Stangenroth

Acht Flieger haben überlebt

Geschichte   Holger Wörner aus Aura beschäftigt sich mit Flugzeugabstürzen in der Umgebung während des Zweiten Weltkriegs. Zum Absturz eines US-Bombers bei Stangenroth kann er noch einige Erkenntnisse beitragen.
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Der bei Stangenroth abgestürzte amerikanische B-17-Bomber  Fotos: Holger Wörner
Der bei Stangenroth abgestürzte amerikanische B-17-Bomber Fotos: Holger Wörner
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Bad Kissingen — Holger Wörner aus Aura an der Saale beschäftigt sich seit Jahren mit Flugzeugabstürzen in der näheren Umgebung. Darauf gekommen ist er, weil sein Vater bei zwei Abstürzen noch Zeuge war und ihm die Ereignisse geschildert hat. "Später wurden aber immer die tollsten Geschichten erzählt", sagt Wörner. Auch zum Absturz eines amerikanischen Bombers bei Stangenroth, über den am 26. August in der Zeitung unter dem Titel "Der Pilot bekam eine Ohrfeige", berichtet wurde, kann er noch einige Erkenntnisse beitragen.
Vor rund zehn Jahren begann Wörner mit der intensiven Erforschung und Dokumentation. Dank Internet ist das heute viel leichter.
Amerikanische Abstürze werden in den sogenannten MACR geführt (Missing Air Crew Report). Bei der Royal Air Force ist das viel schwieriger. Wörner hat aber guten Kontakt zu der Organisation Aircrewremembered. Er habe auch bereits zwei Absturzereignisse mit aufklären dürfen, nämlich bei Sulzthal und Neuwirtshaus, sagt Wörner. Erst kürzlich habe sich die Tochter des in Sulzthal abgestürzten 19-jährigen Bomberpiloten James Stanley gemeldet und Wörner nach jahrelanger Suche ein Bild zukommen lassen.

Absturz 1943

Zum Absturz von Stangenroth berichtet Wörner: Der Absturz fand nicht im vorletzten Kriegsjahr statt, sondern am 17. August 1943 beim Angriff der US Air Force auf die Kugellagerfabriken Schweinfurt (und Regensburg). Die Maschine war eine viermotorige B17-F Flying Fortress der 384th Bomber Group mit zehn Besatzungsmitgliedern. Kennnummer 42-30139; Spitzname Snuffy.
Es gibt dazu einen US-Absturzbericht (MACR 294), für den die Crew nach dem Kriege befragt wurde.
Der Bomber wurde von der Flak über Schweinfurt getroffen und verlor an Höhe. Die Me 110 war ein nicht all zu schneller schwerer Jäger und Nachtjäger, der dann angeschossene Flugzeuge aufspürte und ihnen den "Todesstoß" gab. Das verfolgende Flugzeug war in diesem Fall eine Messerschmitt Me 110 vom Nachtjagdgeschwader (NJG 101) aus Kitzingen, und deren Pilot war Feldwebel Christof Nagel, der kurz danach noch eine B17-F bei Elfershausen zur Landung zwang.
Im Bericht der US Airforce ist zu lesen, dass zwei Besatzungsmitglieder umgekommen sind, der Bombardier Victor T. Kelly und der Waist Gunner Richard F. Grover. Grover wurde am Bein über Schweinfurt schwer verletzt und später am Boden bei Stangenroth tot gefunden, da der Fallschirm sich nicht ganz öffnete. Zeugen vor Ort sprachen von einem toten Amerikaner mit Fallschirm am Baum, und auch die Crewmitglieder sahen den Toten.
Acht Personen haben überlebt, sind aber mit dem Fallschirm abgesprungen. Das heißt, zum eigentlichen Absturzzeitpunkt war eventuell nur noch ein Besatzungsmitglied in der Maschine, das vermutlich verbrannt ist, dieser war aber kein Pilot.
Richtig ist, dass ein Bauer auf dem Feld ein amerikanisches Crewmitglied geschlagen hat. Wie stark kann keiner sagen, damals gab es aber auch Übergriffe auf US-Piloten.
Es gibt aber auch Aussagen, dass das Flugzeug zweimal über Stangenroth flog. Richtig ist auch, dass das Flugzeug, wie angegeben, dort abgestürzt ist. Aber laut MACR-Bericht war der Pilot nicht mehr in der Maschine. Nach Zeugenaussagen war die Maschine auch in einem solchen Zustand, dass darin keiner eine Notlandung überlebt hätte.
Die toten Amerikaner wurden zunächst auf dem Friedhof begraben und später von den Amerikanern wieder ausgegraben und abgeholt. red







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