Schrumpfende Briefmengen treiben Porto nach oben
Hauptauslöser für die Entwicklung ist der digitale Wandel. Im Jahr 2005 gingen in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen auf den Weg, 2025 waren es knapp 9,4 Milliarden. Firmen und Verbraucher setzen zunehmend auf E-Mails und Chatnachrichten. Auch gegenüber MDR Aktuell gibt Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller "die stark abnehmenden Briefmengen" als wesentlichen Grund für das steigende Porto an. Laut dem Portal Dr. Web muss die Post zugleich ein großes Netz aus Briefkästen, Filialen und Zustellkräften unterhalten, dessen Kosten sich nun auf immer weniger Sendungen verteilen.
Allerdings ist der Preis für das Versenden eines Standardbriefs mit einem Gewicht von bis zu 20 Gramm aus Deutschland mit aktuell 95 Cent im europäischen Vergleich noch relativ günstig. In Österreich kostet der Briefversand bereits einen Euro, in Italien 1,25 Euro. Noch teurer sind die westlichen Nachbarländer Belgien (1,37 Euro), Niederlande (1,40 Euro) und Frankreich (1,52 Euro). Lediglich in östlichen EU-Staaten wie Polen (circa 0,85 Euro) oder Tschechien ist der Briefversand noch günstiger als in Deutschland – allerdings bei deutlich niedrigeren Lohnkosten, wie Dr. Web erläutert. Selbst nach der geplanten Erhöhung auf rechnerisch 1,14 Euro läge Deutschland laut Tagesschau.de noch unter dem europäischen Durchschnitt von 1,33 Euro.
Ein Extrembeispiel liefern die Niederlande: Dort ist die Briefmenge binnen 20 Jahren laut Onvista um 70 Prozent eingebrochen. Als Reaktion darauf kletterte das Porto für einen Standardbrief auf mittlerweile 1,40 Euro – deutlich mehr als in Deutschland selbst nach der geplanten Erhöhung. In Dänemark ging man noch einen Schritt weiter: Der reguläre Briefversand für Privatkunden wurde dort faktisch abgeschafft und durch digitale Lösungen ersetzt.
Auch Pakete und Geschäftspost werden teurer
Die geplante Preiserhöhung betrifft nicht nur Briefe von Privatkunden. Auch bei Paketen und Geschäftskundensendungen könnte die Deutsche Post die Gebühren erhöhen – in manchen Bereichen sogar stärker als beim Briefporto.
Pakete für Privatkunden: Dem Technikmagazin T3n zufolge können die Preise um 10,72 Prozent steigen. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Erhöhungsrunde 2024, als der Spielraum bei 7,21 Prozent lag. Ein Zwei-Kilogramm-Paket, das aktuell 6,19 Euro kostet, würde bei voller Ausschöpfung des Rahmens auf rund 6,85 Euro steigen. Seit Januar 2025 gelten zudem neue Regeln: Pakete über zehn Kilogramm müssen mit einer Gewichtsangabe versehen werden, um Beschäftigte der Branche zu schützen.
Geschäftskundenbriefe: Hier schlägt die Bundesnetzagentur mit 20,35 Prozent denselben Erhöhungsspielraum vor wie bei Privatkundenbriefen. Das ist besonders bedeutsam, denn rund 85 Prozent des gesamten Briefgeschäfts entfallen auf Sendungen von Firmen und Behörden – vom Behördenbescheid über Rechnungen bis hin zu Werbemailings. Die geplanten Vorgaben gelten jeweils für die Jahre 2027 und 2028.
Zur Begründung verweist die Post laut dem Berliner Tagesspiegel auf deutlich gestiegene Kosten für Löhne, Energie und Material. Gleichzeitig räumt der Bonner Konzern aber ein, "dass zu große Preissteigerungen für Kundinnen und Kunden Belastungen darstellen und die Briefmengen weiter unter Druck setzen könnten". Was konkret bedeutet: Höhere Preise könnten dazu führen, dass noch mehr Kunden auf digitale Alternativen ausweichen – was wiederum die Kostenstruktur verschärft.
Bis Ende Oktober 2026 können Post, Wettbewerber und Verbraucherschützer Stellung zum Entwurf der Bundesnetzagentur nehmen, im November fällt voraussichtlich die endgültige Entscheidung.
Vorschaubild: © Marijan Murat/dpa