Bamberg
Kinder-Uni

Was Fenster uns alles verraten können

Rund, spitz oder eckig: Durch Fenster kommt Licht ins Haus. Und wir schauen durch sie hinaus! An ihrer Form können wir erkennen, wie alt ein Gebäude ist.
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Mit Carmen Enss ging es in der ersten Kinder-Uni-Vorlesung auf eine Reise durch die Baugeschichte der italienischen Stadt Bari. Foto: Ronald Rinklef
Mit Carmen Enss ging es in der ersten Kinder-Uni-Vorlesung auf eine Reise durch die Baugeschichte der italienischen Stadt Bari. Foto: Ronald Rinklef
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Wenn wir in ein Gesicht schauen, dann können wir meistens ganz gut schätzen, wie alt der Mensch ist, der zu dem Gesicht gehört. Aber hättet ihr gedacht, dass man das Alter eines Gebäudes erkennen kann, wenn man dessen Fenster genauer untersucht? "Dazu nehme ich euch heute mit auf eine baugeschichtliche Entdeckungstour durch die Stadt Bari in Italien", kündigt Carmen Enss an und begrüßt die rund 80 Jungen und Mädchen, die zu ihrer Vorlesung "Fenster, die Augen der Häuser" gekommen sind.

Die Städte Bari in Italien und Bamberg haben viele Gemeinsamkeiten

Bari ist eine italienische Hafenstadt. Vielleicht wisst ihr, dass das Land Italien auf der Landkarte wie ein Stiefel mit hohem Absatz aussieht. "Und Bari liegt da, wo der Stiefelabsatz beginnt", sagt die Wissenschaftlerin. Sie erforscht als Denkmalpflegerin an der Universität Bamberg, wie man alte Gebäude und ganze Städte erhalten kann.

Bari und Bamberg verbindet schon lange eine Freundschaft: "Vor fast 800 Jahren hat die Stadt Bari diesen Mantel der Stadt Bamberg geschenkt." Carmen Enss zeigt ein Foto, auf dem man einen blauen Mantel mit aufwendigen goldenen Stickereien sieht. "Und Bamberg und Bari haben viel gemeinsam": Beide Städte liegen im Südosten, beide haben "BA" als Autokennzeichen und beide haben eine Altstadt mit kleinen Gassen, "alles steht unter Denkmalschutz", erklärt die Wissenschaftlerin.

Bamberg gehört seit 25 Jahren zum Weltkulturerbe

Bamberg zum Beispiel feiert in diesem Jahr, dass es seit 25 Jahren zum Welterbe der Unesco gehört. Die Unesco ist ein Club, dem viele Länder angehören. Auch Deutschland gehört dazu. Diese Leute nehmen ganz besondere Städte, Orte und sogar Essensrezepte in eine Liste auf, die für uns Menschen kulturell wichtig sind.

Manche dieser außergewöhnlichen Städte oder Dinge sind gefährdet. So ging es auch der Altstadt von Bari: "In den 1930er Jahren wollte die italienische Regierung ganz viele alte Gebäude abreißen und die kleinen Straßen viel größer machen", sagt Enss. Doch Denkmalschützer und Architekten konnten das verhindern.

Waren die Ritter zu dick?

Deshalb gibt's in Baris Altstadt heute noch viel alte Wohnhäuser, die allerdings gar nicht wie Häuser aussehen ... "Das sind alte Burgen", erklärt die Wissenschaftlerin. Weil es vor 1000 Jahren, nach dem Ende des Römischen Reiches, in Bari viel Streit zwischen unterschiedlichen Volksgruppen gab, "baute man Häuser, die wie Burgen waren und hohe Türme hatten". So waren die Bewohner vor Angreifern ganz gut geschützt. "Die reichste Familie erkannte man immer daran, dass sie den größten Turm hatte." Sogar Zugbrücken gab es, die man herunterlassen konnte. "Heute wohnen immer noch Menschen in den Burgen, sogar Schulen gibt es", sagt die Forscherin. Für einen Schulhof reicht der Platz allerdings nicht.

Schule in der alten Burg

Viele dieser alten Burgen haben oben an den Türmen noch ganz alte Fenster. Die sind schmal und ziemlich hoch. "Warum sie diese Form haben, wissen wir Forscher nicht", gibt Carmen Enss zu. "Kein Maurer hat das damals aufgeschrieben." Manche vermuten, dass die Fenster deshalb so schmal waren, damit feindliche Ritter in ihren Rüstungen nicht durchpassten. "Außerdem ist erst im Mittelalter das Glas erfunden worden."

Erst dann konnte man die Fenster bei Kälte zumachen und sie wurden größer. "Auch die Form des Fensters verrät uns etwas über sein Alter." Richtig alt sind Fenster, die oben rund sind. Sie entstanden im Zeitalter der Romanik vor rund 1000 Jahren. "Danach wurden die Fenster oben spitz", das war im Zeitalter der Gotik, also im Mittelalter.

Übrigens: Besondere Gebäude, wie zum Beispiel der Bamberger Dom, haben sowohl romanische als auch gotische Fensterformen, weil ihr Bau mehrere Hundert Jahre gedauert hat.



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