EU-weite Einführung: Tempolimit-Warner sorgt für Unmut unter Autofahrern

2 Min

Den Tempolimit-Warner abzuschalten, ist mit Einschränkungen erlaubt. So stoppst du das nervige und mitunter ablenkende Piepen bei VW, BMW & Co.

Den Tempolimit-Warner abschalten – das wünschen sich viele Fahrer, weil das Piepen nervt. Seit Juli 2024 ist der Intelligent Speed Assistance (ISA) in allen Neuwagen EU-weit vorgeschrieben. Das System erkennt Geschwindigkeitslimits per Kamera und warnt akustisch oder durch Bremsen, wenn du zu schnell fährst. Wenn du den ISA abschalten möchtest, ist das pro Fahrt erlaubt, aber nicht dauerhaft möglich.

Was ist der Tempolimit-Warner ISA – und wie funktioniert er?

Der Geschwindigkeitswarner ist Pflicht in der EU. Er liest Verkehrsschilder mit einer Frontkamera und ergänzt diese Daten mit Navigationskarten. Überschreitest du das Limit um drei bis fünf km/h, piept es, ein Symbol blinkt auf oder das Auto bremst leicht. Wenn dich das stört, lässt sich nach jedem Start der Tempowarner im Auto deaktivieren. Das bedeutet aber auch, dass sich der Assistent jedes Mal, wenn du den Motor anlässt, auch automatisch wieder aktiviert – eine EU-Vorgabe für aktive Sicherheitssysteme.

Die ISA-Pflicht für Neuwagen gilt seit dem 7. Juli 2024 für alle neu zugelassenen Pkw bis 3,5 Tonnen. Ältere Autos sind nicht betroffen, aber beim TÜV ab 2027 könnten Nachrüstungen kommen. Über 90 Prozent der Neuwagen haben mittlerweile einen Tempolimit-Warner, der je nach Hersteller unterschiedlich aggressiv warnt.

Viele Autofahrer berichten über eine falsche Limit-Erkennung in Baustellen, Tunneln oder bei unklaren Schilderfolgen. Das ständige Piepen bei kleinen Überschreitungen und die Zwangsaktivierung beim Start gehen vielen auf die Nerven – besonders Berufskraftfahrer und Autobahnpendler dürften darunter leiden.

Darf man den Tempolimit-Warner abschalten – was sagt die EU-Regelung?

Ja, das Abschalten von Assistenzsystemen im Auto ist nach ISA EU-Regelung (Verordnung 2019/2144) erlaubt. Die EU schreibt vor, dass ISA deaktivierbar sein muss – aber nur für die aktuelle Fahrt. Den Assistenten dauerhaft abschalten oder löschen – das ist technisch blockiert und kann die ABE ungültig machen. Die EU verlangt einen selbstaktivierenden Assistenten bei jedem Zündungseinschalten. Das soll verhindern, dass Fahrer das System dauerhaft ignorieren. Den Tempowarner kannst du bei diesen Marken wie folgt ausschalten:

  • Tempowarner VW abschalten: Im Menü unter "Assistenzsysteme > Geschwindigkeitsregler" findest du "Tempolimit-Warner deaktivieren". Bestätige mit OK – er bleibt bis Fahrtende aus.
  • Tempowarner BMW abschalten: Über das iDrive-Menü "Fahrzeug > Fahrerassistenz > Geschwindigkeit" > "Speed Limit Info aus". Oft ist die Ausschaltmöglichkeit auch über eine Lenkradtaste erreichbar.
  • Tempowarner Mercedes abschalten: Kombiinstrument > "Assistenz einrichten" > "Aktive Geschwindigkeitsüberwachung" ausschalten. Ein graues Symbol bestätigt die Deaktivierung.
  • Tempowarner Kia und Hyundai abschalten: Dies gelingt über das Fahrerassistenz-Menü. "Fahrerassistenz > Intelligenter Geschwindigkeitswarner > Aus". Bei beiden Marken zeigt ein graues Symbol die Deaktivierung an. Hyundai bietet zudem eine "Warnstufe mild"-Option, die nur visuell warnt, ohne zu piepen.

Nach jedem Stopp musst du den Intelligent Speed Assistance erneut deaktivieren – ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Fahrkomfort. Ausnahmen gibt es nur bei Sondermodellen wie Porsche oder Ferrari.

Welche Fehlerquote hat das System?

Der Tempowarner macht auch Fehler. In einem Test von Auto Motor Sport sind viele Systeme durchgefallen – unabhängig von Preis und Hersteller des Autos. Das waren die häufigsten Probleme:

  • Falscherkennung von Schildern: ISA-Systeme basieren auf Kameras und Kartendaten. Sie übersehen häufig Tempolimits, die auf Schildern angebracht sind, oder erkennen Ortsschilder nicht korrekt. Auch temporäre Geschwindigkeitslimits werden oft nicht erkannt.
  • Veraltetes Kartenmaterial: Wenn die Kameratechnik versagt, greift das System auf GPS-Karten zurück. Sind diese nicht aktuell (z.B. bei neuen Baustellen), warnt das System falsch.
  • Überempfindlichkeit: Die Systeme piepen oft schon bei einer Überschreitung von nur 1 km/h über dem erkannten Limit.
  • Fehlerursachen: Häufige Fehlerquellen sind schlechte Wetterbedingungen (Regen, Schnee), schlechte Sichtverhältnisse oder Schilder im Baustellenbereich.
  • Störung der Konzentration: Aufgrund der hohen Fehlerrate (häufiges, unbegründetes "Gepiepse") werden die Systeme von vielen Autofahrern als störend empfunden und oft abgeschaltet.

Immerhin: Die Systeme werden fortlaufend weiterentwickelt. Die neuen Assistenzpflichten 2026 bringen Notbremsassistenten mit Fußgänger-/Radfahrererkennung, Müdigkeitswarner und Spurhalteassistent als Standard mit sich. Ebenso Pflicht: ein erweiterter Tempolimit-Warner mit automatischer Tempobegrenzung in Tempo-30-Zonen. 

Vorschaubild: © CC0 / Pixabay / wydawca