Rentenniveau senken und Sozialabgaben damit niedrig halten? Was Experten vorschlagen

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Wirtschaftsexperten warnen vor wachsenden Herausforderungen im deutschen Sozialsystem. Anpassungen bei Renten und Krankenversicherung werden diskutiert.

Diese Zahlen haben es in sich: In einer Berechnung für das Nachrichtenmagazin Spiegel zeigt Martin Werding, dass bis zum Jahr 2050 Sozialabgaben von 53 Prozent möglich sind, sollten entsprechende Reformen ausbleiben.

Der Professor für Sozialpolitik und Öffentliche Finanzen an der Ruhr-Universität Bochum und Mitglied der Wirtschaftsweisen, warnt vor "massiven Problemen". inFranken.de hat beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu solch möglichen Entwicklungen nachgefragt. 

Problem mit steigenden Sozialabgaben ist seit Langem bekannt

Laut Institut ist die Tatsache, dass "die Sozialabgaben weiter steigen könnten, eine seit Langem bekannte Angelegenheit". Zum einen würde die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den kommenden Jahren weiter abnehmen, da die Babyboomer sukzessive in den Ruhestand gehen und die Zahl der nachfolgenden Kohorten kleiner ausfällt. 

Zum anderen sei mit weiter steigenden Leistungsausgaben in der gesetzlichen Pflege- und Krankenversicherung zu rechnen, da hier insbesondere bei letzterem der medizinische Fortschritt zu Kostensteigerungen führen dürfte. Die wichtigsten Aspekte aus Sicht des DIW:

  • Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nimmt ab
  • Weiter steigende Leistungsausgaben in der gesetzlichen Pflege- und Krankenversicherung

Über 50 Prozent nicht notwendig: Senkung des Rentenniveaus als Lösung?

Doch ist wirklich mit Sozialabgaben von über 50 Prozent zu rechnen? Eine solch massive Steigerung ist für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung "nicht zwingend". Die Politik hat es demnach in der Hand, durch Reformen den drohenden Entwicklungen zu begegnen.

Interessanterweise nennt das DIW zum einen Leistungskürzungen als Option und rückt dabei "ein sinkendes Rentenniveau" in der gesetzlichen Rentenversicherung ins Zentrum. Schon im Juli 2025 hatte Werding im Auftrag von Fidelity International in einer Studie analysiert, welche Auswirkungen die Haltelinie der Rente hat. 

Werding erklärte dazu: "Die Mehrausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung aufgrund der Haltelinie sind eine enorme Belastung für die Bundesfinanzen. Damit die Rechnung aufgeht, müsste der Staat entweder erhebliche zusätzliche Steuereinnahmen generieren oder er müsste bei anderen Haushaltsposten massiv einsparen – etwa bei der Verteidigung oder im Bereich Soziales". Das Rentenniveau wurde durch das Aussetzen des Nachhaltigkeitsfaktors bis 2031 auf 48 Prozent festgeschrieben. Die Fidelity-Studie will also zeigen, dass die Rente mit dieser "teuren Garantie" nicht funktionieren kann

Weitere Optionen: Einsparung bei gesetzlichen Krankenkassen?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nennt gegenüber inFranken.de auch noch die Anhebung von Effizienzreserven im Bereich der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Verbesserung der Finanzierungsbasis für die Sozialversicherung als mögliche Hebel, um den Anstieg der Sozialabgaben zu verringern. 

  • Effizienzreserven in der GKV: Hier sieht das DIW Potenzial in einer besseren "Verzahnung von ambulanter und stationärer Behandlung", oder auch "durch den Abbau der Zahl von Krankenhäusern".
  • Für die Sozialversicherungen könnte demnach die "Ausweitung der versicherungspflichtigen Bevölkerung" ein Ansatz sein. Das würde unter anderem "eine Einbeziehung von Beamten, Politikern und Selbständigen" bedeuten.
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