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Berufe-Hitliste

Job-Hits: Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe bei jungen Männern und Frauen

Jahrelang war die Kauffrau für Büromanagement der beliebteste Ausbildungsberuf junger Frauen. Doch jetzt gibt es einen neuen Spitzenreiter. Bei den Männern hat sich nicht viel verändert.
Der Kraftfahrzeugmechatroniker ist der beliebte Beruf bei den jungen Männern.
Der Kraftfahrzeugmechatroniker ist der beliebte Beruf bei den jungen Männern. Foto: CC0 / Pixabay / Joenomias
  • Hitliste der Ausbildungsberufe der jungen Frauen
  • Medizinische- und Pflegeberufe finden deutlich mehr Bewerber*innen
  • Und das sind die Berufe-Hits der jungen Männer
  • Corona-Krise wirbelt den Ausbildungsmarkt durcheinander
  • Für eine Ausbildung verloren?

Die Corona-Krise verändert die Berufsziele der Jugendlichen. Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), stellt eine hohe "Verunsicherung bei Betrieben und Jugendlichen aufgrund der Corona-Pandemie" fest. Ablesbar ist das auch an den veränderten Berufswünschen.

Hitliste der Ausbildungsberufe der jungen Frauen

Männer interessieren sich für Technik, Frauen arbeiten im Büro: Dieses Muster zeigt sich Jahr für Jahr bei der Berufswahl junger Menschen in Deutschland. An der Spitze der beliebtesten Ausbildungsberufe gibt es jetzt aber eine 'kleine Revolution'. Die Corona-Pandemie lässt Grüßen. Erstmals steht bei jungen Frauen die Medizinische Fachangestellte ganz oben auf der Liste. Der langjährige Spitzenreiter – die Kauffrau für Büromanagement – wurde auf den zweiten Platz verdrängt, wie neue Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigen.

Und so sieht der Hitliste der Berufe bei den jungen Frauen aus:

  • Medizinischer Fachangestellte
  • Kauffrau für Büromanagement
  • Zahnmedizinischer Fachangestellte
  • Verkäuferin
  • Kauffrau im Einzelhandel
  • Industriekauffrau
  • Verwaltungsfachangestellte
  • Friseurin
  • Steuerfachangestellte
  • Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement
  • Bankkauffrau
  • Hotelfachfrau
  • Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk
  • Tiermedizinische Fachangestellte
  • Rechtsanwaltsfachangestellte

Medizinische- und Pflegeberufe finden deutlich mehr Bewerber*innen

Seit der Covid-19-Pandemie liegt ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Gesundheitsberufe und -handwerke. Hier ist eine positive Entwicklung zu erkennen: Der Anstieg der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2021 in den dualen Gesundheitsberufen fällt mit 8,3 % deutlich höher aus als in allen anderen Berufen der betrieblichen Ausbildung (1,2 %).

Medizinische Fachangestellte arbeiten in Arztpraxen, Krankenhäusern oder medizinischen Laboren. Sie helfen bei Untersuchungen und Behandlungen, kümmern sich aber auch um organisatorische und um Verwaltungsaufgaben.

Mehr als 17.000 junge Frauen schlossen in 2021 einen neuen Ausbildungsvertrag für diesen Beruf ab, der früher als Arzthelferin bekannt war.

Und das sind die Berufe-Hits der jungen Männer

Bei den jungen Männern bleibt der Kfz-Mechatroniker mit rund 20.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen unangefochten vorne. Kfz-Mechatroniker arbeiten üblicherweise in Autowerkstätten oder bei Autoherstellern, sie vereinen die früheren Berufe Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker.

Bei jungen Männern folgen auf der Liste der beliebtesten Lehrberufe eine Reihe von IT-Berufen wie der Fachinformatiker und der Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Aber auch die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, zum Tischler und zum Maler und Lackierer sind unverändert gefragt. Und so sieht der Hitliste der Berufe bei den jungen Männern aus:

  • Kraftfahrzeugmechatroniker
  • Fachinformatiker
  • Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  • Elektroniker
  • Verkäufer
  • Kaufmann im Einzelhandel
  • Industriemechaniker
  • Fachkraft für Lagerlogistik
  • Tischler
  • Mechatroniker
  • Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement
  • Kaufmann für Büromanagement
  • Industriekaufmann
  • Maler und Lackierer
  • Elektroniker für Betriebstechnik

Corona-Krise wirbelt den Ausbildungsmarkt durcheinander

Wegen der Corona-Krise ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt allerdings weiter sehr angespannt. Nachdem die Zahl der Bewerber schon in den ersten beiden Corona-Jahren kräftig in den Keller ging, lässt auch das Ausbildungsjahr 2022 nichts Gutes erahnen.

In den ersten vier Monaten zeichnet sich für das laufende Jahr keine Besserung ab. Nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit lagen die Bewerberzahlen zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 noch einmal 5,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Bei der Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen zeigt sich hingegen ein deutliches Plus von 6,8 Prozent. 

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Für eine Ausbildung verloren?

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat die Problematik der Stellenbesetzung genauer untersucht. Danach sind 40 % der angebotenen Ausbildungsplätze in Deutschland im Ausbildungsjahr 2021 nicht vergeben worden. Die kleineren Betriebe seien sogar zu 49 % auf ihren angebotenen Stellen sitzen geblieben.

Im Baugewerbe blieben 60 % der Lehrstellen unbesetzt. "Wir sind in einer Corona-Krise der Ausbildung, die dramatische Folgen haben könnte", sagt Bernd Fitzenberger, Leiter des Instituts. Die Lage wirke sich etwa auf das Fachkräftepotenzial in Deutschland aus, aber auch auf die Lebenszufriedenheit junger Menschen. Bei Abiturient*innen sei diese dramatisch eingebrochen.

Und was sind die Gründe? Der Mangel an Bewerbungen ist aus Sicht der Betriebe mit großem Abstand der bedeutendste Grund für den Rückgang der Neuverträge. "Wir können es uns eigentlich nicht leisten, Jugendliche, die sich bewerben, nicht einzustellen", sagt Fitzenberger. Er spricht sogar von einer Ausbildungsplatzkrise, "die uns erheblich zu schaffen machen wird". Deshalb sein Appell: Die Betriebe müssten kompromissbereiter sein. "Es gilt zuallererst, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser zusammenzuführen". Große Gefahr: Der IAB-Chef vermutet, dass viele junge Menschen im derzeit nachgefragten Niedriglohnsektor bleiben, anstatt eine Ausbildung zu beginnen "und damit verlieren wir diese Menschen, die wir für die anstehende Transformation der Unternehmen dringend brauchen."