Hirschaid
Stolpersteine

Damit das Vergessen in Hirschaid außer Tritt gerät

Drei neue Steine im Pflaster zeigen, wo jüdische Mitbürger in Hirschaid gelebt haben, bevor sie deportiert und ermordet wurden. Die Initiative für die Aktion haben Schüler ergriffen
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Drei Stolpersteine erinnern an das Schicksal der einst in Hirschaid beheimateten Familie Plaut.  Fotos: Andrea SpörleinDrei Stolpersteine erinnern an das Schicksal der einst in Hirschaid beheimateten Familie Plaut.  Fotos: Andrea Spörlein
Drei Stolpersteine erinnern an das Schicksal der einst in Hirschaid beheimateten Familie Plaut. Fotos: Andrea SpörleinDrei Stolpersteine erinnern an das Schicksal der einst in Hirschaid beheimateten Familie Plaut. Fotos: Andrea Spörlein
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Gerhard Plaut, 1937 geboren, durfte seinen sechsten Geburtstag nicht mehr erleben. Ein menschenverachtendes Regime sorgte dafür, dass er zusammen mit seinen Eltern und den letzten 25 Hirschaider Juden im Frühjahr 1942 im Viehwaggon über Nürnberg ins Lager Izbica bei Lublin gebracht und dort ermordet wurde.

An ihn und seine Eltern Carola Plaut (geb. 1911), geb. Katz, und Siegfried Plaut (geb.1910), die sein Schicksal teilten, erinnern jetzt drei Stolpersteine. Der Künstler Gunter Demnig, Erfinder der "Stolpersteine gegen das Vergesen", war eigens nach Hirschaid gekommen, um die "Stolpersteine gegen das Vergessen" in den Gehsteig vor der letzten bekannten Wohnung der Familie in der Bahnhofstraße 3 einzuarbeiten.

Es waren Schüler der 9. Jahrgangsstufe der Staatlichen Realschule Hirschaid, die dieses Projekt initiiert haben. Mit ihrer Lehrerin Alexandra Welzenbach beschäftigten sie sich im Rahmen eines freiwilligen Wahlkurses im letzten Schuljahr mit der jüdischen Kultur und Geschichte. Der Fokus legten sie besonders auf die Geschichte der Bamberger und Hirschaider Juden.

Bewegendes Schicksal

Mit Unterstützung der Kreisheimatpflegerin Annette Schäfer wurde die Verlegung der Stolpersteine für die Familie Plaut möglich gemacht. Die Kosten hat der Markt Hirschaid übernommen.

"Emotional besonders bewegt" hat Luisa Kahlert, Tobias Köppl, Eva Kolloch, Corinna Saffer, Niklas Schätzlein und Anna Stahler nach eigenem Bekunden das Schicksal des fünfjährigen Gerhard Plaut. Sie ließen es sich nicht nehmen, die Messingschilder mit den Namen der Familie Plaut zu polieren.

"Lautstark aufschreien"

Hirschaids Bürgermeister Klaus Homann (CSU), der von seinem Amtskollegen Lukasz Jastrzembski aus Lesnica, der polnischen Partnergemeinde, bei der Gedenkfeier begleitet wurde, würdigte das Engagement der Schüler. Er ermutigte sie, zu protestieren, "wenn wieder Menschenrechte mit den Füßen getreten werden". Sie sollten "nicht alles akzeptieren", sondern "lautstark aufschreien, wenn Unrecht geschieht". Es sei auch heute noch wichtig, so Homann, dass "man sich mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt". Mit den Stolpersteinen bekomme für ihn die "Familie Plaut wieder ein Gesicht".

In Hirschaid gibt es nun bereits sieben solcher "Stolpersteine". Für Daniel Dorsch und Andreas Ullmann von der Willy-Aron Gesellschaft, die das Projekt in Bamberg koordiniert, ist das ein "wichtiger Beitrag zur würdigen Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus".


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