Ein Streit zwischen den Aldi-Brüdern Karl und Theo Albrecht führte zur Trennung des Discounter-Imperiums – eine Geschichte, die bis heute Sortimente und Filialen prägt.
Aldi Nord und Aldi Süd wirken wie zwei eigenständige Discounter-Riesen, die Deutschland in zwei Hälften teilen – doch sie haben eine gemeinsame Wurzel als Familienunternehmen. Du kennst sicher die günstigen Regale und das (einst) schmale Sortiment, aber wusstest du, dass alles mit den Brüdern Karl und Theo Albrecht begann, die sich 1961 trennten? Diese Geschichte über den Discounter Aldi zeigt, wie aus einem Geschäft zwei Konzerne wurden, die bis heute getrennte Wege gehen.
Die Aldi-Gründung
Alles startete 1913 in Essen, als die Mutter der späteren Aldi-Gründer, Anna Albrecht, einen kleinen Lebensmittelladen eröffnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen ihre Söhne Karl und Theo das Geschäft und revolutionierten den Handel: Sie setzten auf extrem niedrige Preise, ein winziges Sortiment und effiziente Abläufe ohne Schnickschnack.
Bis in die 1950er Jahre wuchs das Unternehmen rasant – 1960 gab es schon 300 Filialen mit einem Umsatz von rund 90 Millionen Mark. Der Name "Aldi" entstand als Abkürzung für "Albrecht Diskont" und stand für das neue Discounter-Konzept, das den Einkauf für alle erschwinglich machen sollte.
Karl Albrecht, geboren 1920, und Theo Albrecht, geboren 1922, waren die visionären Köpfe hinter Aldi. Beide arbeiteten zunächst im elterlichen Laden mit, Karl eher im operativen Geschäft, Theo mit Fokus auf Expansion. Sie teilten die Sparphilosophie ihrer Mutter und bauten ein Imperium auf, das heute weltweit Tausende Filialen hat. Die Brüder waren extrem zurückhaltend und medienscheu. Beide starben mit enormem Vermögen: Karl 2014 mit rund 21 Milliarden Euro, Theo schon 2010 mit geschätzt 11 Milliarden Euro.
Warum kam es 1961 zur Teilung?
1961, bei rund 300 Filialen, beschlossen Karl und Theo, getrennte Wege zu gehen. Die Albrecht KG wurde in Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt – eine Entscheidung, die bis heute andauert. Schon vorher gab es separate Lager sowie Verwaltungen und die Mutter Anna schied als Gesellschafterin aus. Der Bruch entstand aus unterschiedlichen Visionen: Theo managte detailliert, Karl delegierte früh Verantwortung. Letztlich führte das zu Unstimmigkeiten über Führungsstile, Mitarbeitervergütung und Sortimentsentscheidungen.
Die bekannteste Anekdote: der Aldi-Zigaretten-Streit. Eine Auseinandersetzung um den Zigarettenverkauf soll die Aldi-Trennung ausgelöst haben. Theo wollte Tabakwaren für höhere Margen in das Sortiment aufnehmen, Karl lehnte ab, weil er befürchtete, dass Zigaretten Ladendiebe und damit eine höhere Kriminalität anlocken würden. Erst 2003 gab es Zigaretten auch bei Aldi Süd. Viele Experten bezweifeln, dass der Streit um Zigaretten allein die Ursache für die Spaltung war, da Zigaretten bekanntermaßen schon vor 1961 in Teilen der Aldi‑Filialen verkauft wurden und der Konflikt eher symbolisch für tiefer liegende Differenzen steht.
Stattdessen sehen Insider den Kern des Konflikts in grundsätzlichen Differenzen über das Geschäftsmodell sowie die Unternehmensführung. Theos Präferenz für ein strenges Mikromanagement und direkte Kontrolle stand Karls eher delegierendem, lockererem Ansatz gegenüber. Diese unterschiedlichen Managementphilosophien – einerseits maximaler Kostendruck und enge Kontrolle, andererseits mehr Vertrauen in die dezentralen Teams und Filialleiter – verschärften den Streit über Entscheidungen wie den Zigarettenverkauf und trugen letztlich dazu bei, dass die Brüder sich entschieden, das Unternehmen in Aldi Nord und Aldi Süd zu teilen.