Das Studium von Bahnfahrplänen gehört nicht zu den Schwerpunktthemen von Politikern. Ohne konkrete Reiseabsichten tun es einige dennoch, wenn es um den Haltepunkt Rentweinsdorf-Treinfeld geht. Starker Protest wurde bei der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates laut, als ein Vertreter des künftigen Streckennutzers "Agilis" eingestand, dass mit dem Fahrplan- und Betreiberwechsel am Pfingstsonntag (12. Juni) nur noch jeder zweite Zug in Treinfeld halten soll. Damit solle ein Stundentakt auf der Strecke zwischen Bamberg und Ebern erreicht werden, erklärte Siegfried Pauls, der örtliche Betriebsleiter von "Agilis" den Räten.

Verzögerungen bei der DB Netz


Dies gelingt aber trotz der derzeit laufenden Neubaumaßnahmen - zumindest vorerst - nicht, wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft, ein Unternehmen des Freistaates, in einer Presseerklärung zugab. Diese Gesellschaft, die dem Wirtschaft- und Verkehrsministerium untersteht, ist eigentlich zuständig und "bestellt und bezahlt die entsprechenden Verkehre" beim Betreiber der Strecke, wie es im Beamtendeutsch so schön heißt. Der Geschäftsführer der Eisenbahngesellschaft, Fritz Czeschka: "Für Ebern - Bamberg ergibt sich vorerst kein minutengenauer Stundentakt und einige Zwischenhalte können nicht stündlich bedient werden." Den "schwarzen Peter" schiebt er dem Bundesunternehmen DB Netz zu, das die notwendige Infrastruktur "nicht wie von uns erwartet bis zum Betriebsstart fertig stellte". Weitere Verbesserungen seien vom Planungs- und Genehmigungsfortschritt abhängig und bis Dezember vorstellbar.
Dazu gehört auch die Auflassung der vielen Feldwegübergänge entlang der Strecke, wogegen sich die Landwirte und auch der Gemeinderat von Rentweinsdorf bislang wehrten, weil sie sonst nur noch über weite Umwege auf ihre Wiesen kommen. Die Feldwegübergänge führen aus Sicherheitsüberlegungen aber dazu, dass die Züge nicht die Maximalgeschwindigkeit nutzen können, was zu Verzögerungen führt.
Verbesserungen sollen über die "politische Schiene" erreicht werden. Seit der Berichterstattung unserer Zeitung über die Durchfahrt etlicher Züge in Treinfeld gab es mehrere Vorstöße. So hat sich Landtagsabgeordneter Bernd Weiss (CSU) an seine einstige Kabinettskollegin aus dem Wirtschaftsministerium, Staatssekretärin Katja Hessel (FDP), gewandt mit der Bitte, dass "auch Rentweinsdorf in die Vertaktung voll eingebunden wird", zumal der Zug im benachbarten Manndorf, das wesentlich kleiner ist als der Markt Rentweinsdorf, zu jeder Stunde hält.
Für "eine Erpressung" hält der CSU-Ortsvorsitzende Willi Andres die Vorgehensweise der Fahrplangestalter, wie er bei einer CSU-Vorstandssitzung schimpfte. "Wenn nur jeder zweite Zug hält, ist das ein Schildbürgerstreich."
Dennoch deutete Andres Zugeständnisse an. "Dass in unserem Gemeindegebiet neun Bahnübergänge vorhanden sind, ist eine Tatsache. Wir verstehen auch, dass sie große Gefahrenstellen darstellen und sich dadurch die Fahrzeit erhöht."
Deswegen würden sowohl Gemeindeverwaltung wie auch Grundstückseigentümer über einen Ausbau vorhandener Feldwege beraten, damit die Wiesen und Felder ohne Überquerung der Bahnstrecke erreicht werden. "Dadurch könnte schneller gefahren und dann auch jeder Zug in Treinfeld halten, was unsere Forderung ist, wofür wir auch Landes- und Bundespolitiker sensibilisieren werden", sagte Andres.