Bad Kissingen
170 Jahre Saale-Zeitung

"Das wird ein spannendes Jahr"

Ein Blick in die Geschichte: Wie es zum "Kissinger Intelligenz Blatt" kam, die erste Ausgabe erschien am 1. Januar 1847, der Verleger war Gottfried Feser.
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Die Saale-Zeitung mit Geburtstagsschleife: Die Heimatzeitung feiert in diesem Jahr ihr 170-jähriges Bestehen. Foto: Michael Gründel/Archiv
Die Saale-Zeitung mit Geburtstagsschleife: Die Heimatzeitung feiert in diesem Jahr ihr 170-jähriges Bestehen. Foto: Michael Gründel/Archiv
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Die Mitte des 19. Jahrhunderts war geprägt von Erfindungen und Entdeckungen. Im September 1846 beispielsweise wurde der Planet Neptun vom Deutschen Johann Gottfried Galle, dem Heinrich Louis d'Arrest assistierte, entdeckt. Elias Howe erhielt in den Vereinigten Staaten ein Patent auf seine Nähmaschine. Für die Göltzschtalbrücke im Vogtland wurde der Grundstein gelegt, die weltgrößte Ziegelbrücke ermöglichte den Eisenbahnverkehr auf der Strecke zwischen Nürnberg und Leipzig.

Die Welt wurde kleiner. Seinerzeit. Die Welt veränderte sich, und das rasant. Es gab viel zu erzählen, in jenen Tagen, viel zu berichten, aber wer tat das?


Das historische Datum

Der 1. Januar 1847 war für Kissingen in Bayern ein wichtiges Datum insofern, als dass hier eine Zeitung aus der Taufe gehoben wurde: Das "Kissinger Intelligenz Blatt". Das war nicht mehr und nicht weniger als die heutige Saale-Zeitung. Den Anfang nahm die Saale-Zeitung am 1. Januar 1847, Gottfried Feser hatte die kleinformatige Zeitung "Kissinger Intelligenz Blatt" ins Leben gerufen und mit einem Gedicht zum Jahreswechsel "aufgemacht". Ende 1863 wurde das Blatt in "Saal-Zeitung" umbenannt, zwei Jahre später, 1865, hat ein gewisser A. A. Reichert den Betrieb übernommen.


Die Familie Schachenmayer

Aber schon 1868 tritt der nächste Besitzer auf - die Gründe für den so kurz aufeinander folgenden Besitzerwechsel liegen im Dunkeln - und damit beginnt die Geschichte der Familie Schachenmayer in Bad Kissingen. Der Verlag T. A. Schachenmayer sollte für 134 Jahre das Dach der Saale-Zeitung werden. Das charakteristische "T.A." war nichts anderes als die abgekürzten Vornamen von Tobias August Schachenmayer, der 1868 die "Saal-Zeitung" in der Theresienstraße in Kissingen übernahm.

Überspringen wir mal auf die Schnelle die nächsten 134 Jahre, um nicht zu sehr in die Geschichte abzudriften: Mit der Übernahme der Mehrheitsanteile durch die WAZ-Mediengruppe im Jahr 2002 und dem Erwerb der Zeitung durch die Mediengruppe Oberfranken (2010) endet die Bindung der Zeitung an eine einzige Unternehmerfamilie. Und: Die Entwicklung geht weiter. Das lehrt uns die Geschichte. Und sie sagt uns heute eines: Die Saale-Zeitung ist 170 Jahre alt.


Die Entwicklung der Zeitungen

Die Erfolgsgeschichte der deutschen Zeitungen wurde im 19. Jahrhundert, als das "Intelligenz Blatt" aus der Taufe gehoben wurde, durch mehrere Faktoren begünstigt. So gab es zum einen die Industrialisierung, die Entwicklung von Städten sowie die Liberalisierung der Gesellschaft im Hinblick auf die Presse- und die Informationsfreiheit. Das Interesse der Bevölkerung an Nachrichten aus Politik und Gesellschaft stieg, zudem konnten immer mehr Menschen lesen.

Die Modernisierung der Technik trug durch die Erfindungen der Schnellpresse 1812, der Rotationsmaschine 1845 oder der Linotype-Setzmaschine 1886 dazu bei, dass der Satz und Druck zunehmend schneller, einfacher und in größerem Umfang möglich wurden.


Zuerst ein Gedicht

Der Verleger Gottfried Feser in Kissingen hatte 1847 noch keine so moderne Rotationsmaschine, sondern eher eine sehr kleine Ausgabe einer solchen, als er sein erstes "Intelligenz Blatt" herausbrachte. Aufmacher und Titelgeschichte war seinerzeit ein Gedicht über den Jahreswechsel. Das Gedicht ging so: "So stehn wir wieder an der Schwelle, von einem neuen flücht'gen Jahr, und rastlos, wie des Meeres Welle, flieht es auch zu der Brüder Schar!". Schön.

Auf Seite 2 fanden sich - Original Überschrift - "Amtliche Artikel". Anna Katharina Bohn, stand da, ledig von Gersfeld, hatte gegen Kaspar Wald von Steinhof geklagt. Er sei der Vater ihres Sohnes Johann und müsse sich um die "Kindesnährung kümmern". Das Gericht gab der Klägerin recht und verurteilte den Beklagten, der Mutter sechs Gulden und 15 Kreutzer Kindbettkosten und 15 Kreutzer Alimentationsbeitrag per Woche bis zum zurückgelegten 14. Lebensjahr des Kindes zu zahlen.

Ebenso stand in der ersten Ausgabe des "Intelligenz Blattes", wer im Monat Dezember 1846 in Kissingen geboren wurde, wer verstarb. Demnach wurden 1846 in der Stadt 53 Kinder geboren, 29 Knaben und 24 Mädchen, gestorben sind 49 Personen, 29 männlichen und 20 weiblichen Geschlechts, und getraut wurden acht Paare. Das interessierte die Welt Kissingens.


Die Relevanz der Nachricht

"An diesen Dingen erkennt man, dass die Zeitung auch 170 Jahre später ähnlichen Strukturen folgt", sagt Paul Ziegler, der heutige Redaktionsleiter der Saale-Zeitung. "Relevant ist für die Leser das, was im unmittelbaren Umfeld passiert. Die Bedeutung der Ereignisse ist das Entscheidende für den Leser." Einsichten, wie sie damals schon vorhanden waren und wie sie im Jahr 2017 nicht anders sind.


Veranstaltungen für die Leser

170 Jahre Saale-Zeitung ist natürlich auch ein Grund, sich zum einen an die Geschichte zu erinnern und andererseits ein wenig zu feiern. Das kann man getrost tun, wenn man als ein "Massenmedium" solange überlebt hat. Die Heimatzeitung tut das in diesem Jahr mit verschiedenen Aktionen.

Zum einen wird das 170-jährige Bestehen der Tageszeitung immer wieder in der Berichterstattung auftauchen. "Zum anderen wollen wir gemeinsam mit den Lesern bei verschiedenen Veranstaltungen feiern. Wir tun das nicht zu einem Zeitpunkt an einer Stelle, sondern werden mit etwa fünf Veranstaltungen zu den Lesern kommen. Da sind einige sehr interessante Events dabei", sagt Paul Ziegler vorausschauend auf die nächsten zwölf Monate.


Hauptgewinn: Ein Auto

Ein besonderes Angebot für das Jubiläum der Saale-Zeitung ist eine Lotterie. Alexander Subat, der Geschäftsführer der Kissinger Verlagsgesellschaft dazu: "Zum ersten Mal veranstaltet die Saale-Zeitung zu ihrem 170. Geburtstag eine Lotterie, die das ganze Jahr stattfinden wird und deren Erlös der Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung zugute kommen wird." Der Gewinner dieses Gewinnspiels wird sich über ein neues Auto freuen dürfen! Außerdem winken den Gewinnern viele, sehr viele Sachpreise (Informationen dazu folgen).

"2017 wird für die Saale-Zeitung und den Verlag ein sehr spannendes Jahr werden", sagt Redaktionsleiter Paul Ziegler. Die geplanten Veranstaltungen seien wirkliche Highlights, "sie heben sich deutlich von sonst üblichen ,Feier-Feten' ab. Lassen Sie sich überraschen."


Ein Überblick über die Jahreszahlen:

1847 am 1. Januar erscheint die erste Ausgabe des "Kissinger Intelligenz Blatt", des Vorläufers der heutigen Saale-Zeitung.

1868 Die Familie Schachenmayer übernimmt die "Saal-Zeitung" und steuert 134 Jahre lang die Geschicke der Zeitung und des Verlages T.A. (Tobias August) Schachenmayer.

2002 Die Saale-Zeitung geht an den Verlag der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) über.

2010 Die WAZ-Mediengruppe veräußert die Saale-Zeitung an die Mediengruppe Oberfranken.


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