• Welche Tricks die Lebensmittelindustrie anwendet
  • Was ist noch legal?
  • Worauf musst du achten?

Egal ob Brot, Käse, Wurst, Marmelade: Lebensmittel braucht jeder. Gut schmecken sollen sie. Und preiswert sein. Und am besten auch gesund. Doch wie sieht die Wahrheit aus? Was steckt wirklich in den Dingen, die du in den Einkaufswagen legst? Und ... ist das überhaupt erlaubt? Denn nicht nur bei den Verpackungen, sondern auch beim Inhalt selber wird kräftig gemogelt.

Was so alles in unseren Lebensmitteln enthalten ist

Die Fragen sind bereits berechtigt, wenn du einen Blick auf die Inhaltsstoffe wirfst, die auf den Verpackungen aufgedruckt sind. Doch viel wichtiger ist das, was nicht draufsteht und was bei der Zusammensetzung tatsächlich erlaubt ist. So muss zum Beispiel Schokoladenpudding nur zu einem Prozent aus Kakao bestehen. Oder ein Schinkenbrot muss nicht einmal Schinken enthalten, der Geschmack kommt von Aromen. Das ist erlaubt. Ein weiteres Beispiel? Mayonnaise ist ein adäquater Wurstersatz, findet die Lebensmittelkommission, zumindest im Wurstsalat. Wird dieser mit Essig und Öl zubereitet, so muss der Wurstanteil mindestens 50 Prozent betragen. Wird er aber mit Mayonnaise hergestellt, sinkt der Wurstanteil auf 25 Prozent. Und fertiger Kartoffelsalat? Es müssen Kartoffeln enthalten sein. Doch nach den geltenden Regeln sind dann, wenn in der "Verkehrsbezeichnung" in Verbindung mit dem Wort Salat auf eine oder mehrere Zutaten hingewiesen wird, diese Zutaten auch zu mindestens 20 Prozent enthalten. Das bedeutet: Bei 100 Gramm Kartoffelsalat aus der Plastikdose sind 20 Gramm Kartoffeln. Der Rest? Alles, was erlaubt ist.

Doch nicht nur bei der Zusammensetzung wird gemogelt, auch bei der Herstellung selbst. Beispiel Brot: Im Jahr 2020 kauften die privaten Haushalte mehr als 1,6 Millionen Tonnen Brot. Das entspricht in etwa einer Menge von 38 kg je Käuferhaushalt. Allerdings sank die Zahl der Bäckereien von über 13.000 im Jahr 213 auf knapp 10.000 im Jahr 2020. Vieles kommt mittlerweile aus den Brotfabriken. Und hier wird es dann wieder spannend, denn die Vorstellung, dass dort, wie beim heimischen Bäcker, die Brote frisch gebacken und duftend aus dem Ofen kommen, ist oft leider falsch. Denn (Zitat): "Brot wird (...) in der Regel durch Kneten, Formen, Lockern, Backen oder Heißextrudieren des Brotteiges hergestellt", besagen die Leitsätze für Brot und Kleingebäck in der Lebensmittelindustrie. Heißextrudieren bedeutet, dass der Teig maschinell erhitzt, gerührt und unter hohem Druck aus einer Maschine gepresst wird. 

Auf den Verpackungen findest du die Zutatenliste. Hier kannst du ablesen, was drin ist. Doch hier lauern Fallstricke. Zum einen sind die Hinweise meist auf der Rückseite und dann auch so klein, dass du sie kaum lesen kannst. Und dann sind den Bezeichnungen keine Grenzen gesetzt. Weißt du, was ein "Erdbeertraum", das vollmundig vorne auf der Verpackung steht, ist? Erst die Bezeichnung "Milchmischgetränk aus Magermilch mit Erdbeergeschmack" sagt dir, was du da kaufst. Doch Moment: Erdbeergeschmack? Das bedeutet nichts anderes als, dass generell nicht einmal Erdbeeren enthalten sein müssen, der Geschmack kann durch künstliche Aromen entstehen.

Aufklärung durch Zutatenverzeichnis: Was ist wirklich drin?

Genaue Aufklärung darüber erhältst du über das Zutatenverzeichnis. Hier müssen alle Zutaten, bis auf einige Ausnahmen, in der absteigenden Reihenfolge des Gewichtes angegeben werden. Wichtig ist das vor allem für Allergiker, die bestimmte Inhaltsstoffe vermeiden müssen. Kritisch sind hier aber auch die Angaben über das mögliche Vorhandensein von Zucker.

Denn Zucker ist nicht gleich Zucker. Die Industrie kennt mehr als 70 Namen oder Stoffe, hinter denen sich Zucker verstecken kann. Achte dabei auf die Zutatenliste. So sind zum Beispiel Dextrin, Dextrose, Dicksaft, Fruktose, Gerstenmalz oder Maltose sowie viele andere mehr nichts anderes als Zucker. Schau dir noch einmal deinen "Erdbeertraum" an. Hier wirst du auf dem Etikett Hinweise auf mögliche Aromen finden. Und auch hier gibt es Unterschiede. Steht dort nur "Aroma", so ist es rein chemisch, also aus dem Labor. Das bedeutet, dass dein Erdbeertraum nur von Erdbeeren geträumt hat.

"Natürliches Aroma" oder "natürlicher Aromastoff" heißt, der Geschmack kommt von einem natürlichen Rohstoff, der allerdings nicht unbedingt aus einem Lebensmittel stammen muss. Das können pflanzliche oder tierische Ausgangsstoffe sein oder die Aromen werden mittels Mikroorganismen wie Schimmelpilze gewonnen. Auch gentechnologische Verfahren sind möglich. Nur wenn es "natürliches Erdbeeraroma" heißt, dann muss dieses zu mindestens 95 Prozent aus Erdbeeren stammen, oder eben aus entsprechend den Früchten, die angegeben werden. 

Noch mehr Mogeleien

Du isst gerne Pizza? Mit Schinken, Salami und jeder Menge Käse? Aus der Gefriertruhe kommt sie in den Ofen und fertig. Auch hier gilt: Ein Blick auf die Zutatenliste hilft dir zu erkennen, was du bekommst. Steht dort "Formfleischschinken", so klingt das natürlich besser als gepresste Fleischfasern, denn nichts anderes befindet sich dann auf der Pizza. Ähnliches gilt für Fisch: Hier werden einzelne Teile mittels Lebensmittelenzymen zu Stücken geformt. Und Käse ist auch nicht unbedingt Käse. Allerdings muss hier deutlich gekennzeichnet werden. Oft wird bei Pizza oder Käsestangen "Analogkäse" verwendet. Dieses Käseimitat besteht aus pflanzlichen Ölen oder Fetten und ist billiger als echter Käse. Auf der Verpackung der Pizza muss in der Nähe des Namens bereits darauf hingewiesen werden: "Mit einem Belag aus Pflanzenfett." 

All dies ist nicht bedenklich und auch erlaubt. Die meisten Hersteller halten sich auch an die Regeln und kennzeichnen entsprechend. Doch gibt es auch Inhaltsstoffe, auf die du gerne verzichten möchtest und die nicht aufgeführt werden müssen. Bei jedem Herstellungsprozess, egal wie hygienisch er sein mag, gelangen Stoffe in das Produkt, die man nicht haben möchte. Oft ist es nicht möglich, sie restlos zu entfernen. Hier sind dann beschränkte Mengen erlaubt. Die häufigsten Schadstoffe sind:

  • Pestizide
  • Schwermetalle
  • Nitrate (in grünem Blattgemüse)
  • Aflatoxine, durch Schimmelpilze hergestellt (in Nüssen und Milch)
  • Wachstumsfördernde Hormone (in Milchprodukten und Fleisch)

Tierhaare und Insektenanteile möglich

Und jetzt wird es ein wenig eklig: In Nahrungsmitteln können Tierhaare, Tierausscheidungen und Insektenteile in so kleinen Mengen enthalten sein, dass eine Entfernung nicht möglich ist. Diese können bei der Ernte der Rohstoffe hineingelangen, aber auch während der Lagerung und Produktion. Besonders betroffen sind hier Gewürze und Kakao. Gewürze sind Pflanzenmaterial, dies wird getrocknet, liegt überwiegend in den Herstellerländern offen. Ergo haben Insekten leichtes Spiel, dort Eier zu legen oder aber auch ihre Hüllen. Wenn dann die Gewürze gemahlen werden, werden auch die "Überreste" mit gemahlen. Problem: Es gibt weder in Deutschland, noch in der EU einen Grenzwert dazu. 

Und es gibt weitere Lügen der Lebensmittelindustrie. "Light"-Produkte sollen angeblich helfen, das Gewicht zu reduzieren. Aber stimmt das? Laut Gesetz müssen Light-Produkte mindestens 30 Prozent weniger Kalorien, Fett, Zucker oder Alkohol enthalten, um diesen Namen tragen zu können.

Und hier lauert die Falle: das Wort "oder". Beispiel Joghurt. Ein fettreduzierter Joghurt verliert automatisch an Geschmack, da Fett auch ein Geschmacksträger ist. Also ist er zunächst ein Light-Produkt. Doch um wieder Geschmack in den Joghurt zu bringen, gibt man mehr Zucker hinein. Und er ist damit immer noch ein Light-Produkt, denn es heißt ja "oder". 

Fazit

Gegen die Tricks der Lebensmittelindustrie kann man sich kaum wehren. Hier hilft dir nur der Blick auf das Etikett oder der Einkauf beim Bio-Bauern. 

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