Die Nachricht löste einen Schock unter all denen aus, die ihn kannten. Lutz war vollkommen gesund, erst vor einigen Tagen wurde ihm das von einem Arzt bestätigt. Am Donnerstag erlitt er allerdings eine Lungenembolie, die herbeigeeilten Notärzte und Rettungssanitäter konnten ihm nicht mehr helfen. Er wurde noch ins St. Elisabeth Krankenhaus gebracht, doch jede Hilfe kam zu spät.

Seit 1974 bei der Saale-Zeitung


Ulrich Lutz kam 1974 zur Saale-Zeitung und war zunächst in der Lokalredaktion tätig. Walter Bartzen, Gerhard Fuhrmann, Ulrich Lutz - dieses Dreigestirn prägte die Lokalzeitung in den 70-er Jahren mit einem dynamischen Ulrich Lutz, der sich draußen bei den Menschen am liebsten sah. Seine journalistische Maxime: Die Menschen der Region sollen sich mit ihrer Heimat und ihrem unmittelbaren Umfeld in der Zeitung wiederfinden: "Heimat im besten Sinne des Wortes vermitteln, das wollte ich immer", hat Ulrich Lutz über sich selbst gesagt.
Das tat er, das war für die Zeitung erfolgreich, und so war es logisch, dass der damalige Verleger Kuno Scha chen mayer Ulrich Lutz 1982 zum Chefredakteur bestellte, als die Saale-Zeitung im Verbund mit anderen Zeitungen eine Vollredaktion erhielt. Das Blatt hatte an Gewicht gewonnen und da bedurfte es einer kompetenten Führungspersönlichkeit - Ulrich Lutz. Sein Konzept ging auf: Die Auflagen der Saale-Zeitung stiegen in den folgenden Jahren kontinuierlich, die Machart einer kompetent gemachten Lokalzeitung fand Akzeptanz und Leser.
Eine besondere Herausforderung in persönlicher und beruflicher Hinsicht war die Deutsche Einheit und damit verbunden die Möglichkeit für den Verlag T.A. Schachenmayer, in Süd-Thüringen sich den Titel des "Meininger Tageblatt" zu sichern. Beginnend mit einem leeren Büro baute Ulrich Lutz die Tageszeitung wieder auf und das "Meininger Tageblatt" ist heute noch das führende Medium in Süd-Thüringen. Dieser Aufbau einer Tageszeitung aus dem buchstäblichen Nichts erfüllte Ulrich Lutz zu Recht mit Stolz und Genugtuung.

Beobachter des Kalten Krieges


Das hatte auch einen persönlichen Hintergrund: Jahrelang erlebte er in Bad Kissingen und damit in unmittelbarer Nähe des Eisernen Vorhanges den Kalten Krieg aus nächster Nähe. In enger Verbindung mit der amerikanischen Garnison in Bad Kissingen und dem Bundesgrenzschutz in Oerlenbach war die deutsch-deutsche Teilung ein Teil des täglichen Lebens und Arbeitens. Überhaupt hat ihn die Auseinandersetzung mit der ehemaligen DDR sehr stark beschäftigt, nicht nur während der Aufbauzeit des Meininger Tageblattes. Seine 180 Seiten umfassende Stasi-Akte belegt viele Fahrten und Kontakte in die ehemalige DDR, der Journalist hat immer zu ergründen versucht, was man vor ihm zu verbergen versuchte.
Ulrich Lutz war ein geachteter Journalist, er hat Könige interviewt, er hat über Bettler Reportagen geschrieben und Menschen der Weltgeschichte ein Stück ihres Weges begleitet. Sein Wissen hat er weitergegeben, in den Medienhäusern Deutschlands, bei Fernsehsendern und großen Tageszeitungen sitzen Redakteure, die ihr Handwerkszeug bei Ulrich Lutz gelernt haben. Bei ihm haben sie das gelernt, was er Zeit seines Lebens nie verloren hat: Das Interesse an täglich neuen Herausforderungen, an täglich neuen Fragen, die es zu stellen galt, neugierig zu sein und zu bleiben, sich täglich kritisch mit der Welt um sich herum und der Gesellschaft auseinander zu setzen.

Neugierig die Welt betrachtet


Als Privatmann hat Ulrich Lutz diese Einstellung gleichermaßen gepflegt. Neugierig durchstreifte er mit seiner Frau und den zwei Töchtern Europa, als passionierter Flieger verschaffte er sich einen Blick von oben auf die Welt. Beim Bad Kissinger Fliegerverein war er lange Jahre aktiv, hat sich auch in die vordere Reihe der Verantwortlichen gestellt. Nachdem er im vergangenen Jahr in Pension ging, hat er sich erneut im Fliegerverein engagiert und sein Hobby wieder aufgenommen. Leider war ihm nicht mehr viel Zeit dafür beschieden.