Neuhaus
Gesellschaft

Inklusion funktioniert auch im Einsatz

Die Neuhauser Feuerwehr nimmt gerne Menschen mit einer Beeinträchtigung in die aktive Mannschaft auf.
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Waltraud Burkhardt, Patrick Sorger (v. l.), Wolfgang Stumpf, Erwin Bergner und Mario Beßler (v. r.) haben Rainer Staudigel von Anfang an in ihrer Mitte aufgenommen.    Foto: Johanna Blum
Waltraud Burkhardt, Patrick Sorger (v. l.), Wolfgang Stumpf, Erwin Bergner und Mario Beßler (v. r.) haben Rainer Staudigel von Anfang an in ihrer Mitte aufgenommen. Foto: Johanna Blum

Eine Behinderung darf nicht von einer Tätigkeit in der Feuerwehr abhalten. Nach diesem Grundsatz handelt die Freiwillige Feuerwehr Neuhaus. "Unser Rainer kuppelt Schläuche, übernimmt Meldeaufgaben und wenn sein Piepser geht, hält ihn nichts auf. Seine Beeinträchtigung fällt dabei nicht auf!" Voller Stolz präsentierte sich der Neuhauser Feuerwehrmann Rainer Staudigel in seiner Feuerwehrmontur am Freitag vor dem Gerätehaus. Begleitet wurde er von seiner Betreuerin Vera Feuerlein.

Staudigel ist 43 Jahre alt, wohnt in Neuhaus und arbeitet in der Werkstatt der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf in der Landschaftspflege. Genau seit dem 30. Juli 2012 ist er bei der Neuhauser Wehr. "Die erste Zeit kam er immer zum Zuschauen bei uns vorbei und man merkte ihm das große Interesse an", erzählt Patrick Sorger, Zweiter Kommandant der Wehr. "Er begann, beim Neubau des Feuerwehrhauses mit anzupacken und dann wollte er auch Feuerwehrmann sein - und er wurde gerne aufgenommen", fährt er fort. Rainer macht bei den Übungen mit und bei den Einsätzen kümmert er sich zum Beispiel um die Verkehrsabsicherung.

Festgelegte Tätigkeiten

"Er ist natürlich nicht ganz vorne dabei, sondern im zweiten Glied", so Erwin Bergner, erster Kommandant. "Einfach da, wo es nicht gefährlich ist", fügt er an.

"Aber unser Rainer ist äußerst zuverlässig und erledigt seine Aufträge perfekt. Auf ihn ist hundertprozentig Verlass", erklärt Waltraud Burkhardt, die Vorsitzende des Vereins. Die Führungskräfte geben ihm Aufgaben, denen er gewachsen ist.

"Wir haben nun für unsere Zwecke einige Punkte in die FFW-Dienstanweisungen eingebracht, dass jeder bei uns weiß, wie mit Rainer - oder allgemein mit Menschen mit Beeinträchtigung - umzugehen ist. Dies wurde im Gremium beschlossen", betont Erwin Bergner. Nach einer gesundheitlichen Einschätzung wurden verschiedene Tätigkeiten festgelegt, die Rainer Staudigel ohne Schwierigkeiten bewältigen kann.

Dies gilt auch für den 54-jährigen Humberto Barros, ein Portugiese, der ebenfalls in Neuhaus wohnt und in Gremsdorf beschäftigt ist. Schon mehr als 25 Jahre ist er Feuerwehrmann. Vor zehn Jahren hatte er einen Arbeitsunfall und trotz Beeinträchtigung durfte er bei der Feuerwehr bleiben. Im Moment ist er krank, sonst wäre er gerne zum Termin am Freitag gekommen. "Menschen mit Beeinträchtigung haben etwa den gleichen Status wie die Jugendfeuerwehrler. Sie dürfen nicht im Gefahrenbereich eingesetzt werden, sondern arbeiten im zweiten Rutsch", erklärt der Zweite Kommandant. "Gelungene Inklusion in der Feuerwehr setzt eine individuelle Gefährdungsabschätzung und -beurteilung für das Mitglied mit Beeinträchtigung voraus. Dies ist durchaus machbar", so Sorger.

Inklusive Werte sollten von allen Feuerwehren im Landkreis gelebt werden, darüber sind sich die Verantwortlichen der Feuerwehr Neuhaus einig. In einem Papier mit Grundsätzen zur Inklusion, von einem Gremium der Wehr ausgearbeitet, gehen sie auf Details ein. Im Schlusswort ist zu lesen: "Inklusion ist eine Chance für die Feuerwehren, sich weiter zu öffnen, gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten und in ihrer Organisation abzubilden. Diese Öffnung ist notwendig, damit Freiwillige Feuerwehren auch in Zukunft Rückhalt, Anerkennung und Daseinsberechtigung in Gesellschaft und Politik finden."

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