitglieder in ihren Unterlagen lesen werden. Der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner hat auf FT-Anfrage bereits angekündigt, dass die Union ihr OK nur gibt, wenn Skytech eine ortsübliche Miete zahlt. "Alle Mieter müssen gleichbehandelt werden. Ich verstehe gar nicht, wie man überhaupt darüber diskutieren kann, das Grundstück unter Wert zu vermieten", echauffiert sich Baumgärtner, der 2014 initiierte, dass sie Stadt das Grundstück an der Industriestraße erwarb.

Weit geöffnete Türen

Bis die Produktion wieder hochgefahren ist, könne durchaus eine geringere Miete verlangt werden. Das sei bei der Vermietung von Gewerbeflächen auch üblich. Nach dieser Karenzzeit müssten dann aber ein ortsüblicher Preis bezahlt werden. "Und ich kann mir in Bayern keine Region vorstellen, in der man Industriefläche günstiger kaufen kann als in Kronach", betont der Abgeordnete. Er hat daher keine Sorge, dass Skytech mit Loewe an einem anderen Standtort den Neustart wagt.

Das Fachwissen befinde sich durch die ehemaligen Loewe-Mitarbeiter zudem noch immer in Kronach. "Ich bin zuversichtlich, dass es uns in den nächsten Tagen gelingt, das Gelände zu einem marktüblichen Preis zu vermieten", betont Baumgärtner. "Die Türen sind weit geöffnet, durchlaufen muss Skytech aber schon selbst."

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