Jetzt ist es offiziell, das Luitpoldbad wird nicht verfallen. Der Freistaat Bayern wird dort ein Behördenzentrum einrichten. Das haben Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) und Bad Kissingens Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) noch 2011 ausgehandelt. Sie sind sich einig: "Das Staatsbad startet viel versprechend in das neue Jahr."
Blankenburg spricht von einer einer "Win-Win-Situation". Endlich gebe es eine klare Richtung, wo es mit dem Luitpoldbad hingehe. Pschierer nannte es in einer Presseerklärung "eine herausragende Immobilie im Zentrum des Kurgebiets". So bald der Landtag die eingeplanten Mittel frei gebe, "sollen die Bagger rollen". Die federführende Immobilien Freistaat Bayern sei, um keine Zeit zu verlieren, beauftragt worden, alle Vorbereitungen zu treffen. Sobald die baurechtlichen Voraussetzung vorlägen, sollen "möglichst umgehend" die aufwändigen Detailplanungen aufgenommen werden. Unter anderem ist die Kurzonensatzung anzupassen.

Das störende frühere Bewegungsbad in Mitten der Anlage soll als erstes fallen. Die Bauphase wird rund zwei Jahre dauern, 2016 oder etwas später soll das Vorhaben abgeschlossen sein. Die Kosten werden grob auf 21,5 Millionen Euro geschätzt.

"Entlastung für die Stadt"


Pschierer: "Es ist ganz wichtig, dass jetzt alle Beteiligte an einem Strang ziehen, um für eine zügige Umsetzung zu sorgen." Er habe sich mit OB Blankenburg auf den Beginn der Vorbereitungen verständigt. Noch in diesem Quartal soll die Stadt ihre Bauleitplanung modifizieren.

Unmittelbar im Anschluss werde der vom Stadtrat bereits behandelte geänderte Konsortialvertrag unterzeichnet. Danach wird die Stadt Bad Kissingen bis 2018 und nach Fertigstellung des Luitpoldbades ihre Anteile an der Staatsbad GmbH um 13 auf 53 Prozent aufstocken. Sie hat dann die Mehrheit in der Gesellschaft. Gleichzeitig wird die Geltungsdauer der Vereinbarung von 2018 bis 2025 verlängert. Hier haben sich Stadt und Freistaat verpflichtet, gemeinsam die Kuranlagen zu betreiben. Einvernehmlich werde, so Pschierer, die Verantwortung für das Staatsbad "in verträglichen Schritten" mehrheitlich "in kommunale Hände gelegt".

OB Blankenburg sagte, vieles sei überlegt worden. Die gefundene Lösung stelle sicher, dass das Luitpoldbad seinen alten Glanz zurück gewinne. Er sprach von einer langen Geschichte. Es sei gelungen, den Freistaat über 2018 hinaus im Boot zu behalten. Blankenburg ist überzeugt, dass die Stadt sich nicht finanziell überhebt. Mit Übernahme der Anteile steige die Belastung um 260.000 Euro pro Jahr. Es gebe aber noch Einsparmöglichkeiten. Er sprach von einer "definitiven Entlastung".

Kurdirektor Gunter Sauer wurde von der Meldung überrascht. Der Geschäftsführer der Staatsbad GmbH sagte, er begrüße die Einigung und den Umzug ins Luitpoldbad.
Die Idee, dort ein Behördenzentrum zu errichten, hatte der Landtagsabgeordnete Robert Kiesel (CSU) vor einigen Jahren. Zuvor waren andere Pläne wie der Bau eines Hotels , weil nicht finanzierbar, gescheitert. Kiesel sprach am Dienstag von einem ersten Schritt in die richtige Richtung. "Da müsste noch viel mehr geschehen", sagte er.

Das größte in Europa


1867 bis 1872 wurde das damals größte Badehaus Europas errichtet. Die beiden 100 Meter langen Seitenflügel boten Platz für 236 Badekabinen. Es liegt in einem 120.000 Quadratmeter großen Park. Die zunächst offene Nordseite wurde 1878 bis 1880 mit dem Luitpold-Casino geschlossen. Die Bürger verkauften die Immobilie 1889 an die Krone. 1905 wurde der Komplex nach dem Prinzregenten Luitpold benannt, der viel für die Stadt getan hat. Seit Ende der 70er Jahre steht er, mit Ausnahme der Spielbank und eines Restaurants, leer. Das Bewegungsbad wurde 2004 geschlossen. 1,1 Millionen Euro wollte der Freistaat 2009 als Eigentümer für einen Teilbereich mit 9600 Quadratmetern haben. Dieser Preis war nicht erzielbar. Eine Rolle mag auch gespielt haben, dass das denkmalgeschützte Bad in der Kurzone 1 liegt. Hier ist nur eine Nutzung möglich, die Kurzwecken nicht zuwider läuft. Das Grundstück ist frei von Belastungen und Altlasten. Einziehen sollen in den sanierten Bau die Staatsbad GmbH, das Vermessungs- und das Wasserwirtschaftsamt sowie die Außenstelle Bad Kissingen der Immobilien Freistaat Bayern. ed