• Die Anzahl der E-Autos nimmt zu
  • In Großbritannien werden erste Einschränkungen eingeführt - was steckt dahinter?
  • Wie sieht es in Deutschland und anderen Ländern aus?

Die Anzahl der zugelassenen Elektrofahrzeuge nimmt zu. Waren es 2012 noch knapp 200.000 Fahrzeuge, so hat sich die Zahl mittlerweile fast verfünfzigfacht auf fast elf Millionen im Jahr 2020. In Deutschland sind es circa 517.000 Fahrzeuge, die rein elektrisch betrieben werden. Die jetzige Regierung plant, dass bis zum Jahr 2030 sieben bis zehn Millionen E-Autos zugelassen sein sollen. All diese Fahrzeuge benötigen Ladestrom. Dazu muss die benötigte Infrastruktur geschaffen und das Stromnetz für diese Belastung ausgelegt werden. Besteht die Gefahr, dass das Stromnetz zusammenbricht, wenn gleichzeitig zu viele Fahrzeuge an den Ladestationen aufgeladen werden? Oder verkraftet das Netz diese Mengen problemlos?

Ladezeiten in Großbritannien eingeschränkt: Was steckt wirklich dahinter?

Die zunehmende Zahl an Elektrofahrzeugen belastet natürlich auch die Stromnetze. Es ist vergleichbar mit einer Wohnung. Je mehr Geräte auf einmal in Betrieb genommen werden, desto mehr Strom wird verbraucht, bis der Punkt erreicht ist, an dem die Sicherung auslöst. So ähnlich ist es auch mit dem Stromnetz. Je mehr Verbraucher eingeschaltet sind, desto mehr Energie wird gebraucht.

So ähnlich könnte es auch sein, wenn plötzlich mehrere Millionen Fahrzeuge gleichzeitig an die Ladestationen gehen - der Stromverbrauch schnellt in die Höhe. Eine private Ladestation hat im Schnitt eine Leistung zwischen 11 und 22 kW. Das ist mehr, als sonst in einem normalen Haushalt verbraucht wird. Hier sind die größten Verbraucher Herd und Backofen oder eine elektrische Sauna mit 8 kW, diese sind allerdings immer nur recht kurz in Betrieb, eine Ladestation meist über mehrere Stunden. Wenn nun viele dieser Stationen in einem Abschnitt gleichzeitig ans Netz gehen, wird dieses sehr stark belastet. Und dann geschieht das, was man aus dem Haushalt kennt: Wird die Belastungsgrenze überschritten, schaltet sich das Netz dort ab und alles wird dunkel.

Um dies zu vermeiden, wurde in Großbritannien bereits ein Gesetz erlassen, um dem vorzubeugen. Doch was steht wirklich in diesem Gesetz? Ist es so, dass es für Fahrer*innen der E-Autos in bestimmten Zeiten unmöglich ist, zu Hause oder am Arbeitsplatz sein Fahrzeug aufzuladen? In der Tat ist es so, dass nach dem Willen der Regierung private oder sich am Arbeitsplatz befindliche Ladestationen in der Zeit von 8 Uhr bis 11 Uhr am Morgen und von 16 bis 22 Uhr abgeschaltet werden müssen. Dies betrifft allerdings nur neue Ladestationen, die dementsprechend ausgerüstet sein müssen, um diese Abschaltung zu ermöglichen. Doch keine Regel ohne Ausnahmen: denn es ist möglich, die Sperre aufzuheben. Damit soll den Fahrer*innen, deren Tagesablauf so gestaltet ist, dass sie diese Zeiten nutzen müssen, die Gelegenheit zum Aufladen gegeben werden. 

Deutschland: Droht auch uns ein ähnliches Szenario?

Zusätzlich zu den beschränkten Ladezeiten sind sogenannte "randomised days" vorgesehen. Das bedeutet, die britische Regierung behält sich das Recht vor, an bestimmten Tagen die Stromzufuhr in überlasteten Gebieten für Ladestationen für jeweils 30 Minuten zu unterbrechen.

Allerdings geht man generell nicht von einem Blackout aus, diese Maßnahmen wären nur eine Vorsichtsmaßnahme, um genau diesen zu verhindern. Bis dato soll damit also nur punktuell dafür gesorgt werden, dass das Stromnetz nicht zusammenbricht, wenn zu viele gleichzeitig ihre Fahrzeuge laden.

Wie sieht es in Deutschland aus? Vor den Wahlen wurde bereits darüber diskutiert, ob man ein ähnliches Ladeverbot auch hier einführen könnte. Dies wurde nicht weiter verfolgt. Allerdings ist damit zu rechnen, dass dieses Thema noch in dieser Legislaturperiode wieder diskutiert wird. 

 

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war die Überschrift irreführend formuliert. Es konnte der Eindruck entstehen, dass in Großbritannien E-Autos generell keinen Strom mehr erhalten und E-Mobilität eine akute Gefahr für die Stromnetze darstellt. Dem ist nicht so. Wir haben die Überschrift dahingehend korrigiert, um zu vermeiden, dass irreführende Informationen zu E-Autos und deren Auswirkung auf die Stromnetze verbreitet werden. Auch die Maßnahmen der britischen Regierung sind nun in der Überschrift korrekt dargestellt. Wir entschuldigen uns für den vorangegangenen Fehler in der Formulierung. (gez. Io Görz, Chefredakteur*in)