Krankenkassen haben 2026 ihre Beiträge erhöht: Lohnt sich ein Wechsel?

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Beiträge der Kassen sind gestiegen. Die Verbraucherzentrale ordnet einen möglichen Wechsel ein und gibt wichtige Hinweise.

Die Krise der Krankenkassen wird wohl weiter in die Länge gezogen. Das Sparpaket kommt mit einem Kompromiss. Beiträge sind dennoch gestiegen. Über 40 Kassen haben schon erhöht. Es lohnt sich, einen Blick auf die Liste der Anbieter zu werfen, die aktuell am günstigsten sind. 

Und sollten Versicherte dann unbedingt wechseln? Die Verbraucherzentrale hatte im November 2025 gegenüber inFranken.de noch dazu geraten, sich die Entwicklungen gut anzuschauen. Versicherte haben bei einer Erhöhung der Beitragssätze immer die Möglichkeit, vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Und wie sieht es jetzt aus, nachdem klar ist, dass die Beiträge bei vielen Kassen nach oben gehen?

Wechsel der Krankenkasse: So schätzt die Verbraucherzentrale die Lage ein

Die Verbraucherzentrale Bayern hatte zu ihrer damaligen Einschätzung der Lage erklärt: "Allen Medienberichten zum Trotz sollten Versicherte ruhig bleiben und abwarten. Aktuell weiß niemand, wohin die Reise geht und welche Kasse im Jahr 2026 das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten wird."

inFranken.de hat erneut nachgefragt bei den Experten. Die aktuelle Sicht auf die Krankenkassen: "Trotz der Erhöhungen der Zusatzbeiträge stehen wir nach wie vor auf dem Standpunkt, dass ein Wechsel gut überlegt sein sollte."

Man sollte sich laut Verbraucherzentrale "von den Erhöhungen nicht zu einem übereilten Wechsel zu einer anderen Kasse hinreißen lassen".

Bei Wechsel der Krankenkasse: Darauf sollte man achten

Die Experten raten bei ihrer Antwort an unsere Redaktion dazu, sich wichtige Punkte für einen Wechsel ganz genau anzuschauen:

  • Zusatzleistungen 
    Wer relativ zufrieden mit Zusatzleistungen und dem Service der bisherigen Kasse ist, sollte mit einem Wechsel eher vorsichtig sein.
  • Beitragsersparnis 
    Wer in eine günstigere Krankenkasse wechseln möchte, sollte vorsichtshalber nachprüfen, ob nicht zumindest ein Teil der Beitragsersparnis im Rahmen der Steuerberechnung wieder entfallen würde.
  • Man sollte laut Verbraucherzentrale darauf schauen, "ob sich bestimmte (Zusatz-)Leistungen/Serviceaspekte, auf die man bisher Wert gelegt hat, sogar bei einem Wechsel verschlechtern würden". 

Außerdem gibt es demnach auch Leistungs- oder Serviceaspekte, die  interessant werden können bei Wechselinteressierten. Was sollte man hinterfragen:

  • Besteht die Möglichkeit einer persönlichen Beratung vor Ort, wie ist die Erreichbarkeit?
  • Welche digitalen Serviceangebote hält die Kasse bereit, ggf. Videosprechstunden, Chatberatung, usw.?
  • Welche Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten gibt es? (hier ist wiederum besondere Vorsicht geboten, da manchmal der Aufwand, der für den Bonus betrieben wird, nicht unbedingt immer im angemessenen Verhältnis zur „Prämie“ steht; welche Teilnahmebedingungen gelten beim Bonusprogramm genau, usw.)
  • Welche Wahltarife gibt es? (z. B. Wahltarife mit Krankengeld, Wahltarife mit speziellen Versorgungsformen, usw.; Achtung: Hier kann es zu Bindungsfristen an die Kasse kommen.)
  • Gibt es Zuschüsse zu Osteopathie?
  • Welche Kassenangebote für chronisch Kranke gibt es?
  • Leistet die Kasse für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Kinder, Schwangere, etc.), die über das Standardprogramm hinausgehen, wenn ja: welche genau?

Bei aktuellem Leistungsbezug müssen Versicherte einen ganz wesentlichen Punkt beachten, wie die Verbraucherzentrale Bayern erklärt: "Hier kann es notwendig werden, je nach Leistung, vor einem Wechsel die Zielkrankenkasse über die Leistungsinanspruchnahme vorab zu informieren, genauer gesagt einen entsprechenden Antrag zu stellen, und sich darüber zu informieren, welches konkrete Präparat in Zukunft bezogen werden kann.

Sonderkündigungsrecht bei steigenden Beiträgen der Kassen

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Versicherte bei der Erhöhung der Beiträge immer ein Sonderkündigungsrecht besitzen. Gekündigt werden muss bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.

Ein Beispiel der Verbraucherzentrale verdeutlicht das Vorgehen: Die Krankenkasse erhöht ihren Zusatzbeitrag ab dem 1. Januar 2026. Das Sonderkündigungsrecht können Sie bis zum Ende des Monats, also bis zum 31. Januar 2026, ausüben. Die Krankenkasse muss Sie spätestens bis zum 31. Dezember 2025 von der Erhöhung des Zusatzbeitrages und ggf. über Ihr Sonderkündigungsrecht informieren. Die Informationen in Kürze: 

  • Erhöht die Krankenkasse den Zusatzbeitrag, hat man grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.
  • Man kann bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrages auch dann das Sonderkündigungsrecht nutzen, wenn man noch keine 12 Monate bei seiner Krankenkasse ist.
  • Wer kündigt, muss bis zum Wechsel den erhöhten Beitrag zahlen.

Neue Kasse suchen – darum sind Vergleichsportale nicht immer die beste Wahl

Schwer sei es laut Verbraucherzentrale, sich auf gängige Vergleichsportale zu verlassen bei der Suche nach der passenden Krankenkasse. Dazu heißt es in einem entsprechenden Bericht aus dem Oktober 2025: "Viele Vergleichsportale versprechen, auf Knopfdruck den besten Kredit oder die günstigste Versicherung zu finden. Doch die Ergebnisse sind nicht immer neutral und erfassen nicht alle Anbieter."

Um ein Vergleichsportal richtig zu nutzen, gibt die Zentrale unter anderem folgende Tipps:

  • Erst bestimmen, was man benötigt.
  • Fehlende Anbieter bei den Angeboten herausfinden. "Es werden – je nach Branche – nicht immer alle Anbieter berücksichtigt."
  • Voreinstellungen beachten und anpassen. 
  • Wichtig: Immer die Ergebnisliste und die bezahlten Anzeigen unterscheiden.
  • Immer auch mehrere Vergleichsportale nutzen.
  • Zum Vergleich immer direkt beim Anbieter schauen.
  • Die Vertragsbedingungen genau lesen.
  • Alles auf Gütesiegel und Zertifikate prüfen

Bei der aktuellen Anfrage hat die Verbraucherzentrale gegenüber inFranken.de darauf hingewiesen, dass "eine hilfreiche Informationsquelle für Wechselinteressierte" Stiftung Warentest sein kann, da diese als unabhängig gilt. Grundsätzlich ist es laut den Experten aber sinnvoll, "gerade wenn es dem Wechselinteressierten auf bestimmte Leistungen ankommt, den konkreten Leistungsumfang und die entsprechenden Konditionen von der Zielkrankenkasse schriftlich vorab zu erfragen".

Wenn sich Krankenkassen zusammenschließen

Was Versicherte auch im Blick haben sollten, ist die Tatsache, dass es durch die finanzielle Schieflage einiger Kassen auch zu Zusammenschlüssen kommen kann. 

Im Juli 2025 war der Kostendruck so hoch, dass über das mögliche Aus für rund 60 Krankenkassen in naher Zukunft diskutiert wurde. 

Sollten sich zwei Krankenkassen zu einer neuen Kasse zusammenschließen, dann haben die Mitglieder ebenfalls die Möglichkeit für ein Sonderkündigungsrecht, wenn die neu entstandene Krankenkasse einen höheren Zusatzbeitragssatz erhebt. 

Stabile Beiträge bei Krankenkassen bleiben wohl nur ein Wunsch

Im ZDF-Bericht weist Thomas Moormann, Leiter des Teams Gesundheit und Pflege beim Verbraucherzentrale Bundesverband, explizit auf die angespannte Lage mit den Zusatzbeiträgen hin. Moormann sieht wenig Chancen für die angekündigte Stabilisierung bei 2,9 Prozent – auch wenn er auf die Bemühungen der Kassen setzt: "Weil sich die einzelnen Krankenkassen in einer Wettbewerbssituation befinden, werden sie ihren Beitragssatz nur erhöhen, wenn sie das müssen." 

Doch die enormen Ausgaben werden sie am Ende dazu zwingen. Für Moormann ist laut Bericht klar, dass in allen entscheidenden Ausgabenbereichen die Kosten fast ungebremst steigen werden . 

Zuletzt hatte der Chef der Techniker Krankenkasse (TK) sehr deutliche Worte für die Pläne der Politik gefunden. Jens Baas: "Und leider sehe ich keinen Grund zur Entwarnung: Die steigenden Ausgaben werden das Versprechen von stabilen Beiträgen zunichtemachen." 

Krise der Kassen: Nimmt der Staat die Lage nicht ernst?

Viele Experten stellen bei der finanziellen Schieflage der Krankenkassen auch eine grundsätzliche Frage: Rechnet sich der Staat die Krise der Kassen schön?

Den vielen Zahlen, die vom Staat und dem GKV-Schätzerkreis genannt werden, stehen immer wieder Daten gegenüber, die eine deutlich düsterere Prognose zu den Beiträgen abgeben. 

Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen erklärte zu einer Auswertung auf seinem Portal, dass schon jetzt mehr als die Hälfte der Krankenkassen über dem Durchschnitt lagen bei den Zusatzbeiträgen. Tenhagen: "In Wahrheit geht es den Krankenkassen schlechter, als der vorgeschlagene durchschnittliche Zusatzbeitrag vermuten lässt."

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