Nationale Gasreserve geplant: Zahlen sollen die Kunden

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Niedrige Füllstände bei den Speichern für Gas bewegen die Öffentlichkeit. Damit soll 2027 endgültig Schluss sein: Das Energieministerium will eine strategische, nationale Gasreserve für Krisenzeiten aufbauen. Zahlen sollen die Gaskunden.

Was ist überhaupt eine Gasreserve und wie hoch ist der Anteil an den Kosten?

Die Bundesregierung will eine strategische, nationale Gasreserve für Krisenzeiten aufbauen. Nicht der Staat soll sie bezahlen, sondern die Gaskunden. Dafür hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), nach einer monatelangen Hängepartie, einen Gesetzentwurf für die Länder- und Verbändeanhörung vorgelegt. Wenn das Gesetz (Titel: Einführung einer Gasreserve zur Krisenvorsorge) 2027 von Bundestag und Bundesrat beschlossen wird, gibt es einen neuerlichen, allerdings einen kleinen Schub bei den Gaspreisen.

Beim Gas machen die Netzentgelte, dazu zählt zukünftig auch die strategische Gasreserve, für die Haushaltskunden laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aktuell etwa ein Fünftel des Preises aus. Private Haushalte müssen im kommenden Jahr mit steigenden Netzentgelten bei Gas rechnen. Immer mehr Kunden steigen auf Wärmepumpen um, dadurch verteilen sich die Netzkosten auf immer weniger Verbraucher. Hinzu kommt noch die Abgabe für die strategische Gasreserve.

Aber: "Die Steigerung der Gasnetzgebühren wird im Vergleich zu den explodierten Großhandelspreisen geringen Einfluss auf die Heizkostenentwicklung der Haushalte in Deutschland haben", erläuterte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck gegenüber der Bild-Zeitung die weiter steigenden Kosten bei Gas.

Wie lange reicht die Gasreserve?

Seine Prognose dürfte viele Gaskunden aufschrecken: "Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen, in denen die Gasversorger die höheren Beschaffungskosten an ihre Kunden weitergeben. Sie werden sich je nach aktuellem Tarif zwischen 10 und 20 Prozent bewegen." Der Grund sind gestiegene Großhandelspreise infolge des Iran-Kriegs.

Zurück zur strategischen Gasreserve. Sie soll einen Umfang von 24 Terawattstunden (TWh) Erdgas erreichen und damit rund zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität umfassen. 24 THW sind 24 Milliarden Kilowattstunden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) dient die Reserve ausschließlich der Absicherung außergewöhnlicher Krisensituationen, etwa bei Ausfällen wichtiger Importinfrastruktur, Sabotageakten oder anderen gravierenden Störungen der Gasversorgung.

Konkret heißt es im Gesetzentwurf, dass die Gasreserve im Krisenfall den Ausfall der wichtigsten deutschen Importinfrastruktur für 30 Tage abdeckt. Beim Ausbleiben sämtlicher norwegischer Pipelineimporte würde die Gasreserve für 20 Tage reichen und 40 Tage bei Ausfall der deutschen LNG-Terminals. Die Reservekapazitäten dürfen ausschließlich nach Ausrufung der Notfallstufe durch die Bundesnetzagentur eingesetzt werden, die dann auch über die Nutzung entscheidet.

Wer bezahlt die Gasreserve?

Die Kosten für Aufbau und Vorhaltung der Gasreserve sollen über eine neue Umlage auf den Gasverbrauch finanziert werden. Das BMWE beziffert diese auf 0,29 bis 0,36 Euro je Megawattstunde. 

Die jährlichen Gesamtkosten der Gasreserve für Gasbeschaffung, Speicherkapazitäten, Finanzierung, Transport und Verwaltung werden in den ersten zehn Jahren auf 250 bis 310 Mio. Euro geschätzt.

Die Mehrkosten durch die Umlage werden im Entwurf für typische Haushalte auf 3,77 bis 7,20 Euro im Jahr geschätzt. Für einen Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden wären es rechnerisch 5,80 bis 7,20 Euro. Das entspricht einer Umlage von 0,03 bis 0,04 Cent pro Kilowattstunde.

Wie sind Reaktionen auf die Gasreserve?

Da die strategische Gasreserve die bisherige Gasspeicherumlage ablöst, die bis Ende 2025 ebenfalls die Gaskunden zahlen mussten, hält sich der Zorn der Grünen in Grenzen. Der Grünen-Politiker und energiepolitische Sprecher Michael Keller begrüßt das Vorhaben und den Finanzierungsweg. "Die Umlagefinanzierung ist richtig", sagte er der Presseagentur Reuters. "Gut, dass jetzt Bewegung reinkommt. Allerdings kommt die Reserve für dieses Jahr zu spät."

2026 übernahm der Bundeshaushalt die Kosten für die Gasspeicherumlage. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh war bisher eine Umlage von 58 Euro pro Jahr fällig. Nach Angaben des Ministeriums liegt die geplante Umlage für die Gasreserve bei etwa einem Zehntel der Ende 2025 ausgelaufenen Gasspeicherumlage. Bei diesen Aussagen ist allerdings Vorsicht geboten. Denn das Ministerium sagt selbst: "Die Höhe ist dabei zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu prognostizieren."

Grundsätzlicher ist die Kritik von Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag: "Wenn die Ministerin den erfolgreichen grünen Weg des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Heizen und Autofahren konsequent fortgesetzt hätte, dann müsste Deutschland jetzt weniger teures Gas einspeichern", sagt sie laut dem Onlinemagazin Cleanthinking.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Gasreserve kommt ab 2027: Das müssen Gaskunden wissen

  • Neues Gesetz: Das Bundeswirtschaftsministerium plant ab 2027 eine nationale Gasreserve von 24 Terawattstunden (TWh), um Deutschland gegen Lieferausfälle oder Sabotage abzusichern.
  • Krisenpuffer: Die Reserve sichert die Gasversorgung im Notfall für 20 Tage (bei Ausfall norwegischer Pipelines) bis 40 Tage (bei LNG-Ausfall).
  • Neue Umlage ab Oktober 2027: Die Kosten tragen die Verbraucher. Mit voraussichtlich 5,80 bis 7,20 Euro pro Jahr (bei 20.000 kWh Verbrauch) fällt die Umlage deutlich geringer aus als die Ende 2025 ausgelaufene Speicherumlage (ca. 58 Euro/Jahr).
  • Preisanstieg droht trotzdem: Unabhängig von der Umlage erwarten Experten kurzfristige Preissteigerungen von 10 bis 20 Prozent wegen gestiegener Großhandelspreise.
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