"Ekelhaft": Tedi entsetzt mit doppeldeutiger Werbung für Kinderwaren

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Der Discounter Tedi hat mit einer laut Kritikern "sexuell aufgeladenen" Kampagne für Empörung gesorgt. Besonders pikant: Die Plakate werben auch für Kinderspielzeug und - Schuhe.

Die Discounter-Kette Tedi steht nach einer Frühlingskampagne massiv in der Kritik. Der Vorwurf: Die verwendeten Werbesprüche sexualisieren Kinder und Frauen. Die Marketingaktion löste in sozialen Netzwerken eine Welle der Empörung aus.

Den Anstoß für die Debatte gab die bekannte Influencerin Carina Wohlleben. Ihr Instagram-Post zur Tedi-Kampagne "Frühlingsgefühle" erreichte innerhalb kürzester Zeit 35.000 Likes (Stand: 17. April 2026). Wohlleben dokumentiert dabei mehrere Werbematerialien aus Tedi-Filialen. 

"Mit Augenzwinkern": Tedi verteidigt Sprüche auf Plakaten für Spielzeug und Schuhe

Darunter befindet sich ein Plakat bei den Süßigkeiten mit Kinderspielzeug wie Schaukelpferd und Hot-Wheels-Auto. Dieses trug die Aufschrift "Damit rappelt's in der Kiste". Bei den Kinderschuhen prangte ein großer Sticker mit dem Slogan "Endlich wieder draußen rummachen". Eine Geschenkbox mit Kaninchen-Motiv warb mit "Reinstecken und beglücken", während Ostereier-Dekoration unter dem Motto "Mit den Bunnys auf Eiersuche" beworben wurde.

"Das Thema macht mich sehr wütend. Denn hier sehen wir zwei Dinge: Frauen und Kinder werden auf mehr oder weniger subtile Art seggsualisiert", schimpft Wohlleben (Anm. d. Red.: Eigenschreibweise). "Die Zeiten, in der wir sowas stillschweigend hinnehmen sollten, sind vorbei. Denn durch genau dieses Stillschweigen stehen wir da, wo wir stehen", erläutert sie ihre Kritik. Auf Anfrage der Hamburger Morgenpost  nahm das Unternehmen Stellung. Die Kampagne setze bewusst auf "humorvolle Wortspiele und aufmerksamkeitsstarke Botschaften", erklärte die Tedi-Pressestelle.

Ziel sei es, "den Alltag mit einem Augenzwinkern" zu betrachten und saisonale Produkte in den Mittelpunkt zu stellen, berichtet die MOPO. "Humor ist subjektiv, das wissen wir. Und manchmal landet er anders, als er gemeint war", heißt es weiter. Die verwendeten Wortspiele entstammten dem alltäglichen Sprachgebrauch und seien in anderen Kontexten unproblematisch. Zudem habe man "viele positive Nachrichten und Kommentare" erhalten, so Tedi laut MOPO.  Dass die Doppeldeutigkeiten "von Einzelnen als unangemessen empfunden wurden", sei "in keiner Weise beabsichtigt" gewesen, teilte Tedi mit. Diese Rückmeldungen nehme man ernst. Ob das Unternehmen konkrete Konsequenzen aus der Kritik ziehen wird, blieb zunächst offen.

"Abstoßend": Kinderarzt äußert sich deutlich zu Tedi-Werbung 

Die Online-Community zeigt sich in der Bewertung gespalten. Die meisten Nutzer teilen die Empörung: "Unfassbar!", "Geht gar nicht!! War bisher echt Fan von euch, aber sorry, das ist so ekelhaft und unsensibel. Kein bisschen Sexismus ist bei Kindersachen okay!", "Dieser 'Humor' bei Kindersachen ist einfach nicht zu tolerieren!", "Oh Gott, ist das ekelhaft", "Ich hab keine Worte" und "Es fängt nicht erst bei Deepfakes etc an, sondern bei genau solchen 'Witzen'!", heißt es unter anderem. Ein Kommentar bringt auf den Punkt, was viele stört: "Nichtmal versteckt sexistisch, sondern offen Kinder sexualisiert."

Andere Stimmen halten die Aufregung für überzogen: "Sorry, ich habe zwei Kinder und finde das alles etwas übertrieben", "Ein Kind würde sich dabei gar nichts denken, wenn man das vorliest oder das Kind schon selbst lesen kann" und "Wie gut muss es einem gehen, um so was zum Problem zu machen?", lauten Kommentare. Die Debatte wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo verläuft die Grenze zwischen harmlosem Wortwitz und problematischer Doppeldeutigkeit – besonders im Kontext von Kinderprodukten?

Der Kinderarzt Nibras Naami hat sich auf Instagram als Reaktion ebenfalls zu der Kampagne geäußert. Der Macher habe sich "ganz bewusst für eine sexuell aufgeladene Doppeldeutigkeit entschieden", so seine klare Analyse. In Bezug auf Kinderprodukte bewertet er dies als "abstoßend". Das Statement von Tedi, das mittlerweile auch bei Instagram veröffentlicht wurde, sei "verharmlosend", so Naamis Fazit. Er fordert Tedi auf, die Kampagne zu stoppen und appelliert an Kunden, öffentlich gegen derartige Werbung zu protestieren. Der Discounter steht aktuell nicht nur wegen der Werbung unter Druck - ein expandierender Konkurrent wirbelt gerade die ganze Branche um. 

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Vorschaubild: © Screenshot inFranken.de: vegan.wohl.leben/Instagram