Bamberg
Kinder-Uni

Wir haben alle etwas Tolles geerbt

Am Samstag bestiegen 90 junge Studierende eine Zeitmaschine und reisten ins mittelalterliche Bamberg. Einige Zeugnisse aus dieser Zeit gibt's heute noch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Bamberger Sprachwissenschaftlerin Valentina Ringelmann erzählte  den Besuchern der Bamberger Kinder-Uni, wie Bamberg vor rund 500 Jahren mal ausgesehen hat. Foto: Barbara Herbst
Die Bamberger Sprachwissenschaftlerin Valentina Ringelmann erzählte den Besuchern der Bamberger Kinder-Uni, wie Bamberg vor rund 500 Jahren mal ausgesehen hat. Foto: Barbara Herbst
+16 Bilder

Edeler recke und hêre mait! Hä?? Was hat der alte Mann in der Mönchskutte und mit dem grauen Vollbart gerade gesagt? "Das war eine Begrüßung auf Mittelhochdeutsch, das ist eine ältere Form der deutschen Sprache", erklärt Valentina Ringelmann. Die komisch klingenden Wörter bedeuten so viel wie "edler junger Mann und ehrenwertes Mädchen". Davon sitzen heute ganz viele in der Bamberger Kinder-Uni: Rund 90 Mädchen und Jungen sind zur Vorlesung "Wo ist die Lanze des heiligen Georg? Bamberg im Mittelalter" gekommen.

Valentina Ringelmann kennt sich gut aus mit dem Mittelalter: Sie arbeitet als Wissenschaftlerin an der Universität Bamberg und erforscht unter anderem, wie die Menschen im Mittelalter Deutsch geschrieben und gesprochen haben. Zum Beispiel wie der alte Mann im Mönchsgewand. "Das ist Hugo von Trimberg", stellt ihn die Sprachwissenschaftlerin vor.

Man kann nicht nur Geld, sondern auch Pyramiden erben!

Hugo von Trimberg hat vor 500 Jahren in Bamberg gelebt. Heute ist er als Comicfigur im Vorlesungssaal vorbeigekommen und stellt sich gleich selbst vor: "Ich war Schulleiter vom Bamberger Stift St. Gangolf. Ein Stift war früher eine Kirche, zu der auch eine Schule gehört hat", teilt er in einer großen Comic-Sprechblase mit. Die Kirche St. Gangolf und die dazugehörige Schule gibt es heute übrigens immer noch! Und eine andere Bamberger Schule ist nach Hugo von Trimberg benannt, sie hat seinen Namen also "geerbt", wie man so sagt.

Wusstest du, dass man nicht nur Geld, Briefmarkensammlungen oder Omas Perlenkette erben kann, sondern auch Pyramiden, Korallenriffe und sogar ganze Städte wie Bamberg? "Dabei geht es um das Welterbe", erklärt Valentina Ringelmann. Wir schauen uns das Wort mal genauer an: Welterbe ist ein zusammengesetztes Namenwort und besteht aus "Welt" und "Erbe". Aber was heißt das jetzt? Die jungen Studierenden beraten sich. "Also ,Welt‘ bedeutet ,überall‘, die ganze Erdkugel", schlägt ein Junge vor. Valentina Ringelmann nickt: "Wir verstehen darunter die Erde, auf der sich die gesamte Menschheit und alle vorstellbaren Gegenstände befinden."

Was die Menschen vor uns alles aufgebaut haben, müssen wir beschützen

Und "Erbe" bedeutet hier so viel wie ein Geschenk, das jemand bekommt, wenn einer seiner Vorfahren stirbt. Zusammengesetzt ergibt "Welterbe" dann Folgendes: "Welterbe ist etwas, das alle Menschen auf der ganzen Welt von den Menschen erben, die vor uns gelebt haben", erklärt die Wissenschaftlerin.

Die großen Pyramiden in Ägypten gehören zum Welterbe, denn sie sind der älteste Friedhof der Welt. Auch das Great Barrier Reef ist Teil des Welterbes, das ist ein großes Korallenriff in Australien. Und: Bamberg ist auch Welterbe! Da staunen viele Kinder im Vorlesungssaal. "Der Grundriss und die Architektur von Bamberg übten seit dem Mittelalter einen starken Einfluss auf den Städtebau und die Stadtentwicklung in Mitteleuropa aus", sagt die Forscherin. Von Bamberg haben sich also viele Städte ein bisschen was abgekuckt.

Außerdem hatte Bamberg Glück, denn viele alte Kirchen und herrschaftliche Bauten aus dem Mittelalter sind heute noch da. Zum Welterbe gehört in Bamberg aber noch viel mehr. Valentina Ringelmann zählt auf: "Es sind drei Bereiche: die Bergstadt, die Inselstadt und die Gärtnerstadt." Dass eine so große Fläche den Titel Welterbe bekommt, ist sehr selten. Du kannst Bamberg übrigens gratulieren: Die Stadt feiert dieses Jahr, dass sie seit 25 Jahren den Titel Welterbe trägt!

Schau dir das Welterbe an!

Wenn auch du dich auf eine Reise durch das mittelalterliche Bamberg begeben und dabei dem heiligen Georg (das ist der Ritter auf dem Stadtwappen) bei der Suche nach seiner gestohlenen Lanze helfen möchtest, dann leih dir in der Universitätsbibliothek das Buch "Die gestohlene Lanze" von Linda Wolters aus. Viel Spaß!



Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren