Wunderschön locken die nächtens bestrahlten Jugendstilfenster des riesigen Luitpoldbades zum Wurf. Das alles hätte er besitzen können. Der Stein polterte durchs Scheibengeklirr in die trostlose Leere eines gewaltigen Gebäudes. "Wir sind davon ausgegangen, das es einmal so kommen würde", sagt Harald Hümmer. Er soll im Auftrag des Bayerischen Finanzministeriums für eine Million und 100 00 Euro mittels der "Immobilien Freistaat Bayern" verkaufen, was niemand haben will: ein Filetstück in Deutschlands bekanntestem Kurort, in einem Park direkt an der fränkischen Saale neben dem Regentenbau und der Wandelhalle gelegen. Von außen hübsch anzuschauen, innen auf grandiose Weise morbide, ist das Gebäude ein Sinnbild der Vergänglichkeit statt der Gesundung, wie es eigentlich einem Kurort geziemte.
Die Spielbank ist im herausgeputzten Teil eines Bade-Tempels untergebracht, der um 1900 mit mehr als 200 Badekabinen als der größte in Europa galt. Jetzt rotten Badewannen trümmer vor sich hin. Nach Steinwürfen wurde ein schützendes Drahtgeflecht vor den Jugendstilfenstern angebracht und mit 12 000 Euro aus Spenden bezahlt, die Karin Lawall gesammelt hatte. "Mein Mann und ich hatten uns bereits in das Luitpoldbad verliebt, bevor wir vor 30 Jahren nach Bad Kissingen gezogen sind", sagt die gebürtige Norddeutsche. Lawall sammelte in zwölf Jahren 30 000 Euro an Spendengeldern für den Erhalt des Gebäudes. 2009 stellte sie die Aktion ein, weil das Bad verkauft werden sollte. Ein Scheck über 18 000 Euro schlummert seither zweckgebunden im Bayerischen Finanzministerium. Karin Lawall ist nicht enttäuscht. "Ich hoffe noch immer auf eine gute Zukunft für das Luitpoldbad und ich habe dabei ein gutes Gefühl", sagt sie.

Opulenter Bau


Dem Ansturm der Kurgäste auf Kissingen konnten die vorhandenen Badeanlagen um die Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr genügen. Die Staatskassen waren leer. So gründeten Kissinger Bürger 1865 die "Aktiengesellschaft des Badeetablissements in Kissingen". Den Architektenwettbewerb für den Bau eines "den Anforderungen des Kurorts Kissingen entsprechenden Bade-Etablissements mit Restaurationslokalitäten" unter der Jury-Leitung von Gottfried Semper gewann der Entwurf des Nürnberger Architekten Albert Geul. Nach dessen Plänen wurde 1871 eine Neurenaissance-Anlage von rund 100 auf 80 Metern auf dem rechten Saale-Ufer gegenüber dem Arkadenbau fertiggestellt. Drei Flügel umschlossen hufeisenförmig einen Innenhof. Pavillons prägen die Ecken und die Mitte der Längsseiten. Ein repräsentativer Kopfbau wurde zwischen die nördlichen Eckpavillons gesetzt, das Casino. Seit 1968 sind dort das Staatliche Spielcasino und ein Restaurant untergebracht. 1898 verkaufte die Aktiengesellschaft das Badehaus an den Bayerischen Staat. 1906 hieß der aufgestockte und erweiterte Badetempel Luitpoldbad nach Kissingens Wohltäter Prinzregent Luitpold. Ende 1992 wurde der Betrieb im Luitpoldbad eingestellt, nachdem es sich bei den (Moor-)Anwendungen noch zwölf Jahre mit dem 1980 in den Innenhof platzierten Bewegungsbad ergänzt hatte. Dieses Bad wurde aufgegeben , seit sich ab 2004 die KissSalis-Therme als Besuchermagnet erwies.
Neben der Suche nach Investoren steht der Bestandsschutz im Vordergrund.Pläne gab und gibt es viele, die Ruine wieder neu zu beleben: Die Ideen erstrecken sich über Vorschläge, in den Räumlichkeiten Gastronomie, Übernachtungsgelegenheiten, Galerien, eine Seniorenakademie, ein Behörden- und ein Kurgast-Zentrum einzurichten. "In zehn Jahren gab es zehn halbwegs ernsthafte Interessenten", sagt Harald Hümmer. "Die sind zunächst angetan von dem Gebäude und seiner Geschichte", sagt Hümmer. "Das Interesse lässt aber stark nach angesichts der Höhe der erforderlichen Investitionen in Sanierung und Renovierung." Diese würden erschwert durch Rücksichtnahme auf den Heilquellenschutz, die Lage im Überschwemmungsgebiet der Fränkischen Saale und durch den Bebauungsplan Sondergebiet Kur, der nur die dem Kuren nutzende Bebauung erlaubt.

Wie weiter?


Nun scheint es so, dass in absehbarer Zukunft der einstige Bade-Tempel zum Behördenzentrum mutieren könnte. Dazu muss allerdings eine Konfliktlinie überwunden werden, die zwischen der Stadt Bad Kissingen und dem Bayerischen Finanzministerium verläuft. Letzteres will für die Generalsanierung und Umgestaltung des Bades nur dann Mittel herausrücken, wenn die Stadt Geschäftsanteile des Freistaates an der Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen GmbH übernimmt. Diese Anteile sind natürlich defizitären Charakters. Für den Fall des Falles erwartet Horst Wolf, Sprecher des Finanzministeriums, für die Herrichtung des Luitpoldbades Kosten in Höhe von rund 22 Millionen Euro. Die Kosten für die bisherige Bestandssicherung mochte Wolf nicht beziffern, weil eine Vielzahl der Einzelpositionen auch mit der Schließung des Bewegungsbades oder mit der Aufrechterhaltung des Spielbetriebes der Staatlichen Spielbank zusammenhingen, wie Ministeriumssprecher Wolf mitteilte. Der Bad Kissinger Stadtrat beschloss unterdessen, im Hinblick auf die Modifizierung des "Bebauungsplans Sondergebiet Kur " die entsprechenden Maßnahmen anzugehen, damit die Generalsanierung des Luitpoldbades und die Nutzung als Behördenzentrum in Angriff genommen werden können. Spendensammlerin Karin Lawall missfällt die Aussicht auf ein Behördenzentrum im Luitpoldbad. "Da sollte etwas Schönes hinein, eine Galerie oder ein Spielzeugmuseum."