Deutschland
Lernen im Ausland

Während der Ausbildung ins Ausland: Das musst du beachten

Lernen als Elektronikerin in Norwegen, als Bierbrauer in Schweden, als Verfahrensmechaniker in den USA. All das ist machbar, und zwar schon während der Ausbildung. Zwei Förderprogramme helfen beim Auslandsaufenthalt.
Mit dem EU-Programm Erasmus lernen Azubis und Studierende in allen EU-Staaten.
Mit dem EU-Programm Erasmus lernen Azubis und Studierende in allen EU-Staaten. Foto: Lernen im Ausland
  • Was bringt dir ein Auslandsaufenthalt?
  • Das Berufsbildungsgesetz schafft Möglichkeiten
  • So klappt es mit dem Lernen im Ausland
  • Das musst du noch wissen
  • Das Beispiel: Georg lernte in den USA

Die Zauberworte heißen Erasmus+ und AusbildungWeltweit. Erasmus gibt es schon seit 35 Jahren. Es ist das bekannteste Programm der Europäischen Union (EU). Aber warum sollst du als Studierende*r oder Azubi überhaupt im Ausland lernen und wie funktioniert das?

Was bringt dir ein Auslandsaufenthalt?

Ein Auslandsaufenthalt bringt dir viele Vorteile. Das wichtigste ist die Möglichkeit, ein anderes Land mit seiner Kultur und seinen Menschen kennenzulernen. Lernen in einem fremden Land macht dich auf jeden Fall selbstbewusster und selbstständiger. 

Außerdem steht auf der Habenseite:

  • Die eigenen Sprachkenntnisse verbessern oder eine neue Fremdsprache zu erlernen,
  • soziale Kontakte knüpfen,
  • den Wissenshorizont erweitern,
  • neue berufliche Perspektiven entdecken.

Die Auslandserfahrung macht sich gut im Lebenslauf: 82 Prozent der ehemaligen Erasmus-Teilnehmenden sind der Ansicht, dass ihre berufliche Entwicklung vom Auslandsaufenthalt profitiert hat. Erasmus+ fördert nicht nur Auslandserfahrungen von Studierenden, sondern auch von Azubis. Außerdem sind Schüler*innen, Kinder und Jugendliche, Lehrende und Hochschulpersonal Zielgruppen des Programms.  

Das Berufsbildungsgesetz schafft Möglichkeiten

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) erlaubt dir bis zu einem Viertel deiner Ausbildungszeit im Ausland zu verbringen. Bei einer dreijährigen Ausbildung kann das Praktikum also bis zu neun Monate dauern.

Gesetzliche Grundlage ist das BBiG § 2 Abs. 3. Jede*r kann ins Ausland gehen. Es kommt nicht auf die Noten an. Einkalkulieren musst du aber eine gewisse Vorlaufzeit. Ein bisschen Papierkram fällt schon an und dein Ausbildungsbetrieb muss mitziehen. Viele große Unternehmen haben Niederlassungen in anderen Ländern. Bei solchen Betrieben ist die Chance auf einen Auslandsaufenthalt natürlich größer.

Obwohl die Programme sich in der Praxis bewährt haben und Vorteile klar auf der Hand liegen, nutzten im Jahr 2019 nur rund sieben Prozent der Azubis die Möglichkeiten. Bei den Studierenden ist die Resonanz größer: Knapp ein Drittel aller Studierenden sammeln Auslandserfahrung. In den Corona-Jahren gab es allerdings deutlich weniger Interessierte.

So klappt es mit dem Lernen im Ausland

Der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt ist oft nach der Zwischenprüfung, also üblicherweise nach 18 Monaten Lernzeit. Du solltest dich zunächst an deinen Betrieb, deine Berufsschule oder die Kammer (zum Beispiel die Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer) wenden. Diese beantragen die Fördergelder für Erasmus+ bei der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BiBB).

Voraussetzung für Erasmus+ ist, dass du deine Ausbildung in Deutschland machst. Reisekosten, Aufenthaltskosten pro Tag, eventuell einen Sprachkurs und Sonderkosten wie ein Visum stehen auf dem Fördertableau. Das Programm ist auf Auslandsaufenthalte im europäischen Ausland ausgelegt.

Soll es weiter weg gehen, zum Beispiel in die USA, dann gibt es das Förderprogramm AusbildungWeltweit vom Bund, das Praktika weltweit fördert. 

Das musst du noch wissen

Das Geld wird dir nicht direkt ausgezahlt. Die Förderung für Erasmus+ erhält die Einrichtung, die den Förderantrag stellt, also deine Berufsschule, die Kammer oder der Betrieb.

Die Ausbildung wird für ein Auslandspraktikum nicht unterbrochen. Du musst keinen Urlaub nehmen und erhältst weiter deine Ausbildungsvergütung. Der Auslandsaufenthalt ist im Ausbildungsvertrag als "Ausbildungsmaßnahme außerhalb der Ausbildungsstätte" zu dokumentieren. Die Berufsschulpflicht ist für die Dauer des Aufenthalts im Ausland ausgesetzt. Das Berichtsheft ist auch im Ausland zu führen. Länderspezifische Regelungen (Versicherung, Steuern, Visum) sind zu beachten.

In der Regel dauert das Praktikum zwischen drei und acht Wochen. Es sind aber auch längere Aufenthalte möglich. Die Azubis kommen in Jugendherbergen, Mietunterkünften oder bei Gastfamilien unter.

Das Beispiel: Georg lernte in den USA

Die Gewerkschaft IG Metall berichtet auf ihrer Internetseite über Georg Somi. Er hat eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker bei Benteler Steel/Tube in Paderborn gemacht. Er hat sich schon frühzeitig bei seinem Meister für den Auslandsaufenthalt gemeldet. Im letzten Ausbildungsjahr war es dann so weit. Georg flog mit einem Kollegen aus demselben Ausbildungsjahrgang nach Amerika und wurde im Werk in Shreveport in Texas eingesetzt.

Georg ist von der Zeit begeistert. "Ich habe echt coole Kollegen in den USA kennengelernt und noch mehr Lust am Reisen bekommen." Benteler stellte die Unterkunft zur Verfügung. Georg bekam über das Programm AuslandWeltweit finanzielle Unterstützung. Aus eigener Tasche hat Georg rund 400 Euro für den dreimonatigen Aufenthalt gezahlt. "Der finanzielle Eigenanteil ist überschaubar. Das kann man sich leisten, wenn man ein bisschen was zur Seite legt."

Georg ist rechtzeitig aus den USA zurückgekommen, um sich in Ruhe auf seine Abschlussprüfung im Sommer 2021 vorzubereiten. Die Zeit im Ausland hat sein Ausbildungsergebnis verbessert, in der Instandhaltung und besser Englisch spricht er jetzt auch. Sein Fazit: "Ich kann es jedem nur empfehlen."

Fazit

Für die Azubis sind Auslandserfahrungen ausgesprochen spannend und deshalb ist die Rückmeldung fast immer positiv. Gerade bei Punkten wie Selbstständigkeit oder Selbstbewusstsein bewirkt der Auslandseinsatz ungeheuer viel. Das gilt natürlich auch für Sprachkenntnisse. Das ist wirklich ein Add-on an Lebenserfahrung. Deshalb die klare Ansage: Begeistere dich für einen Lernaufenthalt im Ausland.