Weißenohe
E-Mobilität

Kreis Forchheim ist Vorreiter bei E-Mobilität: Während der Arbeit wird getankt

Zwar hat der Kreis Forchheim eine Vorreiterrolle übernommen, doch sind Sonja Kernstock und Willi Harhammer überzeugt, dass längst viel mehr E-Autos unterwegs sein müssten.
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Symbolfoto: Marijan Murat/dpa
Symbolfoto: Marijan Murat/dpa
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Keinesfalls werde er "in ein stinkendes Auto einsteigen". Spätestens diese Warnung ihres damals 14-jährigen Sohnes Niklas hat Sonja Kernstock wachgerüttelt.

Überzeugt von der E-Mobilität war die 46-Jährige zwar schon vorher, aber dann kaufte sie sich auch ein E-Auto. So dass ihr mittlerweile 17-jähriger Sohn, der gerade den begleiteten Führerschein macht, in einem umweltfreundlichen Fahrzeug unterwegs sein kann.

In gewisser Weise hat es Sonja Kernstock natürlich leicht. Das Unternehmen, für das sie als Assistentin der Geschäftsführung arbeitet, ist in der Energie- und Solarbranche erfolgreich. Ihr Chef Willi Harhammer ist begeisterter Tesla-Fahrer. Aber Sonja Kernstock ist überzeugt: Kostenfreies Stromtanken am Arbeitsplatz, wie es in der Firma iKratos in Weißenohe möglich ist, könnte längst der Alltag sein. "So werden Arbeitsplätze auf dem Land attraktiv gemacht", sagt sie.

Haben Sie eine Ladestation?

Einen Autotank mit Benzin füllen, so was hat Sonja Kernstock zuletzt vor vier Jahren gemacht. Mit ihrem Renault Zoe kommt sie im Winter 120, im Sommer 160 Kilometer weit. "Ein bisschen planen muss ich schon, wenn ich eine Tour mache", sagt sie. Aber K.O-Kriterien für ein E-Auto gebe es nicht mehr.

Längst sei die E-Mobilität alltagstauglich, sagt auch Willi Harhammer, der gerade eine Reise mit seiner Frau nach Salzburg plant. Bevor er sich auf den Weg mache, rufe er immer vorher im jeweiligen Hotel an, erzählt der 61-jährige Unternehmer. "Ich frage, ob sie eine Ladestation haben - und zugegebenerweise: Sie haben meistens keine." Aber die Lade- und Steckertechnik sei glücklicherweise ausgereift, betont Harhammer. "Jede normale Steckdose reicht aus. Dann muss ich im Urlaub halt mal 20 Stunden warten. Na und, danach kann ich wieder 400 Kilometer fahren."

Solch große Affinität zur E-Mobilität dürfte Dominik Bigge eher selten erleben. Dem Klimaschutzmanager des Landkreises ist es zwar gerade gelungen, eine nahezu flächendeckende E-Ladeinfrastruktur im Landkreis Forchheim zu schaffen. Aber Dominik Bigge kann auch so manches über die "Berührungsängste der Autofahrer" erzählen. Der Ladevorgang scheint vielen noch zu umständlich, obwohl die "Identifizierung" an den Ladesäulen per App, per SMS oder über eine Lade-Token gut funktioniere.

Zögerliche Kommunen

Berührungsängste zeigen aber auch einige Gemeinden. Trotz Fördergelder haben 3 der 29 Kreis-Kommunen auf ihrem Gemeindegebiet noch keine Ladesäulen geschaffen. Immerhin: 37 Säulen mit 74 Ladepunkten stehen dank des Landkreiskonzeptes zur Verfügung. 16 Säulen kommen bald durch ein Förder-Programm des Bundes hinzu.

Kreis Forchheim ist Spitzenreiter in der Region

250 E-Autofahrer sind aktuell im Landkreis gemeldet. Die angestrebten 500 bis zum Jahr 2020 - "das werden wir erfüllen", ist Dominik Bigge überzeugt. In jedem Fall sei der Landkreis Forchheim in der Region Oberfranken Spitzenreiter beim Ausbau der E-Mobilität.

Gemessen an den Möglichkeiten, erscheint Willi Harhammer die Zahl der E-Auto-Nutzer im Landkreis viel zu niedrig. Statt der 250 könnten es schon 3000 sein, meint der Unternehmer aus Weißenohe. "Denn das Wesentliche ist geschafft". Klar, die drei großen Parameter Reichweite, Preis und Infrastruktur müssten weiter verbessert werden, sagt Harmann. "Aber das Thema ist komplett erwachsen. Wir nehmen es nur noch nicht wahr."

Keinerlei Verständnis habe er für jene Stimmen, die E-Autos grundsätzlich ablehnen. "Wir können uns auf den Kopf stellen, sie werden kommen. Spätestens in fünf Jahren wird es en vogue sein, sich zum E-Auto zu bekennen." Dass es überhaupt noch so lange dauert, schreibt Sonja Kernstock der Autoindustrie zu. Die verhindere momentan die "leichte Verfügbarkeit", indem sie den Kunden Lieferzeiten von zwölf Monaten zumute. "Das ist ja fast wie früher in der DDR".

Auch die fehlende Vorbildfunktion der Politiker trage dazu bei, dass noch wenige E-Autos auf den Straßen sind, meint Willi Harhammer: "Viel zu viele fahren noch mit Verbrennungsmotoren. Da wird Wasser gepredigt und Wein getrunken." Der Unternehmer ist überzeugt: Würden die Politiker vorbildlich voranfahren und würde die Industrie liefern, dann wäre schon heute die Hälfte der Autofahrer bereit, ein E-Auto zu kaufen.

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