Die Forderung nach einer Zuckersteuer gewinnt an Rückhalt in Politik und Gesellschaft. Neue Vorschläge sollen bei Softdrinks die Gesundheit schützen und die Kosten senken.
Für geplante Einsparungen im Gesundheitswesen liegt ein Vorschlag zu einer Zuckersteuer auf dem Tisch sowie eine Initiative im Bundesrat. Die Befürworter erhöhen den Druck. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht die Verantwortung bei Lars Klingbeil (SPD). "Der Finanzminister muss jetzt einen konkreten Gesetzentwurf für eine Zuckersteuer vorlegen", sagte Expertin Luise Molling der Deutschen Presse-Agentur am Samstag (25. April 2026).
Eine Steuer zahle sich doppelt aus: "Sie senkt ernährungsbedingte Krankheitskosten und bringt Einnahmen, die in bessere Gesundheitsvorsorge investiert werden können." Ein aktueller Appell, den laut Foodwatch 4000 Ärztinnen und Ärzte unterstützen, richtet sich auch an die Ministerpräsidenten.
Zuckergesüßte Getränke im Visier: Große Mengen Zucker, die nicht sättigen
Ärztepräsident Klaus Reinhardt sagte: "Die Bundesregierung sollte diese Chance nutzen - insbesondere zum Schutz der Gesundheit unserer Kinder." In Praxen und Kliniken sieht man die Folgen ernährungsbedingter Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes und Karies täglich, heißt es im Appell. Zuckergesüßte Getränke spielten eine zentrale Rolle, da sie große Mengen freien Zuckers in kurzer Zeit liefern, ohne zu sättigen.
"Prävention muss deshalb dort ansetzen, wo besonders wirksame und bevölkerungsweite Effekte erreichbar sind." Dass nun überhaupt eine politische Dynamik entstanden ist, war vor einigen Wochen nicht wirklich absehbar. Beim CDU-Bundesparteitag im Februar blitzte der schleswig-holsteinische Landesverband mit einem Antrag für eine Limosteuer ab. Und Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bekam aus der Parteiführung zu hören, eine Zuckersteuer sei "grüne Bevormundungspolitik".
Günther legte dann jedoch nach und brachte eine Initiative im Bundesrat ein. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft und Informationskampagnen seien wichtig, hätten jedoch nur begrenzte Wirkung gezeigt, heißt es darin. Daher bedürfe es gezielter, marktwirtschaftlicher Anreize. "Es geht darum, Herstellern einen klaren Grund zu geben, Rezepturen zu verändern", sagte Günther.
Im Zuge der Gesundheitsreform: Plan einer gestaffelten Steuer auf Softdrinks
Der Antrag zielt darauf ab, die Bundesregierung zur Einführung einer Steuer aufzufordern. Ob der Bundesrat diese Position einnimmt, ist noch offen. Bewegung auf Bundesebene gibt es auch schon - nämlich im Rahmen des geplanten Sparpakets, das die gesetzlichen Krankenkassen von immer höheren Ausgaben entlasten soll. Eine Expertenkommission von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) legte Ende März diverse Empfehlungen vor, und die letzte mit Nummer 66 lautet: "Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke".
Geschätzte Mehreinnahmen: 450 Millionen Euro jährlich, die am besten auch der solidarischen Krankenversicherung zugutekommen sollten. Warken nahm den Ball auf und verkündete, sie sei "sehr dafür", das Thema Zuckersteuer anzugehen. Das finde im Moment nicht ohne Diskussionen statt. "Aber unter Präventionsgesichtspunkten meine ich schon, dass wir da jetzt einen Schritt weitergehen müssen." Da sie nicht federführend sei, könne sie es in ihrem Gesetz nicht regeln.