Solaranlagen-Boom in Deutschland: Diese Entwicklung sorgt für Rekord-Nachfrage

Bei den Nachfragen nach Solaranlagen gibt es einen Anstieg. Offensichtlich ist die unsichere geopolitische Lage, Grund genug, um sich unabhängiger von fossilen Energien zu machen. Es lohnt sich also, ein Investment in ein Solar-Gesamtsystem.

Die Stromverbraucher reagieren auf die Nahostkrise und auf die Pläne der Bundesregierung, die PV-Anlagen weniger attraktiv zu machen: Sie investieren in PV-Anlagen. Um den steigenden Energiekosten infolge des Iran-Kriegs zu entkommen, wollen offenbar immer mehr Menschen eine Solaranlage als eigene Energiequelle auf dem Dach. Einige Anbieter berichten von einer doppelten Nachfrage in den Monaten März und April des Jahres. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) ist allerdings skeptisch.

Haben die PV-Anlagen einen Höchststand erreicht?

Die Bundeswirtschaftsministerin, Katherina Reiche (CDU), will ab 2027 die Förderung für Anlagen von weniger als 25 Kilowatt (kWp) installierter Leistung einstellen.

Die Streichung bezieht sich auf die Einspeisevergütung von Neuanlagen bis 25 kWp.

Ob sich das auch auf die zinsgünstigen Darlehen für die Neuanschaffung (KfW-Kredite Programm 270) und auf die 0 Prozent Mehrwertsteuer beim Kauf und der Installation von PV-Anlagen bezieht, ist offen. Die Pläne sind noch nicht vom Kabinett beschlossen worden, doch schon jetzt warnt der BSW vor den enormen Folgen.

Woher kommt der Boom?

Es kann sein, dass der Boom bei den PV-Anlagen durch die drohende Verschlechterung ausgelöst ist. 2025 war schon einmal ein Boomjahr bei den PV-Anlagen. Deren Zahl stieg auf rund 4,8 Millionen (ohne Balkonkraftwerke) und damit um rund 800.000 Neuanlagen gegenüber dem Vorjahr 2024.

  • 2018: 1,667 Mio. Anlagen
  • 2020: 1,834 Mio. Anlagen
  • 2022: 3,283 Mio. Anlagen
  • 2024: 3,971 Mio. Anlagen
  • 2025: 4,753 Mio. Anlagen

Die Kosten für eine Anlage für ein durchschnittliches Einfamilienhaus liegen zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Gefragt sind komplette Systeme. Die Kunden verknüpfen die Solarpaneele auf dem Dach meist direkt mit Batteriespeichern und Ladestationen für Elektroautos. So ist überschüssiger Strom zu speichern, um ihn dann später zu nutzen.

Warum stockt E.ON seine Solarteams auf?

Um die aktuelle Marktlage bei den PV-Anlagen (auf dem Dach und bei den Balkonkraftwerken) einzuschätzen, lohnt es nicht, auf die Eintragungen im Marktstammdatenregister bei der Bundesnetzagentur zu warten. Die Registrierung ist lückenhaft (vor allem bei den Balkonkraftwerken) und ist erst einen Monat (4 Wochen) nach der Inbetriebnahme (§ 21 Energiewirtschaftsgesetz - EnWG) notwendig.

Näher am Marktgeschehen sind deshalb die Signale, die von den Firmenakteuren ausgehen. Filip Thon, Vorstandschef der Vertriebstochter E.ON Energie, meldete Mitte März eine Verdopplung der Nachfrage bei Photovoltaik. "Im Vergleich zu den letzten Monaten haben sich die PV-Anfragen bei uns aktuell etwa verdoppelt – wir werden regelrecht überrannt." Das lasse sich nicht allein durch saisonale Faktoren erklären. Der Energieanbieter hat reagiert und seine Solarteams aufgestockt.

"Die Haushalte in Deutschland beabsichtigen, sich stärker abzusichern – preislich und physisch." Eine eigene Solaranlage erhöht die Unabhängigkeit von Energiepreisen. Auch im Bereich Wallboxen für Elektroautos und Wärmepumpen steige das Interesse, wie E.ON meldet. "Je länger die Situation im Nahen Osten angespannt bleibt, umso stärker dürfte auch das Interesse an einer nachhaltigen und unabhängigeren Wärmeversorgung werden", prognostiziert Filip Thon von E.ON. Die aktuellen Entwicklungen verstärken diese Nachfrage weiter. "Krisen erzeugen keine neuen Trends, sie beschleunigen bestehende", erklärt Filip Thon.

Enpal: Warum sind Energiesicherheit und Souveränität wichtig?

Eine ähnlich positive Entwicklung meldet Enpal, Europas wichtiges New-Energy-Unternehmen für dezentrale Energie mit mehr als 115.000 Kundinnen und Kunden.

Enpal verkauft integrierte Lösungen aus Solaranlage, Batteriespeicher, Wallbox, Smart Meter und Wärmepumpe. Enpal-Chef, und Mitgründer Mario Kohle, erklärt auf Anfrage von inFranken.de, dass die Nachfrage nach Solar und Wärmepumpen seit Ausbruch des Iran-Krieges explodiert sei.

"Im März lag unser Auftragsvolumen 30 Prozent über dem Vorjahr, im April sogar etwa 33 Prozent. Der aktuelle Konflikt unterstreicht noch einmal deutlich, dass erneuerbare Energien und Elektrifizierung in Europa längst eine Frage von Energiesicherheit und Souveränität sind."

Entwicklung des Auftragsvolumens

Und so entwickelte sich das Auftragsvolumen im Monat März und April 2026: Auftragsvolumen. Der Monatsvergleich innerhalb 2026 zeigt die starke Nachfragesteigerung gegenüber Februar:

  • März 2025: ca. 100 Mio. Euro
  • März 2026: ca. 130 Mio. Euro
  • April 2025: ca. 90 Mio. Euro
  • April 2026: ca. 120 Mio. Euro

Enpal konzentriert sich auf Dachsolaranlagen und bietet keine Balkonkraftwerke an. Balkonsysteme können aber ein sinnvoller Einstieg in das Thema Solar sein. Sie sind allerdings in ihrer Leistung begrenzt und lassen sich kaum mit Stromspeichern, Wärmepumpen, E‑Autos oder intelligentem Energiemanagement verknüpfen. "Die Zukunft der privaten Energieversorgung liegt in integrierten Gesamtsystemen, die Erzeugung, Speicherung, Verbrauchsoptimierung und Netzintegration verbinden – hier entsteht der größte Mehrwert für Haushalte und das Energiesystem", erläutert Enpal-Chef und Mitgründer, Mario Kohle, gegenüber inFranken.de.

1komma5Grad: Wie hat sich das Umfeld geändert?

Das Unternehmen Solarhandel24 plant laut der Nachrichtenagentur Reuters, seine Belegschaft um rund ein Drittel aufzustocken, um die wachsende Nachfrage abarbeiten zu können. Die Düsseldorfer gaben bekannt, dass sich der Umsatz im März gegenüber dem Vorjahr auf fast 70 Millionen Euro verdreifacht habe und sich im Monat April erneut auf bis zu 60 Millionen Euro verdreifacht habe.

Auch bei der Firma 1komma5o aus Hamburg hat sich die Nachfrage nach PV-Anlagen seit Beginn des Iran-Krieges, also seit Anfang März, nahezu verdoppelt. Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°, erklärte auf Anfrage von inFranken.de, dass der Ausschlag deutlicher ist, aber weniger stark als 2022 nach Beginn des Ukrainekrieges.

Auf der anderen Seite sei aber auch das Umfeld ein anderes: "Es ist wesentlich komplexer, Menschen sind verunsichert aufgrund von politischen Ankündigungen wie dem möglichen Ende der staatlich geförderten Einspeisevergütung. Hier sehen wir Vorzieheffekte bei manchen Kunden, die schon länger mit einer Entscheidung liebäugeln."

Marktdaten versus Stimmung: Warum bremst BSW?

Zu den positiven Zahlen von Anfragen und Verkäufern von PV-Anlagen passen nicht die Angaben des BSW-Solar zum im ersten Quartal dieses Jahres. Neue Solarstromanlagen mit einer Leistung von rund 3,5 Gigawattpeak sind neu in Betrieb genommen – rund 6 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dies geht aus Daten der Bundesnetzagentur hervor, die immer dem Marktgeschehen hinterherhinken.

Insbesondere die Nachfrage nach Solarstromanlagen im Heimsegment (PV-Gebäudeanlagen, Leistungsklasse unter 30 kWp) waren in den ersten drei Monaten spürbar rückläufig (minus 21 Prozent). Auch die Anmeldungen für steckerfertige Erzeugungsanlagen ("Balkonsolar") sind um 6 Prozent zurückgegangen.

Insgesamt gewachsen ist dagegen der Batteriespeicherbestand auf etwa 28 Gigawattstunden (GWh), verteilt auf rund 2,5 Millionen Anlagen. Diese Speicherkapazität reicht rechnerisch aus, so BSW Solar, um den durchschnittlichen privaten Tagesstromverbrauch von rund drei Millionen Privathaushalten zu speichern.

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