• Der Hund als Haustier: Fakten und Zahlen
  • Durchführung der Studie
  • Die Ergebnisse
  • Fazit

Eine repräsentative Umfrage des Industrieverbands Heimtierbedarf (IHV) e.V. ergab, dass 2021 insgesamt 47 Prozent aller deutschen Haushalte mindestens einem Heimtier ein Zuhause geben. Mit einem Anteil von rund 21 Prozent aller Haustiere in Deutschland belegen Hunde den zweiten Platz der Lieblingstiere. Es ist jedoch nicht natürlichen Ursprungs, dass die Vierbeiner eine soziale Bindung mit uns Menschen eingehen. Warum Hunde dies heute tun, könnte an einem speziellen Hormon liegen.

Die Durchführung der Studie

Fragst du eine neue Bekanntschaft nach ihrem Haustier, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um einen Hund handelt, recht hoch. Immerhin sind allein in Deutschland rund 21 Prozent der Personen, die ein Haustier haben, stolze Hundebesitzer*innen. Mit einem Blick auf die Geschichte der Hunde wird ersichtlich, dass die Vierbeiner uns Menschen gegenüber nicht schon immer so zutraulich waren.

Heute ist der Hund für viele der beste Freund. Exemplarisch zeigt dies eine Studie der Universität Göttingen im Jahr 2019, bei welcher ganze 88 Prozent der Heimtierhalter*innen angaben, dass sich ihre Lebenszufriedenheit durch ihren Hund erhöht hat. Vor rund 10.000 Jahren hingegen waren die wolfsartigen Vorfahren keinesfalls dafür ausgelegt, ihr Leben als Haustier zu verbringen. Wie genau die Domestizierung, auch "Haustierwerdung" genannt, ablief, ist auch nach mehreren Jahrhunderten der Forschungsarbeit noch nicht vollständig geklärt.

Neue Erkenntnisse lieferte nun eine Studie der Forscherin Miho Nagasawa und ihrem Team der japanischen Azabu-Universität. Die Forschungsergebnisse wurden in der Zeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht. Für die Studie wurden 624 Hunde und ihre Besitzer*innen ausgewählt. Die Hunde wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste bestand aus Hunden, die ihren wolfsartigen Vorfahren noch sehr nah sind, während die zweite Gruppe Rassen einschloss, die von ihren Vorfahren weiter entfernt sind. Im Anschluss sollten die Tiere beider Gruppen zwei verschiedene Aufgaben absolvieren. Bei der ersten Aufgabe gab es zwei unterschiedliche Schalen, wobei in einer der beiden ein Leckerli versteckte wurde. Um zu testen, wie gut die Vierbeiner menschliche Koordinationssignale verstehen, gaben die Forscher*innen ihnen auf verschiedene Weisen einen Hinweis, in welcher Schale das Leckerli war. Der zweite Test stellte die Hunde vor die Aufgabe, einen Futterbehälter zu öffnen. Dies war für sie hingegen ohne Hilfe unmöglich. Das Ziel hierbei war, herauszufinden, wie lange die Hunde die Forscher*innen mit ihren Blicken um Hilfe baten.

Ergebnisse der Studie

Vorangegangene Studien zeigten bereits, dass selbst Hundewelpen menschliche Signale besser verstehen als Wölfe, die bereits erwachsen waren und von Menschen aufgezogen wurden. Wie es zu erwarten war, konnte das Forschungsteam bei der ersten Aufgabe bei beiden Gruppen kein unterschiedliches Verhalten feststellen. Auch bei der zweiten Aufgabe bezog sich das Forschungsteam auf Ergebnisse der bisherigen Forschung, die ergaben, dass Hunde eher nach menschlicher Hilfe suchen als Wölfe dies tun. Überraschenderweise konnten bei der zweiten Versuchsaufgabe ein Unterschied zwischen den beiden Hundegruppen festgestellt werden: Hunde, die noch näher mit ihren wolfsartigen Vorfahren verwandt waren, baten den Menschen kürzer um Hilfe als die Vergleichsgruppe. Daraus schlossen die Forscher*innen, dass die jüngeren Hunderassen bereits stärker an den Menschen gebunden sind als die älteren.

Infolge der Erkenntnisse richteten die Forscher*innen ihre Analyse speziell auf vier verschiedene Genabschnitte des Hundes, die an der Produktion der Hormone Oxytocin und Kortisol beteiligt sind. Ersteres ist ein Hormon, das bei diversen Spezies die soziale Bindung beeinflusst, während zweiteres ein wichtiges Stresshormon darstellt. Auf dem Gen, welches für die Produktion von Kortisol zuständig ist, ließen sich Veränderungen feststellen: Der Kortisol-Spiegel war durch die Mutation leicht abgesenkt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen im Jahr 2009 Forscher*innen, die eine Studie zu gezüchteten Füchsen, die gegenüber Menschen sozial offener waren, durchführten. Bei den zutraulichen Tieren konnten ebenfalls niedrige Kortisol-Werte festgestellt werden.

Aus den Untersuchungen folgerte das Forschungsteam, dass eine genetische Veränderung die Domestizierung bewirkt haben muss. Das aus der Genveränderung resultierende niedrigere Stresslevel scheint dafür gesorgt zu haben, dass die wolfsartigen Vorgänger der Hunde zunehmend menschliche Nähe ertragen konnten. Bisher können die Ergebnisse noch nicht mit Sicherheit bestätigt werden, da noch nicht klar ist, ob Wölfe tatsächlich ein höheres Kortisol-Level besitzen. Die Forscher*innen sind durch die neuen Erkenntnisse angeregt, noch weitere und intensivere Untersuchungen durchzuführen.

Fazit

Aus der Untersuchung des Verhaltens der Hunde und deren Genen schlussfolgerten die Forscher*innen, dass vermutlich eine Mutation des Stressreaktionssystems den Beginn der Domestizierung des Hundes ausgelöst hat. Die Hunde wurden im Laufe der Jahrzehnte immer zutraulicher, sodass sie auch die kognitiven Fähigkeiten entwickeln konnten, die für eine soziale Bindung zu den Menschen nötig sind.

Mit Sicherheit können die Vermutungen der Forscher*innen noch nicht bestätigt werden; ein Grund dafür ist unter anderem, dass viele alte Hunderassen noch nicht untersucht wurden. Dennoch strebt das Team an, sich dem Thema weiterhin zu widmen, sodass zukünftig weitere Erkenntnisse erlangt werden könnten.