Porto könnte 2027 kräftig steigen: So teuer wird der Brief

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Die Bundesnetzagentur plant eine Rekord-Portoerhöhung: Briefe könnten 2027 um über 20 Prozent teurer werden. Auch Pakete sind betroffen.

Das Briefporto in Deutschland soll erneut steigen, und zwar so kräftig wie nie zuvor – die Ein-Euro-Marke wird wohl erstmals fallen. Die Bundesnetzagentur hat am Montag, 12. Oktober 2026, in Bonn ihren Plan veröffentlicht, wonach die Gebühr für die Briefzustellung zum Januar 2027 im Schnitt um gut 20 Prozent steigen kann. Pakete dürften ebenfalls spürbar teurer werden.

Rekord-Preissprung bei Porto möglich: Was ein Brief ab Januar 2027 kosten könnte

Im Mittelpunkt der Planungen steht der sogenannte Preis-Erhöhungsspielraum. Dieses regulatorische Instrument legt fest, um wie viel Prozent die Deutsche Post ihre Produkte im Durchschnitt verteuern darf. Der jetzt veröffentlichte Wert von 20,35 Prozent ist zunächst ein Entwurf der Bundesnetzagentur.

Doch die bisherige Erfahrung zeigt: Den von der Behörde eingeräumten Spielraum hat der Konzern in der Vergangenheit stets voll ausgeschöpft, zuletzt 2025 mit 10,48 Prozent Preiserhöhung als bisherigem Höchstwert. Welche einzelne Briefart dann konkret wie teuer wird, entscheidet die Post anschließend selbst – sie muss dabei lediglich im Durchschnitt aller Briefsendungen innerhalb des genehmigten Rahmens bleiben.

Laut Tagesschau.de würde ein gleichmäßig auf alle Briefarten angewandter Aufschlag den Standardbrief erstmals über die symbolträchtige Ein-Euro-Marke heben – auf rechnerisch 1,14 Euro. "Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise", erklärte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, zur Begründung. Wie die Post den Spielraum tatsächlich verteilen wird, bleibt abzuwarten. Möglich sind verschiedene Szenarien:

  • Szenario 1 – Gleichmäßige Verteilung: Würde die Post die theoretisch mögliche Erhöhung von 20,35 Prozent gleichmäßig auf alle Briefarten anwenden, läge der Standardbrief (bis 20 Gramm) ab Januar 2027 bei rechnerisch 1,14 Euro statt der aktuellen 95 Cent.
  • Szenario 2 – Fünf-Cent-Schritte: Erfahrungsgemäß rundet die Post gerne auf glatte Beträge. Bei Fünf-Cent-Schritten wären somit 1,10 Euro oder 1,15 Euro für den Standardbrief denkbar.
  • Szenario 3 – Unterschiedliche Staffelung: Die Post könnte den Standardbrief auch moderat anheben (zum Beispiel auf 1,10 Euro) und dafür bei anderen Briefarten wie Kompakt-, Groß- oder Maxibriefen stärker zuschlagen, um den Durchschnittswert von 20,35 Prozent zu erreichen.

Chronik: So entwickelten sich die Briefpreise seit 2000

Ein Blick auf die Entwicklung der Portopreise seit der Jahrtausendwende zeigt, dass die Post gerade in den vergangenen zehn Jahren gerne an der Preisschraube dreht. Zwischen 2003 und 2012 blieb der Standardbrief unverändert bei 55 Cent, seit 2013 steigt er in Stufen. Die einzige Senkung erfolgte 2002 durch die Rundung im Zuge der Euro-Einführung auf 55 Cent, wie das Verbrauchermagazin Dr. Web dokumentiert hat. Gegenüber 2003 kostet der Standardbrief heute rund 73 Prozent mehr. Wer es beim Briefversand besonders eilig hat, kann zwar einen Prio-Brief versenden, doch dieser fristet ein Nischendasein und wurde durch die seit 2025 geltende Mehrwertsteuerpflicht deutlich teurer.

  • 2000: Briefporto bei 110 Pfennig, parallel 56 Cent (Doppelwährung)
  • 2002: Euro-Umstellung, Abrundung von 56 auf 55 Cent – die einzige Portosenkung der jüngeren Geschichte
  • 2003 bis 2012: 55 Cent, unverändert über neun Jahre – die längste Stabilitätsphase
  • 2016: 70 Cent (plus acht Cent gegenüber 2015)
  • 2019: 80 Cent (plus zehn Cent) – laut T-Online der größte Einzelsprung bis dahin
  • 2022: 85 Cent (plus fünf Cent), Bundesnetzagentur-Spielraum für 2022 bis 2024 bei 4,6 Prozent
  • 2025: 95 Cent (plus zehn Cent, rund zwölf Prozent) – Prio-Brief, Einschreiben Eigenhändig und Nachnahme entfallen
  • 2026: 95 Cent (unverändert)
  • 2027 (geplant): rechnerisch 1,14 Euro bei gleichmäßiger Anwendung des Erhöhungsspielraums von 20,35 Prozent

Schrumpfende Briefmengen treiben Porto nach oben

Hauptauslöser für die Entwicklung ist der digitale Wandel. Im Jahr 2005 gingen in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen auf den Weg, 2025 waren es knapp 9,4 Milliarden. Firmen und Verbraucher setzen zunehmend auf E-Mails und Chatnachrichten. Auch gegenüber MDR Aktuell gibt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller "die stark abnehmenden Briefmengen" als wesentlichen Grund für das steigende Porto an. Laut dem Portal Dr. Web muss die Post zugleich ein großes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellkräften unterhalten, dessen Kosten sich nun auf immer weniger Sendungen verteilen.

Allerdings ist der Preis für das Versenden eines Standardbriefs mit einem Gewicht von bis zu 20 Gramm aus Deutschland mit aktuell 95 Cent im europäischen Vergleich noch relativ günstig. In Österreich kostet der Briefversand bereits einen Euro, in Italien 1,25 Euro. Noch teurer sind die westlichen Nachbarländer Belgien (1,37 Euro), Niederlande (1,40 Euro) und Frankreich (1,52 Euro). Lediglich in östlichen EU-Staaten wie Polen (circa 0,85 Euro) oder Tschechien ist der Briefversand noch günstiger als in Deutschland – allerdings bei deutlich niedrigeren Lohnkosten, wie Dr. Web erläutert.  Selbst nach der geplanten Erhöhung auf rechnerisch 1,14 Euro läge Deutschland laut Tagesschau.de noch unter dem europäischen Durchschnitt von 1,33 Euro. 

Ein Extrembeispiel liefern die Niederlande: Dort ist die Briefmenge binnen 20 Jahren laut Onvista um 70 Prozent eingebrochen. Als Reaktion darauf kletterte das Porto für einen Standardbrief auf mittlerweile 1,40 Euro – deutlich mehr als in Deutschland selbst nach der geplanten Erhöhung. In Dänemark ging man noch einen Schritt weiter: Der reguläre Briefversand für Privatkunden wurde dort faktisch abgeschafft und durch digitale Lösungen ersetzt. 

Auch Pakete und Geschäftspost werden teurer

Die geplante Preiserhöhung betrifft nicht nur Briefe von Privatkunden. Auch bei Paketen und Geschäftskundensendungen könnte die Deutsche Post die Gebühren erhöhen – in manchen Bereichen sogar stärker als beim Briefporto.

Pakete für Privatkunden: Dem Technikmagazin T3n zufolge können die Preise um 10,72 Prozent steigen. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Erhöhungsrunde 2024, als der Spielraum bei 7,21 Prozent lag. Ein Zwei-Kilogramm-Paket, das aktuell 6,19 Euro kostet, würde bei voller Ausschöpfung des Rahmens auf rund 6,85 Euro steigen. Seit Januar 2025 gelten zudem neue Regeln: Pakete über zehn Kilogramm müssen mit einer Gewichtsangabe versehen werden, um Beschäftigte der Branche zu schützen.

Geschäftskundenbriefe: Hier schlägt die Bundesnetzagentur mit 20,35 Prozent denselben Erhöhungsspielraum vor wie bei Privatkundenbriefen. Das ist besonders bedeutsam, denn rund 85 Prozent des gesamten Briefgeschäfts entfallen auf Sendungen von Firmen und Behörden – vom Behördenbescheid über Rechnungen bis hin zu Werbemailings. Die geplanten Vorgaben gelten jeweils für die Jahre 2027 und 2028.

Zur Begründung verweist die Post laut dem Berliner Tagesspiegel auf deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Material. Gleichzeitig räumt der Bonner Konzern aber ein, "dass zu große Preissteigerungen für Kundinnen und Kunden Belastungen darstellen und die Briefmengen weiter unter Druck setzen könnten". Was konkret bedeutet: Höhere Preise könnten dazu führen, dass noch mehr Kunden auf digitale Alternativen ausweichen – was wiederum die Kostenstruktur verschärft.

Bis Ende Oktober 2026 können Post, Wettbewerber und Verbraucherschützer Stellung zum Entwurf der Bundesnetzagentur nehmen, im November fällt voraussichtlich die endgültige Entscheidung.

Vorschaubild: © Marijan Murat/dpa