Ein wesentlicher Faktor im geplanten Netzpaket sind die vorgesehenen Baukostenzuschüsse. Diese sollen, so die Pläne von Reiche, an den Netzbetreiber gehen, wenn eine neue Solaranlage installiert und angemeldet ist. Damit würden die Kosten, zumindest teilweise, für den notwendigen Netzausbau von den neuen PV-Anlagenbesitzenden getragen.
Direktvermarktung statt garantierter Stromabnahme?
Mit welchen zusätzlichen Kosten die neuen PV-Anlagenbesitzenden zusätzlich kalkulieren müssen, rechnet Jannik Schall vor: "Für eine gewöhnliche Photovoltaikanlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak wären das je nach Wohnort rund 1.000 Euro zusätzlich, die der Netzbetreiber als reine Anschlussgebühr erheben soll – für einen Anschluss, den der Kunde schon hat".
Zusätzliche Gebühren an den Netzbetreiber wären dann besonders ärgerlich, wenn die Solaranlage in Kombination mit Batteriespeichern und einer intelligenten Steuerung, für den Eigenbedarf genutzt wird. Das Solarhandwerk, zusammengeschlossen im Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH), hat sich das Veränderungspaket zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) ebenfalls genau angeschaut.
Danach wird neben der Kostenbeteiligung am Netzausbau für Neukunden die Einspeisevergütung für alle PV-Anlagenbesitzenden abgeschafft. Stattdessen ist eine Direktvermarktung für diejenigen vorgesehen, die den Strom ganz oder teilweise ins Netz abgeben. Diese beiden Punkte würden laut BDSH vor allem private Hausbesitzer treffen. Denn die Direktvermarktung sei "für viele private Anlagenbesitzer zu komplex, um eine praktikable Alternative darzustellen", heißt es in der Stellungnahme des BDSH.
Warum sind 2600 Unternehmen mit der Energiepolitik unzufrieden?
Es brodelt also in der Wirtschaft. Knapp 2600 Unternehmen haben sich im "Wirtschaftsappell" zusammengetan, um der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz ein vernichtendes Zeugnis im Hinblick auf Energiepolitik auszustellen. Die Unterzeichner zeigen sich "extrem besorgt".
Im Zentrum der Kritik steht das sogenannte Netzpaket aus dem Hause von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Der Gesetzentwurf sieht Maßnahmen vor, die den Ausbau erneuerbarer Energien finanziell deutlich unattraktiver machen.
Dass die Kritik vom Bundesverband Erneuerbare Energien und der Partei Die Grünen kommt, überrascht wenig. Umso bemerkenswerter ist allerdings die Breite des Widerstands. Unter den Unterzeichnern finden sich nicht nur Unternehmen aus dem Energiesektor, sondern auch Architekturbüros, Arztpraxen, Hotels und Beratungsfirmen. Der Appell ist auf der Webseite der Grünen veröffentlicht.