Eine aktuelle Untersuchung in Europas größten Geflügelschlachtereien deckt auf, in wie vielen Geflügelprodukten sich antibiotikaresistente Keime befinden. Das "Nationale Referenzzentrum für gramnegative Krankenhauserreger" der "Ruhr-Universität" in Bochum das diese durchgeführt. Auftraggeber waren die Organisationen "Germanwatch" und "Ärzte gegen Massentierhaltung".

Das Ergebnis: Jedes zweite Billig-Hühnchen war belastet. Zudem wurden in jedem dritten untersuchten Tier Erreger gefunden, die unter anderem gegen sogenannte "Reserveantibiotika" resistent sind. Dabei handelt es sich um Notfallmedikamente, die in Kliniken und Krankenhäusern eingesetzt werden, sobald herkömmliche Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen. 

Von Aldi und Lidl: Discounter-Hühnchen oftmals belastet

Reinhild Benning, Autorin der Studie und Agrarexpertin bei "Germanwatch" sagt dazu: "Das sind alarmierende Ergebnisse." Das berichtet die Welt. Bereits im Jahr 2017 gab es eine Untersuchung zu gefährlichen Keimen in Geflügel. 

Insgesamt wurden 165 Proben untersucht, die von den Discountern "Aldi" und "Lidl" in Frankreich, Polen und Deutschland sowie aus Schlachthof-Werksverkäufen stammen. Konkret ging es dabei um Fleisch der drei größten Geflügel-Produzenten Europas: der "PHW"-Gruppe aus Deutschland, dem "Plukon"-Konzern aus den Niederlanden und der "LDC"-Gruppe aus Frankreich. 

Am höchsten war die Kontaminationsrate laut Studie in den Proben der "PHW"-Gruppe. In 32 von 54 Produkten waren die resistenten Keime zu finden, das entspricht einer Quote von 59 Prozent. Zu den Marken des Herstellers zählen unter anderem "Wiesenhof" und "Bruzzler". Aber auch bei dem französischen Konzern "LDC" lag die Rate der kontaminierten Hähnchen bei 57 Prozent. "Plukon" aus den Niederlanden wies einen Wert von 36 Prozent auf. 

Resistent gegen Antibiotika: Tausende Todesfälle jährlich

Dass es sich bei der Studie nicht um eine repräsentative Untersuchung handle, sei den Initiatoren klar gewesen, heißt es im Bericht der Welt: Das sei jedoch auch nicht der Anspruch. Stattdessen habe man auf die Missstände im System der Geflügelproduktion in Europa aufmerksam machen wollen. Immer noch würden zu viele Antibiotika in der Massenzucht eingesetzt, heißt es weiter. 

Resistent gegen Antibiotika zu sein, stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Rund 33.000 Patienten sterben jedes Jahr in Europa, da Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen - rund 2500 davon in Deutschland. 

Mit resistenten Keimen in Kontakt zu kommen, sei beispielsweise bei der Zubereitung des Fleisches möglich, beispielsweise bei leichten Verletzungen durch Küchenmesser. Der "Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft" verweist gegenüber der Welt auf die gängigen Hygieneregeln, um das Risiko zu minimieren.

"Germanwatch" fordert indes, dass in Zukunft komplett auf den Einsatz von Reserveantiobiotika in der Geflügelwirtschaft verzichtet wird. Dies könnte schon bald Realität werden, da die Europäische Union bereits über ein solches Verbot diskutiert.