Forchheim
Medizintechnik

OP-Roboter in Forchheim ist erst der vierte in Deutschland

Das Klinikum Forchheim hat einen Roboter angeschafft, mit dessen Hilfe ein Operateur künstliche Kniegelenke präzise platzieren kann.
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Der Fräskopf Foto: Pauline Lindner
Der Fräskopf Foto: Pauline Lindner
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Der Mako ist ein OP-Roboter, mit dessen Hilfe ein Operateur künstliche Kniegelenke mit einer Präzision von einem Zehntelmillimeter platzieren kann. 490 solche Roboter sind weltweit im klinischen Einsatz, etwa 30 in Europa und das Forchheimer Gerät ist das vierte, das in Deutschland in Betrieb genommen wurde.

Damit ist das Klinikum Forchheim führend im Bereich der Gelenkstransplantation, auch wenn die Vorstellung des Roboters bescheiden als "Premiere für Ober- und Mittelfranken" tituliert war. Auf die "innovative Ausrichtung" des Klinikums ist Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) stolz, auch deshalb weil er vor seinem kommunalpolitischen Amt lange Jahre an der Universität und in der Industrie in der Entwicklung von Medizinrobotik tätig war. Für ihn, den Fachmann, ist der Roboterarm Mako eine "gute Unterstützung des Operateurs".

So sehen das auch die Ärzte, die seit zwei Monaten mit dem Gerät operieren: Chefarzt Uwe Lehmann, seine Oberärzte Wolfgang Müller und Maximilian Baier und die beiden niedergelassenen Orthopäden Jürgen Waibel und Franz Roßmeisl vom Ärzteverband Medicon. Ausführlich stellten sie das veränderte Operationsgeschehen vor.


Die "Einflugschneise"

An die Spitze stellten alle dabei die durch den Mako-Einsatz erhöhte Sicherheit bei der OP. Das Kniegelenk wird vor dem Eingriff dreidimensional vermessen. Nach diesen Daten berechnet der Roboter eine "Einflugschneise", das heißt, den Raum, in dem der Operateur agieren kann. Das garantiert eine ganz präzise Schnitt- oder Fräsfläche. Der Mako-Roboter würde abstoppen, käme er beispielsweise einem Band oder Gefäß zu nahe.


Spannung der Bänder

Das Kniegelenk funktioniert nur richtig, wenn die es haltenden Bänder die passende Spannung haben. Durch den Robotereinsatz ist die Spannung auch während der OP zu kontrollieren und führt zu einer optimierten Weichteilbalancierung nach dem Eingriff. Die Revisionsrate, also eine weitere Operation, wird dadurch vier- bis fünfmal niedriger als bei der herkömmlichen Methode.

Mit allen Details erklärten Lehmann und Waibel den ganzen Prozess mit zwei Patienten. Der eine, ein älterer Herr, hat vor gut vier Wochen ein ganzes neues Kniegelenk erhalten. Derzeit befindet er sich auf Reha. Vom Stuhl aufzustehen und zum Rednerpult zu gehen, bereitete ihm offensichtlich keine Mühe.

Der zweite Patient, ein Mann um die 50, unterzog sich dem Eingriff erst vor zehn Tagen. Er hatte zwar Gehhilfen dabei, trug sie aber unterm Arm. Fünf Tage musste er in der Klinik bleiben. "Ich habe in Forchheim schon zwei künstliche Hüftgelenke bekommen. Da hatte ich das nötige Vertrauen wiederzukommen", versicherte er Lehmann.


Schlittenprothese

Er hat eine sogenannte Schlittenprothese erhalten, weil bei ihm der Knorpel an der Außenseite des Gelenks ganz abgenutzt war. "Wegen der andauernden Schmerzen hatten wir bei ihm keine andere Wahl", betonte Lehmann mit Blick auf das Alter des Patienten.Übereinstimmend versicherten beide, dass sie bereits einen Tag nach dem Eingriff - allerdings mit Unterstützung - aufstehen konnten und dass sie seither schmerzfrei sind.

Die neue robotergestützte OP-Methode dauert etwas länger als der herkömmliche Eingriff, statt 45 Minuten etwa 55 bis 60. Auch die Vorbereitung zur Operation ist länger. Die Krankenkassen vergüten sie aber mit demselben Satz wie die herkömmliche.

Guy C. Spörri, der Generalmanager des Herstellers Stryker für den deutschsprachigen Raum, stellte den Zuhörern die amerikanische Firma vor. Gegründet wurde sie 1946 vom Orthopäden Homer Stryker, als der eine Gipsschneidemaschine erfunden hatte. Heute hat die Firma weltweit 33.000 Mitarbeiter und hält 6560 Patente, 300 allein für den Mako-OP-Roboter. "Der Mako ist ein passives System, er braucht den Arzt", betonte der Firmenvertreter und verwies auf die inzwischen elfjährige Erfahrung mit dem Mako.


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