• Krasse Änderung bei Aldi, Lidl, Rewe und Edeka: Pfandsystem wird ab dem 1. Januar 2022 geändert
  • Die neue Regelung weitet die Pfandpflicht auf weitere Produkte in PET-Falschen aus
  • Verpackungsmaterial soll ausschlaggebend für Pfandsystem sein
  • Bis 2030 möchte die Bundesregierung die Abfallvermeidung weiter vorantreiben

Seit 2003 gibt es in Deutschland eine Pfandpflicht für Einwegverpackungen bestimmter Getränke. Dazu gehören  Wasser, Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure und ohne Kohlensäure, Biere  und Biermischgetränke. Seit dem Jahr 2006 sind alle Einzelhändler auch zur Rücknahme von PET-Flaschen anderer Endvertreiber verpflichtet. 15 Jahre nach der Einführung unseres heutigen Pfandsystems soll nun eine grundlegende Änderung stattfinden. 

Neues Pfandsystem ab 2022: Das ändert sich bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka & Co

Flaschenpfand äußert sich beim Kauf durch einen kleinen Aufschlag an der Kasse: Kunden zahlen für ein Getränk  mehr Geld, welches sie bei der Rückgabe der Verpackung wiedererstattet bekommen. Je nach Art der Verpackung beläuft sich der Betrag auf acht bis 25 Cent. Doch nicht jedes Getränk besitzt Pfand. Wie wird also entschieden, auf welche Flaschen, Dosen und Verpackungen es Pfand gibt und auf welche nicht?

Was viele nicht wissen: Bisher entschied der Packungsinhalt, ob auf ein Produkt Pfand anfällt oder nicht. Dieses System soll nun im Grundsatz geändert werden. Die Bundesregierung will die Pfandpflicht auf Getränkeflaschen aus Kunststoff ausweiten und somit das Verpackungsmaterial ausschlaggebend dafür machen, ob für ein Getränk Pfand gezahlt werden muss.

Bisher fielen Wasser, Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure und ohne Kohlensäure, Biere  und Biermischgetränke unter die Pfandpflicht. Ab dem 1. Januar 2022 kommen Milch-, viele Frucht- und Gemüsesäfte hinzu. Auch Nischenprodukte wie Apfelwein, Cider oder Energydrinks sind nur noch bis Ende des Jahres pfandfrei. Von der neuen Regelung sind sowohl Supermärkte wie Aldi, Lidl, Rewe und Co. betroffen als auch Großhändler wie Coca-Cola. Die Pfandhöhe soll bei 25 Cent liegen. Dadurch sollen Kunden in solchen Fällen gezielter auf Mehrwegflaschen im Glas setzen.

Pfandrückgabe von Milchprodukten noch unklar

Die Pfandrückgabe von Milchprodukten gestaltet sich schwieriger als auf den ersten Blick angenommen. Denn Produkte wie beispielsweise "Müller-Milch" bringen auch Hygienerisiken mit sich: Keime, Schimmel und übler Gestank am Pfandautomaten könnten entstehen, sobald die Produkte längere Zeit geöffnet und ungekühlt im Pfandbehälter lagern.

Möglicherweise könnte man Kunden dazu auffordern, die Getränkeverpackungen vor der Rückgabe mit Leitungswasser auszuspülen.

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Die Pfand-Reform für Milchprodukte stößt in der Industrie auf allerlei Kritik:  "Plastikflaschen für Milch gehören in den gelben Sack und nicht in die Rücknahmeautomaten", betont auch Eckhard Heuser, Hauptgeschäftsführer im Milchindustrie-Verband im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung.

Abfallvermeidung: Bundesregierung plant weitere Schritte bis 2030

 Ziel der Bundesregierung ist es die Abfallvermeidung bis 2030 weiter anzukurbeln. Dazu sollen schrittweise weitere Maßnahmen ergriffen werden.

  • Ab 2023 sollen Caterer, Lieferdienste und Restaurants dazu verpflichtet werden, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten. Diese Änderung soll EU-weit in Kraft treten.
  • Ab 2025 müssen PET-Einweg-Getränkeflaschen mindestens 25 Prozent Recycling-Plastik enthalten.
  • Ab 2030 wird diese Quote auf mindestens 30 Prozent für sämtliche Getränkeflaschen aus Einweg-Kunststoff erhöht.

"In den vergangenen Jahren wurde im Sinne der Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung einiges erreicht, aber es bleibt weiter viel zu tun", schreibt die Bundesregierung und appelliert an die Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger.

aa