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Schule

Von der Kreidezeit zur Schule 4.0 - Wie digitalisierte Bildung in Franken gelingen kann

Klassische Tafelbilder und Schulbücher - nur Relikte aus einer bildungspolitischen Vorzeit? Wie es ums Digitale in fränkischen Schulen bestellt ist, wollten Pädagogen beim 3. Lehrermedientag in der Mediengruppe Oberfranken herausfinden.
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Wie passen Schule und Digitales zusammen? Roland Baumann und Martin Römpp (von rechts) geben Frankens Pädagogen beim 3. Lehrermedientag bei der Mediengruppe Oberfranken viele  Tipps.  Foto: Barbara Herbst
Wie passen Schule und Digitales zusammen? Roland Baumann und Martin Römpp (von rechts) geben Frankens Pädagogen beim 3. Lehrermedientag bei der Mediengruppe Oberfranken viele Tipps. Foto: Barbara Herbst
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Fast sechs von zehn der anwesenden Schulpädagogen nutzen bereits digitale Hilfsmittel täglich im Unterricht. Roland Baumann wirkt überrascht. Das hätte der Informationstechnische Berater für Digitale Bildung nicht erwartet. Denn, so resümiert er, die Digitalisierung an Schulen stehe erst ganz am Anfang. Dabei lautet das große Ziel, einen "mündigen digitalen Bürger in Zeiten des Leitmedienwandels" heranzuziehen. Stellt sich nur die Frage: Wie?

Antworten auf diese Fragen hatten die Digital-Experten Baumann und sein Kollege Martin Römpp beim Lehrermedientag bei Mediengruppe Oberfranken im Gepäck. Ein Dämpfer zu Beginn: "Es ist schwer, auf die digitale Lebenswelt der Schüler noch eine Schippe draufzulegen", sagt Baumann den 75 anwesenden Lehrkräften. 95 Prozent der 12- bis 16-Jährigen besitzen ein Smartphone und nutzen es intensiv. Aber: Einen unbedingten Wissensvorsprung vor den Lehrern muss das nicht bedeuten.

Martin Römpp, Medienpädagogischer Berater Digitale Bildung (mBdB) für die Realschulen in Unterfranken, weiß wieso: "Die Digital Natives hinterfragen die Technik nicht mehr, sie sind damit aufgewachsen." AGB? Egal. Datenschutz? Interessiert wenig. Sicherheit? Ebenso. Und da komme der Lehrer ins Spiel.

Nutzen heißt nicht verstehen

Dass Kinder und Jugendliche Apps wie selbstverständlich nutzen, reicht nämlich nicht. Wie funktioniert ein Algorithmus, wie bewerte ich die unzähligen Treffer einer Suchmaschine und filtere relevante sowie seriöse Inhalte heraus, was steckt hinter Clouddiensten, wo landen meine Daten? "Wie Whatsapp funktioniert, müssen Erwachsene nicht erklären. Was es bei Messengern und anderen Apps an Datenschutz und Co. zu beachten gibt, umso mehr", sagt Baumann.

Doch um die Schüler nicht orientierungslos in den Tiefen des Internets umherirren zu lassen, müssen Lehrer selbst aufpassen, der digitalen Welt nicht hinterherzuhinken. Wie in Gesprächen mit Teilnehmern klar wird, sei das in der föderalen Struktur des schulischen Amtsapparates nicht immer gegeben. In der Regel mangelt es schlicht am Geld, um an den Schulen die technische Grundausstattung zu installieren, zu warten sowie ab und an zu erneuern. Nun wollen Bund und Freistaat bis 2024 eine Milliarde Euro in die digitale Ausstattung bayerischer Schulen stecken - ein Anfang.

"Aber Ausrüstung ist sowieso nicht alles", sagt Baumann. Wichtig sei, dass Pädagogen grundsätzlich bereit sind, analoge Komfortzonen zu verlassen und dem digitalen Wandel aufgeschlossen gegenüberzustehen. Und: Dem Nachwuchs einen "ethischen Orientierungsrahmen" mitzugeben, dank dessen sie sich sicher und souverän durch Schule und Leben 4.0 bewegen.

Ein spannendes Beispiel aus der Praxis: die Nutzung digitaler Inhalte im Unterricht. Etwa der Einsatz von Youtube-Videos. Die sind grundsätzlich erlaubt, aber nur wenn sie zur Veranschaulichung des Unterrichts erfolgen und die erlaubte Länge nicht überschreiten (Werke unter fünf Minuten, bei längeren Filmen maximal 15 Prozent).

Ein weiterer Stolperstein: das Urheberrecht. Und zwar für Schüler und Lehrer gleichermaßen, erklärt Martin Römpp. Kinder auf der einen Seite müssten sich frühzeitig an die Tücken und Kniffe der globalen Informationsgesellschaft gewöhnen. Und auch für den Unterricht ergeben sich wichtige Fragen: Datenschutz bei der digitalen Speicherung von Leistungsnachweisen, Schülerdaten in der Cloud und die Achtung von Persönlichkeitsrechten der Schüler. Rechtssicherheit durch Wissen ist das eine, Römpps Tipp lautet darüber hinaus, den "Umfang an Daten so minimal wie möglich zu halten."

Der Wille ist da, die Mittel fehlen

Und was sagen die Lehrer? Tatsächlich könnten die strukturellen Voraussetzungen an den einzelnen Schulen unterschiedlicher nicht sein - ideal sind sie jedenfalls bei den wenigsten. Eins aber eint die Pädagogen: Die allermeisten sind bereit und motiviert, das digitalisierte Leben in die Klassenzimmer zu bringen.

Online-Angebot soll Lehrer unterstützen

Das Landesmedienzentrum Mebis soll den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht fördern. Beispiele aus dem Online-Angebot: Das Infoportal bündelt Anregungen und Informationen zu den Themenbereichen Medienerziehung und Mediendidaktik. Zudem kann über dieses Teilangebot mit den 170 Berater digitale Bildung (BdB) direkt Kontakt aufgenommen werden. Die mebis Mediathek enthält digitale Bildungsmedien, die im Unterricht urheber- und lizenzrechtlich gesichert verwendet werden dürfen (55 000 Video- und Audioinhalte). Das mebis Prüfungsarchiv stellt über 4800 zentrale bayerische Abschlussprüfungen und Jahrgangsstufenarbeiten aller relevanten Schularten inklusive der zugehörigen Materialien wie Audiodateien für Hörverstehensübungen digital zu Übungszwecken bereit.

Die mebis Lernplattform dient Lehrkräften zur Gestaltung von digital gestütztem Unterricht und zur Organisation von Lernvorgängen in digitalen Kursen. Sie gewährleistet sichere Kommunikation und ermöglicht den Einsatz von Aufgaben, Abstimmungen, Chats und die Erstellung von Tests.

Mit teachSHARE steht bayerischen Lehrkräften eine Auswahl an kostenlosen mebis-Kursen zur Verfügung, die von Kollegen aus Bayern entwickelt wurden. Die Kurse können in wenigen Schritten kopiert und individuell an den eigenen Unterricht angepasst werden.

Die mebis Tafel ermöglicht Lehrkräften, in einer einfachen Oberfläche anschauliche und interaktive, digitale Tafelbilder anzufertigen. Die Software ist ohne Installation per Browser auf Whiteboard, PC oder Tablet nutzbar. www.mebis.bayern.de

Was ist der Lehrermedientag überhaupt?

"Orientierung in der digitalen Welt und die Rolle der Medien in Gesellschaft und Schule" - unter dem Motto steht der 3. Bayerische Lehrermedientag. Als einer von 16 Verlagen im Freistaat lud die Mediengruppe Oberfranken am Buß- und Bettag 75 Pädagogen nach Bamberg ein, um ihnen im Austausch Impulse für digitalen Unterricht zu geben. Organisiert wurde die Fortbilung vom Schulprojekt Klartext und dem Staatlichen Schulamt Bamberg.

www.lehrermedientag.de

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